Wernau Mögliches Gewerbegebiet löst nur „leisen“ Unmut aus

Auf der einen Seite der Esslinger Straße gibt es bereits Gewerbe, auf der anderen Seite, auf den Wernauer Talwiesen, soll ein neues Gebiet ausgewiesen werden. Foto: Ines Rudel

Bis zum 20. Januar sind Stellungnahmen zum nicht unumstrittenen Bebauungsplan „Neckartal III, 1. Änderung“ im Wernauer Rathaus noch möglich. Bislang hält sich die Zahl der Einwände gegen das Vorhaben in Grenzen.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Ganz unumstritten ist das Vorhaben, auf den Wernauer Talwiesen zwischen der Esslinger Straße und dem Flussufer ein neues Gewerbegebiet entstehen zu lassen, von Anfang an nicht gewesen: Die ersten Entwürfe wurden im vergangenen Jahr bereits deutlich verändert, aber selbst für die im Anschluss vorgestellten Planungen hat es im Gemeinderat zwar eine deutliche Zustimmung, aber eben auch drei Enthaltungen und fünf Gegenstimmen gegeben.

 

Bis Freitag, 20. Januar, ist der Vorentwurf des Bebauungsplans „Neckartal III, 1. Änderung“ noch im Erdgeschoss des Wernauer Rathauses ausgelegt. Und bis zu diesem Termin läuft auch die sogenannte frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie die frühzeitige Unterrichtung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange.

Nur drei Personen hatten bisher Fragen

Dass es, seit die Pläne ausliegen, auf dem Baurechtsamt der Stadt sonderlich turbulent zugegangen wäre, kann man allerdings nicht behaupten. „Die Einsichtnahme bewegt sich im Rahmen des Üblichen“, heißt es seitens der Verwaltung. Bisher hätten drei Personen Rückfragen zum Bebauungsplan im Rathaus gestellt. Die Stimmung auf der noch grünen Wiese – unter Spaziergängern, Radfahrern und Gassigehern – scheint hingegen eine andere zu sein. Wer sich dort tummelt, bekommt unweigerlich mit, dass die vorgesehene Bebauung ein Gesprächsthema ist.

Auf dem insgesamt 8,8 Hektar großen Areal könnten demzufolge zwei lang gezogene Gebäudereihen entstehen, mit einer Erschließungsstraße in der Mitte. Am oberen und am unteren Ende bleiben Teile der vorhandenen Grünflächen erhalten. Wie groß die Netto-Nutzfläche letztlich sein wird, hängt von den weiteren Planungen ab. Hört man den Leuten zu, die das Areal am Neckarufer in ihrer Freizeit nutzen, spielt das aber auch nicht die entscheidende Rolle. Sie befürchten, dass ihnen eine „kleine Insel für die Naherholung“ genommen wird, wie ein älterer Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, das Gelände nennt.

Annette Grupp: Einschnitt in die Lebensqualität

Annette Grupp, „eine ganz normale Bürgerin“, wie sie selbst sagt, hat sich hingegen ein Herz gefasst und sich die Arbeit gemacht, eine Stellungnahme zum Bebauungsplan abzugeben. „Das ist der einzige Grünbereich, den viele Anwohner noch haben. Geht der verloren, ist das ein Einschnitt in die Lebensqualität“, sagt sie. Darüber hinaus beklagt Grupp, dass das geplante Gewerbegebiet unwiederbringlich Wiesen und Bäume, also einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen, zerstöre. Dass es weiterhin einen Rad- und Fußweg entlang des Neckars geben soll, sei dafür und für die hier lebenden Menschen kein Ersatz, betont Grupp und blickt auf die verbleibende Grünfläche: „Einen Hügel aus ehemaligem Bauschutt zum Wahrzeichen einer Stadt und zur übrig gebliebenen und ausreichenden Rekreationsfläche zu erklären wirkt erbärmlich.“ Kritik äußert sie auch aus verkehrlichen, klimatischen und städtebaulichen Aspekten. Die Esslinger Straße bekomme „einen Tunnelcharakter“, Wernau werde zur „reinen Durchfahrtsstadt“.

Annette Grupp schließt ihre Stellungnahme mit der Forderung „Stoppen Sie dieses Vorhaben!“, weiß aber auch um ihren begrenzten Einfluss: „Ob das noch was ändert, kann ich nicht sagen. Zumal ich im Moment eher auf mich allein gestellt bin.“

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