Wernau Security soll Polizei unterstützen

In Wernau kommt es regelmäßig zu störendem Verhalten an öffentlichen Plätzen. Die Stadt hat deshalb einen Securitydienst beauftragt, um die Polizei mit zusätzlichen Kontrollen zu unterstützen. Foto: dpa/Patrick Seeger

Die Zahl der Straftaten hat 2019 abgenommen. Nächtliche Unruheherde beschäftigen die Bürger.

Wernau - Tumult auf der Kirchheimer Straße, es knallen drei oder vier Schüsse durch die Nacht. Ein Dutzend Notrufe gehen bei der Polizei ein. Das war Wernau vergangene Woche. Große Aufregung in den modernen Netzwerken, die auch Videos dazu lieferten. Fabian Mayer, der Leiter des Polizeireviers Kirchheim, nutzte das Ereignis als spannenden Einstieg in den Kriminalitätsbericht, den er dem Wernauer Gemeinderat vorstellte. Letztlich ist wenig passiert, ein Mann im psychischen Ausnahmezustand schlug auf Autos ein. Ein Autofahrer holte sich darauf zuhause eine Schreckschusspistole und kehrte an den Unruheherd zurück. Ergebnis: zwei Strafanzeigen und eine Einweisung in die Psychiatrie. Von diesem außergewöhnlichen Ereignis abgesehen, kommt es in der Stadt regelmäßig zu störendem Verhalten an öffentlichen Plätzen. Das Ausmaß ist so groß, dass die Stadt einen Securitydienst beauftragt hat, um die Polizei mit zusätzlichen Kontrollen zu unterstützen.

 

Subjektives Empfinden

„Gefühlt wird’s immer schlimmer.“ Mit dieser Bemerkung liegt Stadtrat Stefan Redle (WBL/JB) richtig. Es geht um das subjektive Empfinden. Denn richtige Straftaten, das belegt die Statistik der Polizei, hat es in Wernau im vergangenen Jahr weniger gegeben. 471 Straftaten registrierte die Polizei, im Jahr zuvor waren es 484. Der Fünf-Jahres-Schnittt liegt bei 479 Straftaten. Bei fast allen Arten von Delikten war in Wernau im vorigen Jahr die Zahl rückläufig.

Anders als im Landestrend ging in Wernau die Zahl der Rohheitsdelikte zurück, von 89 auf 79. Bei Sexualdelikten stieg die Zahl von vier auf neun. Das hänge aber mit dem neuen Paragrafen zusammen, der nun Belästigung als Straftat werte. So tauchen auch zwei Küss-Versuche während der Fasnet in der Statistik auf, ebenso das Verschicken pornografischer Fotos per WhatsApp. Polizeioberrat Mayer erwähnte auch den Landfahrer, der sich vor einem Mädchen entblößte, und die Beziehung eines Asylbewerbers zu einer 14-Jährigen.

Deutlich weniger Diebstähle wurden 2019 angezeigt: 103 statt 141, also ein Rückgang von 27 Prozent. Dieser Trend setzte sich 2020 fort, sagte der Kirchheimer Revierleiter, der für zwölf Kommunen mit fast 100 000 Einwohner zuständig ist. Wohnungseinbrüche machen Bürgern Angst, ihre Zahl bewegt sich aber auf niedrigem Niveau. 2019 waren es in Wernau nur zwei, aber dieses Jahr bereits drei. Sachbeschädigungen wurden 54 gemeldet, minus fünf. Rauschgiftdelikte wurden 38 erfasst, minus drei. Die gute Verfügbarkeit von Stoff, gefällt dem Polizeioberrat allerdings nicht. Er rechnet auch damit, dass 2020 die Zahl steigt – als „Nebeneffekt“ von Corona-Kontrollen.

Die Zunahme bei den Betrugsfällen, von 92 auf 106, geht auf das Konto von Callcentern, die ältere Menschen unter Druck setzen. Weil diese Betrugscenter oft im Ausland sitzen, hat sich die gesamte Aufklärungsquote verschlechtert: von 62 auf 56,5 Prozent. Noch zwei Zahlen fand der Revierleiter bemerkenswert: Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen sank deutlich von 94 auf 67, bei insgesamt 229 Tatverdächtigen. Die Zahl der Verkehrsunfälle nahm von 277 auf 317 zu, es gab aber keine Toten und nur zwei Schwerverletzte, ein Jahr zuvor waren es acht.

Polizei setzt auf Kommunikation

Wie bekommt man die nächtlichen Störungen in den Griff? Allein diese Frage beschäftigte den Gemeinderat länger. Die Polizei habe ihr Einsatzkonzept verändert, erläuterte Mayer. Sonderstreifen seien vom späten Nachmittag bis in die Nacht hinein unterwegs, um den Überwachungsdruck auf öffentlichen Plätzen erhöhen. Dazu zählen die Schulhöfe, das Parkhaus Stadtplatz, der Bahnhofsplatz, das Areal rund um die Eishalle, aber auch Grundstücke hinter den Kleingartenanlagen. Bei diesen Einsätzen erwiesen sich die Bodycams als hilfreich. Ein Hinweis auf die kleinen Körperkameras, zeige bei noch ansprechbaren Personen meist Wirkung. „Das wichtigste Einsatzmittel bleibt aber die Kommunikation“, betonte Mayer. Dass Jugendliche an warmen Sommerabenden ihre Freizeit draußen genießen, sei nichts Neues, meint der Polizist, aber Corona habe das verstärkt. Zum einen suchten Jugendliche Plätze, an denen sie weniger reguliert seien, als in Kneipen, zu andern halte sich die übrige Bevölkerung mehr zuhause auf und reagiere sensibler. Die Schmierereien mit dem Schriftzug „49“, der Postleitzahl Wernaus, habe man registriert, sehe sie aber bislang nicht als Sicherheitsproblem, sagte Mayer.

Bürgermeister Elbl kündigte an, die Stadt werde Schilder aufstellen, um die Regeln deutlich machen, beispielsweise zu Uhrzeiten und Alkoholgenuss. Das erleichtere der Polizei das Eingreifen, bestätigte Rainer Dieter, der Leiter des Wernauer Polizeipostens.

Bereits im vorigen Jahr genehmigte der Gemeinderat die mittel für eine 50-Prozent-Stelle eines Streetworkers. Der Kreisjugendring hat aber trotz mehrfacher Ausschreibung noch keinen Sozialpädagogen für diese Aufgabe gefunden. Der Securitydienst wird laut Elbl nächste oder übernächste Woche seinen Dienst beginnen.

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