Wertewerkstatt Murrhardt Wie zwei junge Frauen Kindern Werte vermitteln möchten

Bücher sind eine Möglichkeit, Kindern zu vermitteln, worauf es in einer solidarischen Gemeinschaft ankommt. Foto: dpa/Patrick Pleul

Solidarität, Selbstwert, Gerechtigkeit: Wie kann das Kindern nähergebracht werden? Hannah Kullmann und Sofia Rust wollen dafür Werkzeuge an die Hand geben. Unterstützt werden sie von kleinen Monstern, den Wompets.

Man könnte meinen, Kindern Werte zu vermitteln, sei für Menschen im Alter von Anfang 20 eher ein Nischenthema. Bei der Murrhardterin Sofia Rust, 21, und der 20-jährigen Hannah Kullmann aus Stuttgart ist das jedoch anders – ihnen ist das Thema enorm wichtig. So wichtig, dass die beiden Freundinnen vor einem Jahr ihr gemeinsames Projekt Wertewerkstatt gestartet haben. Mit dieser und dem von Sofia Rust verfassten Kinderbuch „Die Wompets und das Sternenleuchten“ wollen sie den Kleinsten in der Gesellschaft Orientierung bieten.

 

Kleine Wolkenmonster, die die Sterne anzünden

„Uns ist es wichtig, gute Werte zu vermitteln“, sagt Sofia Rust in Bezug auf die Inhalte in ihrem ersten Kinderbuch. Die Murrhardterin macht eine Ausbildung zur Erzieherin und steht Kindern insofern nahe. Ihre Arbeit hat sie mit der Vorliebe für das Schreiben und Zeichnen verbunden – und die Wompets geschaffen.

Jene Wompets sind kleine Wolkenmonster, deren Aufgabe es ist, die Sterne am Himmel anzuzünden, damit die Menschen sie sehen können. Als dem kleinen Wutsch das nicht gelingt, wird er von der Gemeinschaft ausgeschlossen und von Selbstzweifeln geplagt. Mit Unterstützung lernt er im Laufe der Geschichte, worauf es im Leben wirklich ankommt. Das Buch soll Kindern ab fünf Jahren vermitteln, dass ihr Selbstwert nicht von den Leistungen abhängt.

Spielerische Auseinandersetzung mit wichtigen Inhalten

Doch die Wertewerkstatt will mehr als ein klassisches Kinderbuch bieten. Zusammen mit ihrer Mitstreiterin Hannah Kullmann, die Layout, Satz und die Website gestaltet hat und für das Projektmanagement zuständig ist, organisiert Sofia Rust auch Lesungen und stellt Begleitmaterial zur Lektüre zusammen. Das beinhaltet beispielsweise Rätsel oder Ausmalbilder. So sollen sich die Kinder spielerisch mit den Inhalten auseinandersetzen können.

Sofia Rust (links) und Hannah Kullmann schätzen „Die Wompets“ Foto: Kullmann

„Wir haben im März vergangenen Jahres angefangen, seitdem wächst unser Projekt stetig. Wir geben immer wieder Lesungen in Schulen und Kindergärten“, berichtet Sofia Rust. Die Resonanz sei bislang durchweg gut. 400 Kinder haben die jungen Frauen bisher erreicht. Damit diese Zahl weiter wächst, wollen sie nun Sofia Rusts Buch, das im August auf der Self-Publishing-Plattform Epubli veröffentlicht wurde und knapp 25 Euro kostet, in einem eigenen Buchverlag herausbringen. „Das Blöde am Self-Publishing sind die hohen Druckkosten, wodurch das Buch so teuer ist, dass es sich manche Familien nicht leisten können“, erklärt Sofia Rust. Da sie sich einen niedrigschwelligen Zugang zu ihrer Geschichte wünscht, haben sie und ihre Mitstreiterin begonnen, nach einer Alternative zu suchen.

Niedrigschwelliger Zugang gesucht

Die Veröffentlichung bei einem bereits existierenden, etablierten Kinderbuchverlag wäre für die beiden auch eine Option gewesen. Allerdings erhalten diese weitaus mehr Einsendungen, als sie annehmen oder gar nur beantworten können. Die Wartezeiten sind deshalb lang und eine positive Rückmeldung alles andere als gewiss. „Wir haben unser Manuskript anfangs durchaus an Verlage gesendet, aber eben auch angefangen, über Alternativen nachzudenken“, berichtet Sofia Rust. So entstand die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen, um „Die Wompets“ zu veröffentlichen. Anders als bei der bisherigen Self-Publishing-Variante müssen Käufer das Buch dann nicht erst bestellen. Stattdessen kann es auch in Buchhandlungen ausliegen und somit noch mehr kleine Leserinnen und Leser finden.

Hohe Kosten als Hindernis

Doch eine Verlagsgründung bringe auch Herausforderungen mit sich, wie Hannah Kullmann, die Medizintechnik studiert, erklärt: „Die Kosten sind ein Hindernis, zudem sind wir beide keine Profis.“ Ihnen würde beispielsweise eine Marketingabteilung fehlen, was für eine erfolgreiche Vermarktung aber essenziell sei.

Ausbremsen lassen wollen die zwei sich dadurch nicht. Sie haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die nötigen finanziellen Mittel für die Verlagsgründung zusammenzubekommen. Zudem sehen sie ihre Teamarbeit als eine ihrer größten Stärken, sagt Hannah Kullmann: „Dadurch, dass wir zu zweit sind, haben wir einen konstanten Austausch an Ideen, wir lernen ständig dazu.“ Auch ein neues Kinderbuch ist schon in Planung. Langweilig dürfte es den beiden demnach nicht werden.

Informationen zur Wertewerkstatt sowie den QR-Code für die Crowdfunding-Kampagne gibt es unter www.diewompets.de .

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Murrhardt Kinder Schulen Lesung