Wetter in Stuttgart Der Mai wird doch noch zum Wonnemonat

Der Wonnemonat Mai begann in diesem Jahr kühl und nass, das wechselte aber zu viel Sonnenschein und blauem Himmel – wie hier beim SWR-Sommerfest Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Nach einem meteorologisch kühl-grauen Start präsentiert sich der Wonnemonat am Ende sogar als ein wenig zu warm. Und in Stuttgart auch als zu trocken.

So stellt man sich den Wonnemonat Mai vor: Die Natur grünt satt, der neue Rasenmäher darf PS-protzend und eindrucksvoll röhrend alle paar Tage den Nachbar neidisch machen, die Luft ist warm aber nicht schwül oder heiß und der Himmel postkartenkitschig blau mit ein paar Schäfchenwolken als Deko. Und so war er auch der Mai 2023 über Stuttgart – zumindest für alle, die im Hier und Jetzt leben, Erinnerungen über ein paar Tage zurück hinaus für Zeitverschwendung halten und nur das Finale im Blick haben.

 

Andere erinnern sich aber, dass der Monat lange Zeit so rein überhaupt nichts mit Wonne zu tun hatte. Pulli oder Heizung im Wohnzimmer war vor allem vom 10. bis 19. Mai die Frage. Zarte Gemüter hörten „November Rain“ und kauften Johanniskraut gegen die Tristesse in der Apotheke. „Die meist über Italien liegende Tiefs Andreas, Zoltan, Benedikt und Chappu steuerten an ihrer Nordflanke wolkenreiche und kühle Luftmassen aus Osten nach Stuttgart“, erklärt Andreas Pfaffenzeller. Und der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ergänzt: „Insgesamt was der Mai 2023 etwas zu warm, viel zu trocken und leicht überdurchschnittlich sonnig.“

Früher war ein durchschnittlicher Mai deutlich kühler

Das Fazit freilich bedarf Erklärung. Wie zu warm? Am Ende ja, aber das Schlotterwetter zu Beginn und in der Mitte? In Zahlen hatten wir eine Durchschnittstemperatur von 14,8 Grad, das sind 0,2 Grad mehr als in der Referenzperiode 1991 bis 2020. In den 30 Jahren zuvor war ein durchschnittlicher Mai mit 13,3 Grad noch deutlich kühler, aber da hatten wir ja auch noch keinen Klimawandel. Und ein Teil des hohen Durchschnittswerte erklärt sich auch wieder durch die lange Periode der Italientiefs mit ihren vielen Wolken.

Zwar kletterte unter denen das Thermometer nicht wirklich weit nach oben, es gab in diesem Mai zum Beispiel nur zwei Sommertage über 25 Grad, normal wären vier. Aber durch die Bewölkung sank das Thermometer nachts auch nicht so stark ab als bei sternenklarem Himmel nach einem sonnigen Frühlingstag. So reichte es für den finalen Frühlingsmonat für ein warmen Durchschnittswert, der sich freilich lange Zeit ganz anders anfühlte.

Das viel zu trocken dagegen leuchtet sofort ein. „Seit dem 17. Mai wurde am Schnarrenberg kein Niederschlag mehr gemessen“, sagt Andreas Pfaffenzeller. Insgesamt kamen nur 35,2 Liter pro Quadratmeter zusammen, das ist weniger als die Hälfte (76,1 Liter) eines durchschnittlichen Mai. Dass man die Trockenheit der Natur nicht ansieht, liegt daran, dass das am 31. Mai zu Ende gegangene meteorologische Frühjahr nass genug war. Zum Glück für die Natur, exakt 154,5 Liter Regen wurden seit 1. März gemessen, das sind etwa 101 Prozent eines normalen Frühjahrs, also ausreichend. Zudem war die Messstation Schnarrenberg wieder mal einer der trockensten Orte im Land. Schon am Flughafen fiel mit knapp 48 Litern deutlich mehr Regen, in weiten Teilen unseres Landes war es im Mai sogar amtlich nass. Im Schwarzwald und im Allgäu wurden örtlich über 150 Liter Regen gemessen, soviel wie im gesamten Frühjahr im Städtle. Bleibt noch die Sonne, die sich in der Stadt erst rar machte, sich dann aber wohl entschuldigen wollte und seit dem 20. Mai häufig und vom 25. Mai an dauernd schien. Das macht in Summe 220,5 Sonnenstunden und die entsprechen gut 105 Prozent des langjährigen Mittels.

Es bleibt zu hoffen, dass sich 2022 nicht wiederholt

Das Frühjahr in Stuttgart wird also als ein durchaus erfreuliches in Erinnerung blieben. Und als ein meteorologisch ziemlich durchschnittliches, wenn man die Referenzperiode 1991 bis 2020 heranzieht. Was jetzt für ein Sommer folgt, ist natürlich noch offen. Prognosen über fünf Tage hinaus sind bekanntlich Lotterie. Aber zumindest so lange wird die Trockenheit noch weitergehen, allenfalls unterbrochen durch Schauer, die aber auf dem Weg zum Schnarrenberg eher wieder verhungern dürften. Und es bleibt zu hoffen, dass sich 2022 nicht wiederholt. Da war der Mai ganz ähnlich und es folgte der zweittrockenste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1951. Gerade mal 113 Liter tröpfelten in den 92 Sommertagen 2022 am Schnarrenberg ins Messglas – ein Horror für die Natur. Hoffen wir das Beste für 2023, also neben Sonne und Wärme auch auf ein paar kräftige Regentage im Sommer.

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