Wettlauf um das höchste Gebäude der Welt Wie hoch können Wolkenkratzer noch gebaut werden?

Schwindelerregender Blick von einem Hochaus in Hongkong Foto:  
Schwindelerregender Blick von einem Hochaus in Hongkong Foto:  

In der Stadt Jeddah entsteht ein Wolkenkratzer, der die magische Grenze von 1000 Metern Höhe überschreitet. Es gibt auch Pläne für ein 1,5 Kilometer hohes Gebäude. Wann ist Schluss? Mehr darüber verrät auch unsere große Infografik im Wochenendteil der Printausgabe.

Leben: Anja Tröster (aja)
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Stuttgart - Noch ist der 828 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai das höchste Gebäude der Welt – aber nicht mehr lange. Im Jahr 2019 wird er von dem 1007 Meter hohen Jeddah Tower in der gleichnamigen saudi-arabischen Hafenstadt abgelöst. Der Neubau zeigt, dass sich die Stadt in einem gigantischen Umbau befindet.

Bisher sind der 828 Meter hohe Burj, der Shanghai Tower und der Mekka Royal Clock Tower die einzigen megagroßen Gebäude. So bezeichnet man Wolkenkratzer mit mindestens 600 Metern Höhe. Sie haben die supergroßen Wolkenkratzer abgelöst, die bei 300 Meter beginnen. Die kleine Gruppe wird bald rasant wachsen. Vier neue megagroße Gebäude entstehen bis zum Jahr 2020. Und das ist nur der Anfang.

Im Jahr 2000 lag die durchschnittliche Höhe der 20 höchsten Gebäude der Welt bei 375 Meter. Im Jahr 2020 wird sie laut dem Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) nahezu doppelt so hoch sein, nämlich 598 Meter. Nicht nur Laien fragen sich inzwischen: Wann stößt der Höhenrausch an seine Grenzen?

Pläne für einen 1,6 Kilometer hohen Wolkenkratzer gibt es bereits

Glaubt man dem amerikanischen Star-Architekten Adrian Smith, der den Jeddah Tower geplant hat, dann sind Gebäude von bis zu einer Meile Höhe technisch ohne weiteres machbar. Tatsächlich gibt es auch bereits Pläne, in der japanischen Hauptstadt Tokyo bis zum Jahr 2045 einen 1,6 Kilometer hohen Wolkenkratzer zu bauen, den Sky Mile Tower. Er wäre das Zentrum eines futuristischen Viertels, das komplett auf künstliche Inseln gebaut wird. Ob solche Pläne Wirklichkeit werden, ist Smith zufolge keine Frage der Technik, sondern eine der Ökonomie. Ähnlich sieht es auch sein Mitarbeiter Peter Weismantle, der für das Chicagoer Architekturbüro von Smith und Gordon Gill den Bau des Jeddah Tower betreut: „Die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes ist der entscheidende Faktor“, sagt Weismantle.

Mit anderen Worten: Die Immobilie muss sich gut verkaufen, oder der Projektträger muss in der Lage sein, über Jahre eine Investition in Milliardenhöhe vorzufinanzieren. Beim Empire State Building dauerte es ganze zwei Jahrzehnte, bis es voll belegt war. Und auch der Burj Khalifa verzeichnet noch Leerstände.

Der Architekt Christoph Ingenhoven bezweifelt ohnehin, dass Menschen sich in einer Höhe von 600 Metern und mehr auf Dauer wohl fühlen. „Gebäude mit solchen Höhen sind vergleichbar mit Kleinstädten, die nun aber vertikal organisiert werden müssen“, gab er 2013 in einem Interview zu bedenken. „Dafür gibt es keine erprobten Lösungen.“

Türme sollen Touristen locken und Platz in den Städten schaffen

Die aufstrebende Stadt Jeddah nimmt diese Herausforderung in Kauf. Horizontal zu wachsen sei der Stadt nicht möglich, sagt Mounid Hammoud, Geschäftsführer des Projektträgers Jeddah Economic Company. Deshalb entstehen rund um den Wolkenkratzer weitere Hochhäuser. Der Turm soll die Touristen in die dortigen Geschäfte und Hotels locken.

Gleichzeitig soll der Wolkenkratzer für ein neues Image sorgen – so wie auch der Burj Khalifa die Wahrnehmung Dubais weltweit veränderte. Diese Form der ­Stadtentwicklung findet vor allem in Asien viel Anklang. Und weil Prognosen zufolge auch in den nächsten Jahrzehnten mehr Menschen in die Städte ziehen werden, wird der Wettlauf bei den Wolkenkratzern wohl nicht so schnell enden.

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