WG-Zimmer oder Wohnheimplatz? Esslingen:Wie teuer wohnen Studierende?

Vor allem bei jüngeren Menschen sind Wohngemeinschaften eine beliebte Wohnform. Foto: /imago

Die Mieten in Wohngemeinschaften steigen bundesweit. Eine Durchschnittsmiete für Studierende ist im Kreis Esslingen zwar nicht zu ermitteln. Doch teils werden Preise von mehr als 500 Euro aufgerufen. Wie ist die Situation in Wohnheimen?

Wohnraum wird knapper, die Mieten steigen – das wird vor allem für Menschen mit geringem Einkommen zum Problem. Wohngemeinschaften sind nicht nur, aber vor allem bei Studierenden und Auszubildenden beliebt. Doch so günstig, wie mancher denken mag, lebt es sich auch in dieser Wohnform offenbar nicht mehr. Für ein WG-Zimmer werden in München laut einer Erhebung von Empirica, einem unabhängigen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Beratungsinstitut, durchschnittlich 700 Euro fällig, das Studierendenwerk geht hier sogar von durchschnittlichen Kosten in Höhe von 760 Euro für ein Zimmer aus. In Stuttgart werden für ein unmöbliertes Zimmer im Schnitt 549 Euro verlangt.

 

Darüber, wie hoch die Mieten im Landkreis für WG-Zimmer, vor allem an den Hochschulstandorten Esslingen und Nürtingen, sind, gibt unter anderem ein Blick auf gängige Online-Suchportale Aufschluss. Da werden im Esslinger Stadtgebiet 15 Quadratmeter für 470 Euro angeboten, 24 Quadratmeter für 495 Euro oder auch zwölf Quadratmeter für 550 Euro – nach oben hin geht es bis 900 Euro für 20 Quadratmeter bei einer Neugründung, wobei sich die Beträge auf die Kaltmieten unmöblierter Zimmer inklusive der Nebenkosten beziehen.

In Nürtingen, wo die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt einen Standort hat, rangieren die Mietpreise in ähnlich weitem Feld: Ein unmöbliertes Zimmer mit 25 Quadratmetern wird dort für 500 Euro angeboten, 15 Quadratmeter sind für 305 Euro zu haben, ein Zimmer mit 20 Quadratmetern wird für 590 Euro vermietet.

Wohnpauschale in Höhe von 360 Euro

Wer kein Zimmer auf dem freien Markt findet, kann in einem Wohnheim unterkommen. In Esslingen ist für die fünf Wohnanlagen mit insgesamt 748 Zimmern das Studierendenwerk Stuttgart zuständig, das eine fixe Warmmiete von 320 Euro bis 414 Euro, je nach Wohnform, Ausstattung und Größe angibt. Die durchschnittliche Warmmiete beträgt bei den Esslinger Wohnanlagen 359 Euro für ein Zimmer.

An allen Standorten des Studierendenwerks – Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen – betrug die Warmmiete im Jahr 2016 noch 277 Euro, heute sind es standortübergreifend durchschnittlich 363 Euro. Als Gründe für die Preissteigerung nennt der Geschäftsführer Marco Abe die Auswirkungen von Krisen, Krieg und Inflation, weswegen man nicht „um größere Anpassungen“ herumgekommen sei. Wer einen Platz im Wohnheim sucht, hat in Esslingen offenbar keine schlechten Chancen: Angebot und Nachfrage halten sich laut Studierendenwerk die Waage. In Nürtingen werden im Schnitt 240 Euro Warmmiete verlangt, sagt Philipp Mang vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim, das hier für zwei Wohnanlagen zuständig ist.

Der Bafög-Satz sieht für Wohnen eine Pauschale in Höhe von 360 Euro vor. Das ist aus Sicht von Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, problematisch. Es gebe nur noch ganz wenige Hochschulstädte in Deutschland, in denen man sich mit der Bafög-Wohnpauschale ein WG-Zimmer leisten könne. Laut Sozialerhebung lagen die durchschnittlichen Mietausgaben der Studierenden bundesweit bereits im Jahr 2021 bei 410 Euro im Monat, heute rechnen Marktforschungsanalysen mit Kosten von durchschnittlich mehr als 450 Euro im Monat.

Wer kann sich studieren in Metropolen leisten?

Rund ein Viertel der Studierenden wohne noch zuhause. „Das geht aber auf Kosten der Selbstständigkeit der Studierenden und führt zu längeren Pendelwegen“, sagt Anbuhl. Es drohe zudem eine neue Form der sozialen Auslese: An welcher Hochschule studiert werde, hänge davon ab, ob sich die Studierenden die Miete dort leisten könnten. Die Folge: Kinder aus vermögenden Haushalten studieren an den Top-Hochschulen in den teuren Metropolen. „Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist eine brennende soziale Frage, nicht allein für die rund 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland“, sagt Anbuhl. Studentinnen und Studenten konkurrieren auf den freien Wohnungsmärkten mit anderen sozialen Gruppen um den wenigen bezahlbaren Wohnraum, etwa mit jungen Familien, Geringverdienenden oder älteren Menschen.

Zudem sei die soziale Infrastruktur, also bezahlbarer Wohnraum, in den vergangenen Jahren nicht in gleichem Maße ausgebaut worden wie Studienplätze. Nach Angaben des Studierendenwerks ist die Zahl der staatlich geförderten Studienplätze seit dem Jahr 2007 um 50 Prozent gestiegen, die Zahl der staatlich geförderten Wohnheimplätze aber nur um sieben Prozent. Das Verhältnis von Studierenden zu geförderten Wohnheimplätzen, die sogenannte Unterbringungsquote, liege bei nur noch 9,6 Prozent. Im Jahr 1991 waren es dagegen noch fast 15 Prozent.

Wie teuer sind die Zimmer in Wohngemeinschaften?

Bundesweit
Laut dem Forschungsinstitut Empirica ist zu Beginn des Sommersemesters 2024 der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer mit 700 Euro in München am höchsten, gefolgt von Hamburg und Berlin (je 598 Euro) und Frankfurt (580 Euro). Die günstigsten Angebote gebe es in Wolfsburg (219 Euro) sowie in Halle an der Saale (313 Euro) und Siegen (330 Euro). In Stuttgart liege der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer bei 549 Euro.

Veränderung
An den Hochschulstandorten in Deutschland insgesamt liegt der Standardpreis zum aktuellen Semester bei 485 Euro und somit 26 Prozent über dem Niveau aus dem Sommersemester 2019 und 38 Euro höher als im Sommersemester 2023. Seit dem Sommersemester 2019 sind die Angebotsmieten nach Ergebnissen von Empirica bundesweit um 21 Prozent und in den kreisfreien Großstädten um 20 Prozent gestiegen.

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