Whitney Houstons Tochter Beginn eines schwierigen Weges

Von Sebastian Moll 

Die Tochter der verstorbenen Whitney Houston, Bobbi Kristina Brown, war zu deren Lebzeiten mehr Aufpasserin als unbeschwerter Teenager.

Bobbi Kristina Brown tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Foto: AP
Bobbi Kristina Brown tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Foto: AP

New Jersey - Whitney Houstons öffentliche Auftritte waren in den vergangenen Monaten zumeist prekäre Angelegenheiten. Man konnte nie sicher sein, dass sie nicht aus der Rolle fällt. So wie auch am Donnerstag vergangener Woche bei einer Presseveranstaltung in Los Angeles kurz vor der Grammyverleihung – einer der letzten Gelegenheiten, bei denen die Soulsängerin gesehen wurde.

Houston begann plötzlich stark zu schwitzen, ihre Zunge wurde schwer, sie redete wirr. Doch bevor die Versammlung sich zu einer Katastrophe ausweitete, konnte ihre 19-jährige Tochter sie noch dezent aus dem Raum manövrieren. „Komm, Mama, wir müssen jetzt gehen“, sagte Bobbi Kristina Brown ruhig, aber bestimmt und bugsierte sie an den Reportern vorbei.

Das Kind übernahm die Verantwortung für ihre Mutter

Bobbi Kristina war in den Jahren seit der Scheidung von Bobby Brown immer mehr zu Erzieherin und Pflegerin ihrer Mutter geworden. „Sie war die Erwach­se­ne  in der Beziehung“, erzählte am ­Montag die Haarstylistin und Familienfreundin ­Ellin La Var. Wie so häufig in Familien mit Suchtproblemen, war es auch bei den Houstons das Kind, das die Verantwortung übernahm. Schon in den ersten 15 Jahren ihres Lebens, inmitten der chaotischen Ehe ihres Vaters Bobby Brown und Whitney Houstons, erinnerte sich La Var, habe sich Bobbi Kristina für ihre     Mutter zuständig gefühlt. Sie war für sie da,  wenn sie betrunken oder high war und sie war da, wenn ihr Vater ihre Mutter wieder einmal geschlagen hatte.

Nach der Scheidung im Jahr 2007 wurde diese Dynamik noch verstärkt. Laut La Var war Whitney Houston zunehmend von ihrer heranwachsenden Tochter abhängig. Die eigenen Bedürfnisse des Teenagers blieben außen vor. Gelegenheit, sich ein eigenes Leben aufzubauen, hatte sie nicht. Auf ihrer Facebook-Seite gab sie als Beruf „Musikerin“ an und fügte hinzu, „ins Entertainment hineingeboren“. Ihre Karriere bestand aus einer Handvoll gemeinsamer Aufnahmen mit ihrer Mutter und einem Youtube-Video, in dem sie mit ihrer beachtlichen, aber ungeschulten Stimme einen Song von Adele covert.

1000 Dollar bekam Bobbi in der Woche an Taschengeld

Und selbstverständlich hatte dieser Mangel seine Folgen. Wie die Eltern hatte auch Bobbi Kristina Drogenprobleme. Im März 2011 kursierten Fotos von ihr im Internet, auf denen sie auf einer Party mit Kokain hantiert. Ihr Ex-Freund berichtet, dass sie sich von den 1000 Dollar, die Whitney Houston ihr wöchentlich zusteckte, Unmengen an Kokain und Marihuana besorgt habe.

Auch nachdem Whitney Houston am Samstag bewusstlos in ihrer Badewanne gefunden wurde und kurz darauf starb, soll sich Bobbi erst einmal mit einem Cocktail aus Alkohol und einem Sedativum beruhigt haben – einer gefährlichen Mixtur, die sie vorübergehend ins Krankenhaus von Los Angeles gebracht hat. Möglicherweise hatte sie dieselbe Sorte Pillen genommen, die ihre Mutter umgebracht hatten. In Whitney Houstons Zimmer wurden zahlreiche verschreibungspflichtige Medikamente gefunden.

Aus dem Hospital holte sie am Sonntag ihr Vater ab, um mit ihr nach New Jersey zu fliegen. Dort, in der Heimatstadt von Whitney Houston, Newark, werden sich am kommenden Samstag Freunde und Familienangehörige in einer kleinen Baptistenkirche von der Sängerin verabschieden. Für Bobbi Kristina wird der Abschied der Beginn eines schwierigen Weges sein. Mit ihrer Mutter wird ihr bisheriger Lebensinhalt zu Grabe getragen. Und dass ausgerechnet ihr Vater ihr in dieser Lage Halt geben kann, ist eher fragwürdig.