Widerstand Widerstand gegen Abriss eines Altbaus

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Der Bau- und Wohnungsverein will an der Klingenstraße ein marodes Mehrfamilienhaus abreißen. Ein Neubau sei günstiger als eine Sanierung, außerdem böte er mehr Platz, sagt der Verein. Doch es regt sich Widerstand.

Dieses Haus soll einem Neubau mit mehr Wohnungen weichen. Foto: Jürgen Brand
Dieses Haus soll einem Neubau mit mehr Wohnungen weichen. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Die Mietshauskomplexe des Bau- und Wohnungsvereins (BWV) im Bereich Klingen-, Berg- und Wagenburgstraße sind alt. Sie wurden fast alle zwischen 1928 und 1932 gebaut, im Krieg beschädigt und wieder instand gesetzt. Rund 600 Wohnungen hat der Verein an der Klingenbachanlage, behindertengerecht ist praktisch keine davon. Jetzt hat sich der Verein entschlossen, das Gebäude Klingenstraße 101 – 105 abzureißen und durch einen Neubau mit doppelt so vielen zum Teil barrierefreien Wohnungen und einer Tiefgarage zu errichten. Dagegen regt sich Widerstand. Die Mieterinitiative, die den Abriss der benachbarten Beer-Gebäude verhindert hat, fordert die Mieter auf, sich zu wehren und verlangt vom Verein, preiswerten Wohnraum zu erhalten.

Bei einem Treffen in der Szenekneipe Schlampazius im Juli trafen sich einige Mieter mit Andreas Hubler und Ursel Beck von den Mieterinitiativen, um sich auszutauschen und zu überlegen, was sie gegen den geplanten Abriss tun könnten. „Der BWV hat an den umliegenden Gebäuden bereits bewiesen, dass die Gebäude sehr gut sanierbar sind, dann sollte man dieses Gebäude unserer Meinung ebenfalls erhalten“, argumentiert Andreas Hubler. „Die Gebäude sind alle aus der selben Zeit und haben alle mehr oder weniger die gleiche Bausubstanz.“ Thomas Wolf vom BWV-Vorstand bestätigt, das zwei benachbarte Gebäude vor einigen Jahren aufwendig saniert worden seien. Allerdings habe man bei der Schlussabrechnung festgestellt, dass eine solche Generalsanierung mehr koste als ein Neubau. Außerdem gebe es im Fall des Gebäudes Klingenstraße 101 – 105 weitere Gründe für einen Abriss: Ein Neubau hätte die doppelte Wohnfläche und somit rund 40 statt der bisher bestehenden 20 Wohnungen. Außerdem könnte eine neue Tiefgarage mit 40 Stellplätzen für Entlastung in dem dicht bebauten Quartier sorgen. Wolf sagt: „Unser Ziel ist, unserer langjährigen Klientel in dem Gebiet zeitgemäße Wohnungen zu vernünftigen Mietpreisen anbieten zu können, sodass sie auch im Alter in dem Quartier wohnen bleiben können.“ Das sei bei einer Generalsanierung kaum noch möglich.

Bau soll erst im Frühjahr oder Sommer 2015 beginnen

Die Mieter in dem Gebäude waren schon Ende Mai 2012 vom BWV über die Abriss- und Neubaupläne informiert worden. Damals war geplant gewesen, mit den Abbrucharbeiten im Januar 2014 zu beginnen. Davon ist inzwischen nicht mehr die Rede. Vor wenigen Tagen erhielten die verbliebenen Mieter – einige Wohnungen stehen bereits leer – ein Schreiben mit neuen Terminen. „Aufgrund von diversen baulichen Verzögerungen bei anderen Bauvorhaben sowie einer sich verzögernden Bearbeitung bei der Baugenehmigung für diesen Neubau kann der ursprünglich genannte Termin nicht mehr gehalten werden“, schreibt der Verein. Nun zeichne sich ein möglicher Baubeginn für das Frühjahr oder den Sommer 2015 ab. Thomas Wolf bestätigt die Verzögerungen. „Wir haben gerade genügend Arbeit“, sagt er und verweist auf ein Bauprojekt in der Florianstraße in Ostheim, wo es durch rechtliche Auseinandersetzungen um eine Garage zu unerwarteten Schwierigkeiten kam. Der Bauantrag solle aber noch in diesem Jahr gestellt werden, sagt er.

In dem neuen Schreiben werden die Mieter in der Klingenstraße zu einer Informationsveranstaltung am 17. Oktober ins Wohncafé Ostheim in der Rotenbergstraße 110 – ebenfalls ein Projekt des Bau- und Wohnungsvereins – eingeladen. Dort soll über den Zeitplan und das Neubauvorhaben informiert werden. In demselben Schreiben wurde eine am 1. August wirksam werdende Mieterhöhung in der Klingenstraße storniert.

Unterdessen haben die Mieterinitiativen Stuttgart weitere Abriss- und Neubauvorhaben des Bau- und Wohnungsvereins im Stuttgarter Osten ins Visier genommen. So plant der Verein unter anderem wie zum Teil berichtet, das Gebäude mit dem evangelischen Klingenbachkindergarten in der Schönbühlstraße 83/85 abzureißen und dort einen Neubau mit einer neuen Kindertagesstätte mit mehr Betreuungsplätzen zu errichten. Auch in der Straße Am Klingenbach sollen Neubauten entstehen.

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