Widerstand Windkraftnutzung stört Erholungsort

Von Klaus Nonnenmacher 

Die Gemeinde wehrt sich gegen die Ausweisung zweier Vorranggebiete für Windkraftanlagen im Schurwald. Ausgerechnet dort haben Investoren schon Messstationen errichtet und hoffen auf Rendite.

Nicht nur bei Geislingen-Stötten (unser Bild) werden sich im Stauferkreis in Zukunft die Windrotoren drehen. Foto: Rudel/Archiv
Nicht nur bei Geislingen-Stötten (unser Bild) werden sich im Stauferkreis in Zukunft die Windrotoren drehen. Foto: Rudel/Archiv

Adelberg - Eher heute als morgen will ein Konsortium, bestehend aus der Energieversorgung Filstal (EVF) sowie den Stadtwerken Schorndorf, Fellbach und Tübingen im Wald beim ehemaligen Bundeswehrdepot zwischen Wangen und Oberberken Windkraftanlagen bauen. Einen Höhenzug weiter im Wald am Kaisersträßchen zwischen Adelberg und dem Remstal misst die EnBW bereits seit Monaten die Windstärken. An diesem Mittwoch soll die Regionalversammlung endgültig die Vorranggebiete für die Windkraftnutzung beschließen, darunter auch eben jene als GP-03 und GP-01 bezifferten Areale. Doch im Schurwald regt sich Widerstand.

Zu nahe an Kloster und Erholungspark

Adelberg will am liebsten beide Standorte verhindern. Die Gemeinde fürchtet um ihr Prädikat als Erholungsort. In einer eilends einberufenen Sondersitzung des Gemeinderats ist jetzt eine entsprechende Stellungnahme verabschiedet worden. Da nach einem langen Ringen endlich Investoren wieder Interesse daran zeigen, den Campingplatz aufleben zu lassen und das ehemalige Wellenbad mit neuem Schwung für den Tourismus zu nutzen, sollen keine Rotoren im nahen Wald die Idylle trüben. Unter anderem winken die Investoren mit dem Bau von Sportanlagen und einem 100-Betten-Hotel.

Dass ausgerechnet im Gebiet GP-01 am Kaisersträßle Windkraftanlagen entstehen sollen, mag den Räten nicht einleuchten, weil die Region selbst den Adelbergern bei dem Versuch, das dortige Gewerbegebiet zu erweitern, Steine in den Weg gelegt hatte. Das Argument lautete, es handle sich um einen schützenswerten regionalen Grünzug. „Zudem arbeiten da nicht nur mehr als 100 Menschen, sondern es wohnen auch einige Familien dort“, erklärt die Bürgermeisterin Carmen Marquardt. Sie fordert, dass für das Gewerbegebiet das gleiche gelten müsse wie für Aussiedlerhöfe anderorts, nämlich ein Mindestabstand von 700 Metern für Windkraftanlagen. Bei der derzeitigen Planung wären es nur 450.

Teilerfolg reicht Adelberg nicht

Das Areal GP-03 wiederum liegt Adelberg zu nah am Erholungsgebiet Klosterpark und der dortigen Wohnsiedlung. Aus diesem Grund haben die Windkraft-Investoren ihre Pläne dort bereits abgespeckt. Von ursprünglich einmal sechs geplanten Windkraftanlagen sind aus Rücksicht auf Adelberg nur noch vier vorgesehen.

Die Bürgermeisterin Carmen Marquardt hält aber auch diese für unverträglich: „Wir werten die Verringerung auf vier Anlagen schon als Teilerfolg. Es reicht aber noch nicht.“ Andererseits sei wohl klar, dass die Gemeinde gegen diese Anlagen auf verlorenem Posten kämpfe. Immerhin sei der Umweltminister Alexander Bonde bereits vor mehr als einem Jahr vor Ort gewesen, um den Schorndorfer Stadtwerken ganz offiziell die Nutzung des Staatsforsts bei Oberberken für die Windkraftanlagen zu gestatten, sagt sie.

500 Unterschriften gegen die Rotoren

Marquardt gibt sich dennoch zuversichtlich, dass die Vorranggebiete, die im regionalen Planungsausschuss noch ungestreift durchgewunken wurden, noch einmal zur Diskussion stehen werden. Bislang habe die Region nämlich offensichtlich den Adelberger Widerstand nicht zur Kenntnis genommen. „Wir hatten in einer Stellungnahme bereits vor drei Jahren Bedenken geäußert. In den Debatten ist aber immer nur der erste Satz zitiert worden, nämlich dass Adelberg die Pläne grundsätzlich positiv prüfe. Die seitenlangen Bedenken waren nie offen gegenüber den Regionalräten kommuniziert worden“, behauptet Marquardt. Deshalb hat die Bürgermeisterin nun Überzeugungsarbeit geleistet.

Sie weiß auch die Unterstützung von rund 500 Adelbergern hinter sich, die mittlerweile auf einer Unterschriftenliste entsprechend gezeichnet haben. Und schließlich hat sich die Gemeinde vorsorglich für weitere Verfahrensschritte munitioniert. Im Haushalt sind für externe Gutachten sicherheitshalber 5000 Euro eingestellt – falls die Regionalräte nicht doch ohne rechtlichen Druck auf die Adelberger Sicht der Dinge einschwenken.




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