Wie die Autobranche bei der CES in Las Vegas auftritt Zeit der Trippelschritte

Der Zulieferer Continental präsentiert in Las Vegas ein Armaturendisplay, das von einem Swarovski-Kristall umhüllt ist. Foto: Continental/cf

Die Technikmesse CES in Las Vegas zeigt, wie mühsam die Transformation der Autoindustrie vorankommt. Von technologischen Durchbrüchen ist derzeit wenig zu sehen, meint Matthias Schmidt.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Las Vegas ist Glitzer und Illusion. Man kann in der Wüste von Nevada unterm Eiffelturm flanieren und von einer Zukunft mit märchenhaften Gewinnen träumen. Die Technikmesse CES, die an diesem Dienstag in Las Vegas beginnt, hat dagegen auffallend wenig Glamour zu bieten. Auch die Autoindustrie, die in den vergangenen Jahren die Spielwiese in der Casinostadt für sich entdeckt hat, kommt 2024 eher in Grautönen daher.

 

Es scheint die Zeit der Trippelschritte in der großen Transformation in Richtung Software-dominiertes Auto und Elektromobilität zu sein. Umwälzende Neuheiten, die weltweit Furore machen, sind nicht zu sehen. So war das mit dem Satz „Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“ eigentlich nicht gemeint.

Die Chips von Bosch sollen die Reichweite von Elektroautos steigern

Nicht, dass es keine Innovationen gäbe. Bosch und VW zeigen, dass Autos nicht nur automatisch geparkt, sondern zugleich auch vom Roboter geladen werden können. Siliziumkarbid-Chips von Bosch werden zu besseren Reichweiten und schnellerem Laden von Elektroautos beitragen. Künstliche Intelligenz perfektioniert den Sprachassistenten von Mercedes. Und vielleicht findet auch der bunte Bildschirm, den Continental in einen Swarovski-Kristall einbaut, seine Kunden in der Luxusnische.

Das Auto der Zukunft aber kommt offenbar langsamer als erwartet. Viele Entwicklungen dauern länger als in den Vorjahren in Las Vegas avisiert. Und so manche Vorzeigetechnik ist sogar schon wieder Vergangenheit. So haben jüngst die Zulieferer Bosch und ZF die Investitionen in Lidar-Systeme fürs autonome Fahren gekappt. Und ZF hat sich vom Plan verabschiedet, selbstfahrende Shuttles zu bauen.

Ein Marathon im Wüstensand

Für die deutsche Industrie, deren Erfolg nicht zuletzt auf technologischer Exzellenz beruht, ist das ein beunruhigendes Zeichen. Entscheidende Durchbrüche bei der Batterietechnik lassen auf sich warten, während die Konkurrenz aus China die herkömmlichen Systeme günstiger produziert. Der Umbau der Autoindustrie ist endgültig in den Mühen der Ebene angekommen. Es ist ein Marathon, wie Mercedes-Chef Ola Källenius schon länger prophezeit. Aber jetzt sieht man: Er führt zudem durch Wüstensand.

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