Wie Frank Stäbler in Musberg gefeiert wird Beim letzten Kampf bebt der Bauernhof
Weit weg, aber nah dran: Bei der Abschiedsvorstellung des deutschen Ausnahmeringers in Tokio fiebern Familie und Fans in Musberg mit.
Weit weg, aber nah dran: Bei der Abschiedsvorstellung des deutschen Ausnahmeringers in Tokio fiebern Familie und Fans in Musberg mit.
Musberg - Hören konnte er es nicht, aber wahrscheinlich hat er es gespürt. Auftritt Frank Stäbler in Tokio, wenn auch nur auf dem Bildschirm. Sein Gesicht entschlossen, als wolle er einen ICE von der Matte drücken. Seine Fans in der Traktorhalle des elterlichen Hofs in Musberg kneten dagegen seit Minuten nervös die Hände, zupfen an ihren grünen Frank Stäbler – Team Germany Shirts oder beißen sich auf die Lippen. Aber jetzt entlädt sich die Spannung in einem Höllenlärm. „Franky, Franky“, donnert es unterm Dach. Gäbe es hier noch Hühner, würden sie tot von der Stange fallen. Die geimpft, genesen, getestete und vor allem nervöse Gemeinde kocht, die Luft ist elektrisch wie vor einem Gewitter. Schafft er es? Die ganze Familie ist da, Vater Theo versucht Ruhe auszustrahlen, Mutter Michaela ballt immer wieder die Fäuste und springt auf, nur Stäblers Frau Sandra bleibt ruhig. Muss sie auch, weil sie die beiden kleinen Töchter Alia und Mara auf dem Schoß hat.
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Als der dreifache Weltmeister schnell mit 5:1 in Führung geht, wackelt die Hütte. Aber die Anspannung bleibt, schließlich hatte Stäbler auch im Viertelfinale gegen Mohammad Reza Geraei klar geführt, am Ende aber bei Punktgleichstand wegen einer letzten Wertung des späteren Olympiasiegers knapp verloren. Und sein Gegner aus Georgien wird stärker, kommt auf 4:5 heran. Die Fans brüllen gegen die Zweifel oder kauen Nägel. Die Nummer wird eng, alle spüren das. Keiner sitzt mehr, die letzten zehn Sekunden werden von der Uhr gebrüllt - danach dürfte auch der letzte in Musberg gemerkt haben was los ist, obwohl der Hof am Ortsrand liegt. Der Druck weicht, Tränen fließen – auch bei manchem Ringerkumpel. 5:4, Bronze, Happy End im letzten Kampf.
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Während Frank Stäbler in Tokio seine Ringerschuhe final auf der Matte abstellt, atmet die Familie in Musberg durch: „Ich bin fix und fertig“, haucht seine Frau Sandra, Michaela Stäbler seufzt glücklich: „Leicht kann der Frank einfach nicht.“ Theo Stäbler wischt sich eine Träne aus dem Auge „Eines ist schade“, sagt er, „wir waren seit zehn Jahren bei jedem großen Wettbewerb dabei, nur beim letzten leider nicht.“