Wie geht es Ihnen? Wollen Sie noch mal Landesminister werden, Herr Bonde?

Alexander Bonde beim Interview im Rothaus im Stuttgarter Gerber-Viertel Foto: I/ Rudel

Alexander Bonde galt einst als einer der Hoffnungsträger in der Landespolitik. Bis er 2016 recht abrupt von der politischen Bühne verschwand. Plant er noch einmal ein Comeback?

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

Alexander Bonde war baden-württembergischer Landwirtschaftsminister, heute leitet er die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Vor zwei Jahren mischte er noch einmal bei den grün-schwarzen Koalitionsverhandlungen mit. Wäre die Landespolitik für ihn noch interessant? Wir haben nachfragt.

 

Wie geht es Ihnen?

Gut! Wir machen Innovationsförderung für den Mittelstand. Und bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Klimaschutztechnologien und Rohstoffkreisläufen, da brummt der Markt gerade richtig. Insofern gibt’s wenig Sommerpause.

Wie viel Zeit verbringen Sie noch im Südwesten?

Die Familie lebt im Schwarzwald, aber eine Einrichtung wie unsere muss man vor Ort führen, also teilt sich meine Zeit zwischen Osnabrück, dem Schwarzwald und Berlin.

Wären Sie gerne noch Landesminister in Baden-Württemberg?

Ich hatte eine aktive Zeit und konnte hier viel machen: den Nationalpark umsetzen, das Biosphärengebiet, Agrarförderprogramme ökologisieren. Aber wenn ich auf die großen Herausforderungen Klimakrise und Artenschwund schaue, dann kann ich jetzt wahrscheinlich sogar mehr gestalten. Lösungen für Umwelt- und Klimaschutz gemeinsam mit der Wirtschaft ganz konkret umsetzen, das ist spannend und bringt konkrete Ergebnisse.

Gegen den Nationalpark gab es viel Widerstand. Haben Sie damals mal daran gedacht hinzuschmeißen?

Ich war immer überzeugt, dass wir ihn aus Verpflichtung zur Natur brauchen, dass wir nicht als reiches Land sagen, alle sollen schützen, und in Afrika können die Parks gar nicht groß genug sein, aber wir kriegen nicht mal 10 000 Hektar hin. Und ich war immer überzeugt, dass es ein Projekt ist, das der Region gut tut.

Sie wurden teilweise auch persönlich bedroht …

Wir hatten Veranstaltungen mit hoher Polizeipräsenz und regelmäßige Polizeistreifen am Haus. Es gibt Schöneres. Es war schon ein sehr intensiver Prozess, den eine organisierte Gegnerschaft aus unterschiedlichsten Gründen hart verhindern wollte. Das war nicht immer einfach. Umso schöner, wenn man kurz vor dem 10-jährigen Jubiläum sieht: Der Plan ist aufgegangen.

Sie haben nach Gerüchten über eine außereheliche Affäre nach der Wahl 2016 kein Ministeramt mehr angetreten – auch, um ihre Familie zu schützen. War das eine Intrige?

Ich glaube, das ist rückblickend im Kern egal. Ich habe mich damals entschieden, den Schritt zu machen und aus der Politik auszusteigen. Man muss nicht alles mit sich machen lassen. Für mich war das der Zeitpunkt, mich zu neuen Ufern aufzumachen. Das habe ich nicht bereut.

Alexander bei einer Landtagsdebatte um den Nationalpark im Jahr 2013 Foto: dpa/Franziska Kraufmann

2021 tauchten Sie aber noch mal bei den grün-schwarzen Koalitionsverhandlungen auf. Was hatten Sie denn da zu suchen?

Wir sind als Innovationsförderer die Profis für ökologisches Wirtschaften, Klimaschutztechnologien und modernen Naturschutz. Dazu sind wir mit den demokratischen Parteien im Gespräch und arbeiten mit verschiedenen Landesregierungen zusammen. Auf Anfrage habe ich diese Expertise dann auch in die Koalitionsverhandlungen mit eingebracht.

Juckt es Sie also doch, im Land noch mal mitzumischen?

Da, wo ich bin, habe ich noch einiges vor. Man soll ja niemals nie sagen, wenn die Zeit bis zur Rente noch lange ist. Aber der Weg zurück in die Politik ist nicht das, was ich anstrebe.

Wir sitzen hier im Rothaus im Gerber. Kommen da Erinnerungen hoch?

Als Thomas Schäuble als Rothaus-Alleinvorstand auf tragische Weise ausfiel, war ich gerade zwei Monate als Aufsichtsratsvorsitzender der Brauerei im Amt. Ich habe dann durchgesetzt, dass wir mit Christian Rasch einen Fachmann finden. Eines der Ziele war, das Unternehmen in eine nachhaltige Spur zu bringen, und die ersten Investitionen haben wir gleich eingeleitet. Natürlich verfolge ich immer noch, wie sich Rothaus entwickelt und jetzt sogar recht schnell klimapositiv werden wird. Auch da: schön, wenn ein Plan aufgeht!

Gibt es da heute noch Anknüpfungspunkte?

Umwelttechnik ist auch da gefragt. Beispielsweise die Banderole aus Aluminium: Bei der Firma Kematec im südbadischen Teningen fördern wir gerade ein Innovationsprojekt, die Kapseln bei Sektflaschen statt aus Aluminium hochwertig aus Papier zu machen. Das kommt dann auch als ökologische Lösung für Rothaus infrage.

Sie waren Minister für den ländlichen Raum, als der erste Wolf wieder im Land auftauchte. Wären Sie heute für Abschuss?

Damals war es eine Sensation, dass wir den ersten überfahrenen Wolf im Badischen aufgefunden haben. Der zweite kam dann umgehend im Schwäbischen. Das ist eine andere Situation als heute. Als Stiftung sind wir der größte private Waldbesitzer in Deutschland und viel in Regionen unterwegs, wo unsere Pächter mit Schafherden im Gebiet großer, etablierter Wolfsrudel arbeiten. Davon sind wir hier im Südwesten noch weit weg. Mit modernem Herdenmanagement ist die Koexistenz von Nutztierhaltung und Wölfen möglich. Das bedeutet allerdings einen deutlichen Mehraufwand, bei dem die Politik die Schäfer noch mehr unterstützen muss. Problemwölfe können heute schon entnommen werden. Vielleicht müssen wir auch etwas weniger darüber sprechen, den Wolf zu jagen, und auch mal darüber, wie Jagd im Umfeld des Wolfes funktioniert. Wenn das natürliche Essen des Wolfes vorhanden und der Wald sein wohlgedeckter Tisch ist, dann ist die bewachte Schafherde für ihn uninteressant. Auch das ist in der Umsetzung nicht einfach, aber vielleicht einen Gedanken wert.

Alexander Bonde

Politiktalent
Alexander Bonde zog 2022 in den Deutschen Bundestag und verhandelte als Grüner im Haushaltsausschuss mit über die Staatsfinanzen. Während der Finanzkrise war er zudem Mitglied im Gremium, das den Finanzmarktstabilisierungsfonds kontrollierte. 2011 wurde er Minister für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in der ersten grün-geführten Landesregierung. 2016 kündigte er erst an, gegen seinen Parteifreund Reinhold Pix um den Wahlkreis Freiburg I bei der Landtagswahl zu kandidieren. Er zog nach internen Auseinandersetzungen aber zurück.

Umweltschützer
Nach der Landtagswahl 2016 stand Bonde nach Gerüchten über eine Affäre nicht mehr als Minister zur Verfügung. Stattdessen arbeitete er nach einjähriger Karenzzeit in einer Strategieberatung, die Cleantech-Unternehmen berät. 2018 wurde er Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt, die den Auftrag hat, innovative, modellhafte Vorhaben zum Schutz der Umwelt zu fördern.

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