Am Donnerstag hat die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Das wird auch Konsequenzen für die Verbraucher haben – gerade, was die Preise angeht.

Für die Verbraucher könnte es im kommenden Winter deutlich teurer werden mit Gas zu heizen. Denn mit dem Ausrufen der Alarmstufe des Notfallplans Gas durch die Bundesregierung droht eine Vervielfachung der Gaspreise. Das fürchtet zumindest der baden-württembergischen Finanzminister Danyal Bayaz: „Das geht an die Substanz von Bürgern und Unternehmen und erhöht die Risiken der öffentlichen Haushalte massiv“, schrieb der Grünen-Politiker am Donnerstag auf Twitter. „Der Staat wird dennoch nicht in der Lage sein, alle Konsequenzen aufzufangen.“

Ökonomen befürchten zudem wegen ausbleibender Gaslieferungen eine schwere Rezession im Winter. Sie fordern daher Anreize zum Sparen sowie Entlastungen von Geringverdienern. „Mit der Ausrufung der Alarmstufe ist nun klar: Die Lage auf dem Gasmarkt ist bedrohlich“, sagte der Regierungsberater und Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Jens Südekum, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ein unmittelbarer Zusammenbruch der Gasversorgung drohe zwar nicht. „Aber wir können nicht mehr hinreichend Gas einspeichern - und das werden wir im Winter zu spüren bekommen“, warnte Südekum. „Es drohen dann eine Rationierung des Gasbezugs und damit Produktionsstopps in der Industrie. Eine schwere Rezession könnte die Folge sein.“

Anreize zum Sparen geben

Südekum fordert Verbraucher auf, Energie wo immer es geht einzusparen. „Deshalb müssen jetzt handfeste Anreize für die Haushalte auf den Tisch“, sagte er und brachte dabei einen Energiesparbonus ins Spiel. „Moralische Sparappelle alleine reichen nicht mehr.“ Nebenbei würde ein solcher Bonus auch etwas Druck von den Preisen nehmen. Daneben müsse die Bundesregierung die nächsten Entlastungspakete vorbereiten. „Wenn die Gaspreise so in die Höhe schießen, werden viele Familien mit kleinen Einkommen in eine finanzielle Schieflage kommen“, sagte der Ökonom. „Hier sind gezielte Entlastungen notwendig, aber ohne die Anreize zum Energiesparen zu verwässern.“

Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hatte die Bundesregierung am Donnerstag die Alarmstufe ausgerufen. „Aktuell ist die Versorgungssicherheit gewährleistet, aber die Lage ist angespannt“, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe.