Wie wichtig ist eine Reha? Schnell zurück in den Alltag
Eine gute Rehabilitation nach einer Krankheit ist eine wichtige Voraussetzung, um ein normales Leben führen zu können.
Eine gute Rehabilitation nach einer Krankheit ist eine wichtige Voraussetzung, um ein normales Leben führen zu können.
Stuttgart - Krank wird jeder einmal im Leben. Dann kommt es darauf an, wie gut die Heilung abläuft. „Gerade bei älteren Menschen ist dies aber nicht immer ganz so einfach“, weiß der Internist und Hausarzt Suso Lederle aus Erfahrung. Wichtig sei eine möglichst gute und „bewegliche“ Lebensperspektive – und hier kann die Rehabilitation bei der Rückkehr in den Alltag einen wichtigen Beitrag leisten. Genau um dieses Thema ging es dieser Tage im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gesundheit beginnt im Kopf“ im Stuttgarter Rotebühlzentrum. Als Experten hatte Lederle, der diese Reihe moderiert, Clemens Becker eingeladen, den Chefarzt der Fachabteilung für Altersmedizin und Rehabilitation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus.
Die Ziele der Reha sind die Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und die Wiedereingliederung in den gesellschaftlichen und bei Berufstätigen auch in den beruflichen Alltag. Dies gilt nach einem Knochenbruch, einem Rückenleiden oder dem Ersatz eines Gelenks ebenso wie nach einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einer schweren Lungenerkrankung. Insbesondere bei älteren Menschen sollen mit einer Reha Autonomie und Eigeninitiative so weit wie möglich wieder erreicht werden. Dabei verfolgen die Fachleute heute einen grundlegend anderen Ansatz als früher: Der Patient soll nicht mehr eine passive Rolle einnehmen und die Heilung weitgehend an den Arzt delegieren, sondern er muss sich selbst aktiv engagieren, um die Krankheit zu bewältigen.
Ein entscheidender Baustein dabei ist, dass der Patient so schnell wie möglich wieder aus dem Bett kommt und sich bewegt. Verordneten die Ärzte früher etwa bei einem Herzinfarkt sechs Wochen Bettruhe, sollen heute die Patienten schon nach zwei bis drei Tagen wieder aktiv werden. Dies gilt auch für andere Leiden – wird aber nicht immer berücksichtigt: „Dass die Reha oft erst nach der Behandlung beginnt, ist falsch – sie müsste am ersten oder zweiten Tag anfangen“, betont Clemens Becker.
Die frühzeitige Mobilisierung kann nicht nur helfen, schneller wieder in den Alltag zurückzukehren, vielmehr kann sie sogar lebenserhaltend sein. Als Beispiel zitiert Becker den unfallbedingten Oberschenkelhalsbruch: Werden die meist älteren Patienten nach einem solchen Ereignis eher zögerlich rehabilitiert, steigt die Todesrate in der Folgezeit deutlich an – im Vergleich zu Betroffenen, bei denen mit der Reha möglichst schnell begonnen wurde.
Clemens Becker hat aus seiner langjährigen Erfahrung mit älteren Patienten auch eine klare Meinung zum Ersatz kaputter Gelenke. Anders als früher könne ein Patient heute damit rechnen, dass zum Beispiel ein neues Hüftgelenk 25 Jahre lang hält. Da sei es für einen 65-jährigen schmerzgeplagten Arthrosepatienten wenig sinnvoll, mit der Hüftoperation noch fünf weitere Jahre zu warten. „In vielen Fällen wird nicht zu Ende gedacht, wann der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz ist“, betont Becker. Die Folgen liegen auf der Hand: Mit stark schmerzenden Gelenken bewegen sich die Menschen immer weniger – die Muskeln bauen ab, das Herz-Kreislauf-System verliert an Leistungsfähigkeit.
Und noch einen Tipp hat der Altersmediziner parat: Vor einer geplanten Operation sei es hilfreich, durch Physiotherapie den Körper gezielt zu trainieren, weil man dann nach der OP viel schneller auf die Beine komme. Außerdem sollte man bei einem solchen vorhersehbaren Eingriff bereits im Vorfeld die Reha in die Planung mit einbeziehen.
Neben Unfällen und künstlichen Gelenken sind Herzinfarkte und Schlaganfälle ein zweiter großer Bereich, in dem die Rehabilitation einen enorm wichtigen Beitrag leisten kann. Dabei ist ein breiter Ansatz wichtig, weil es etwa nach einem Infarkt nicht nur das körperliche Leiden zu heilen gilt, sondern nicht wenigen Patienten auch die Angst genommen werden muss: die Angst, sich nach dem Infarkt wieder zu belasten, die nicht selten zur Depression führt. „Oft reicht eine halbe oder dreiviertel Stunde für ein Gespräch aus, aber die muss man investieren“, beschreibt Becker die Situation – und gibt damit auch einen kleinen Einblick in die Zeitnot, die im medizinischen Alltagsbetrieb inzwischen herrscht.
Wie viel sich mit einer guten Reha gerade nach einem Schlaganfall erreichen lässt, wurde auf der Veranstaltung immer wieder deutlich. Auch auf diesem Gebiet ist laut Becker die Behandlung heute viel besser als noch vor wenigen Jahren. Um Reparaturvorgänge im geschädigten Gehirn zu fördern, müssen entsprechende Übungen sehr oft wiederholt werden. Dafür bedarf es einer gehörigen Portion an Motivation – und einer professionellen physiotherapeutischen Betreuung.
Und wie sieht es aus, wenn Patienten keinen Sinn mehr in einer Reha sehen? „Wir können Angebote machen – ob sie der Patient dann annimmt, ist seine Entscheidung “, sagt Becker. Es gibt auch im hohen Alter lebensbejahende Menschen, die eine Reha als wichtigen Beitrag zum Weiterleben sehen. Und andere, die auf ein erfülltes Leben zurückblicken und nach einer schweren Erkrankung einfach nur noch in Frieden sterben wollen. Das müsse man dann respektieren: „Nein heißt auch nein“, so Becker.