Wiederwahl von Sepp Blatter Grüezi aus dem Paralleluniversum

Joseph Blatter gratuliert sich selbst, den denkwürdigen Fifa-Kongress in Zürich als Sieger der Präsidentschaftswahl überstanden zu haben. Foto: dpa
Joseph Blatter gratuliert sich selbst, den denkwürdigen Fifa-Kongress in Zürich als Sieger der Präsidentschaftswahl überstanden zu haben. Foto: dpa

Der Korruptionsskandal um den Fußball-Weltverband ist zu einer Staatsaffäre mit geopolitischen Verwerfungen zwischen den USA und Russland angewachsen. Dennoch wird Sepp Blatter als Präsident wiedergewählt. Impressionen vom Fifa-Kongress.

Chef vom Dienst: Tobias Schall (tos)
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Zürich - Da steht er dann also doch wieder am Ende dieses langen Tages in Zürich und redet als Sieger. Der alte ist der neue Präsident. Der neue Präsident ist der alte. Sepp Blatter also, schon wieder. Zum fünften Mal bereits. Nun soll der 79-Jährige mal wieder einen Neuanfang in die Wege leiten, nachdem sein Kontrahent Prinz Ali aus Jordanien nach dem ersten Durchgang zurückgezogen hat. Zwar hatte Blatter mit 133:73 Stimmen die nötige Zweidrittelmehrheit zunächst verpasst, aber Ali wollte keinen zweiten Gang mehr.

Sepp Blatter dankt also strahlend seinem Kontrahenten, den Delegierten und sagt: „Wir bringen das Boot wieder sicher in den Hafen.“ Und dies: „Wir müssen unser Image wieder verbessern. Morgen müssen wir damit anfangen.“ Und das: „Ich mag Euch, Ihr habt mich zurück in die Fifa gebracht. Ich bin nicht perfekt.“ Es ist das Ende eines denkwürdigen Tages in Zürich am Ende einer Woche, die so zu Ende geht, wie es bei der Fifa immer zu Ende geht: Mit Sepp Blatter als Sonnenkönig der Fifa.

Der Tag begann bei strahlendem Sonnenschein. Am ZSC-Platz vor dem Zürcher Hallenstadion ist am Morgen die Polizei aufgefahren. Manch einer der Funktionäre, die gerade auf dem Weg zum 65. Kongress der Fifa sind, wirft einen kurzen Blick rüber zur Staatsmacht. Am Vortag war der Fifa ja schon wieder ein Exekutivmitglied abhandengekommen, Brasiliens neuer Verbandschef Marco del Nero war da abgereist, warum genau ist unklar. Sein Vorgänger als CBF-Chef, José Maria Marin, gehört zu den sieben Funktionären, die am Mittwoch in Zürich unter Korruptionsverdacht festgenommen worden waren.

An die Wende glaubt keiner wirklich

Aber das Interesse der Polizisten gilt an diesem Freitag nicht den Vertretern der ehrenwerten Fifa-Familie, sondern einer Demonstration auf der anderen Straßenseite. Einige Palästinenser und Sympathisanten fordern dort den Ausschluss Israels aus der Fifa; Palästinas Verband hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Sepp Blatter wollte den sportpolitischen Sprengstoff im Vorfeld abräumen, gelungen ist es ihm nicht, was natürlich ein herber Rückschlag für seine Ambitionen ist. Blatter, findet Blatter, hätte nämlich längst stellvertretend für die Fifa den Friedensnobelpreis bekommen müssen. Da wäre so eine erfolgreiche Friedensmission mit einem gelösten Nahostkonflikt natürlich hilfreich. So aber wird er wohl auch nächstes Jahr enttäuscht sein, wenn das Nobelpreisgremium aus für ihn völlig unerfindlichen Gründen einmal mehr die Fifa links liegen lässt.

Europa strahlt leichte Zuversicht aus, als die Delegierten am Morgen das Hallenstadion betreten. Am Vorabend und in der Nacht wurde in bilateralen Gesprächen um jede Stimme gekämpft. Lobbyarbeit für den Prinzen. Viele seien umgekippt oder zumindest am Wanken. Die USA, Australien, Neuseeland, auch aus Afrika gäbe es Stimmen für den Kandidaten der Uefa. „Es war vielfach zu spüren, wenn man mit den Leuten gesprochen hat, dass bei dem einen oder anderen Land eine Umkehr in der Meinung eingetreten ist“, sagt Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga. Wirklich an den Sieg glauben tut keiner. Und was ist dann? „Das vermag ich nicht zu sagen.“ 73 Stimmen werden es am Ende. Immerhin, sagen die einen, nur, sagen die anderen angesichts der Umstände.

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