Wilde Katzen vermehren sich rasant. Wenn Bürger Hilfe benötigen, nehmen sich das Tierheim und die Katzenhilfe sich des Problems an.

Filderstadt - Aus einem Holzstapel in Bernhausen miaut es. Tatsächlich – da tapsen zwei Kätzchen tollpatschig hervor. Sie sind noch sehr klein, schauen mit ihren blauen Augen putzig aus. Oh je, denkt eine Anwohnerin. „Oh, wie süß“, sagen die Kinder, die wollen wir haben“. In den darauffolgenden Tagen stellen sich am Holzstapel zum schwarzen und einem schwarz-weißen Katzenbaby noch drei weitere Samtpfotenkinder ein. Noch glücklicher strahlen die Kinderaugen, der Mieterin aber schwant, dass etwas geschehen muss, denn die Katzenfamilie hat keinen Eigentümer.

Was also tun? Mit dieser Frage ist die Frau aus Bernhausen in Filderstadt nicht allein, auch wenn streunende Stubentiger von der Kommune nicht als Problemfall eingestuft werden. Pressesprecher Daniel Kienle beschreibt die Situation aus Sicht der Stadtverwaltung: „In der Vergangenheit gab es keine erwähnenswerten Probleme mit wilden Katzen in Filderstadt. Wenn herrenlose oder streunende Katzen beobachtet werden, meldet die Stadt diese dem örtlichen Tierheim. Dort wird die Unterbringung der Tiere geregelt“. Doch wer weiß um die Zuständigkeiten, wenn er sich unversehens mit einem Wurf Jungkatzen konfrontiert sieht?

„Immer wieder mal problematisch“

Karolin Müller ist seit zehn Jahren im Tierheim im Eichholz in Bonlanden fest angestellt. Die Tierpflegerin weiß, dass die Situation in Filderstadt „nicht dauernd, aber immer wieder mal problematisch“ ist. Die Katzen machen einen guten Teil ihrer Arbeit aus. Der Ablauf von Fangen, Kastration, Wiederaussetzen und Vermitteln folgt in der Regel dem gleichen Plan.

Es gibt aber noch weitere Wege zur Lösung des Problems. Die Bernhäuserin erinnert sich an die Katzenhilfe Stuttgart und ruft dort an. Auch von dort kommt prompt Hilfe. Am nächsten Tag meldet sich Ingrid Noller. Sie engagiert sich seit 33 Jahren ehrenamtlich bei der Katzenhilfe und ist für ihre Arbeit schon einmal mit dem baden-württembergischen Tierschutzpreis ausgezeichnet worden. Zuerst sammelt sie präzise Informationen über die Zahl der Tiere, deren Alter und Geschlecht. Dann erstellt sie ihren ersten Handlungsplan: „Zuerst müssen die fünf Jungen mit einer Katzenfalle gefangen werden, dann muss die Mutter dazu“. Das hat seinen Grund: Katzen werfen bis zu drei Mal im Jahr jeweils bis zu fünf Kätzchen. Anschließend werde man sich um die Kater bemühen.

Viele kleine Katzen werden krank

Um die Kastration, die von der Katzenhilfe bezahlt wird, zu organisieren und durchzuführen reist Ingrid Noller zusammen mit ihrem Mann an und bringt drei Katzenfallen mit, deren Bedienung sie genau erklärt und hinzufügt: „Das Einfangen der Katzen ist nicht schön. Die toben in der Falle rum und sind total verwettert“. Aber es muss eben trotzdem sein. Denn auf der anderen Seite steht das Elend, das durch die starke Vermehrung der Tiere verursacht ist. Noller beschreibt ein Problem: „Viele kleine Katzen werden krank. Sie bekommen etwa den Katzenschnupfen und verrecken dann elendiglich, denn so ein Tier stirbt nicht leicht“.

Katzenhelfer üben sich in Geduld

Für das Einschläfern spricht sich die Katzenhilfe aber nicht aus. Die geborenen Katzen hätten ein Recht zu leben wie alle Lebewesen, sagt Ingrid Noller. Geduldig wartet sie am Holzstapel auf die Katzen. Dann lässt sich ein schwarzes Jungtier blicken – die 70-Jährige greift blitzschnell zu. Die Kinder staunen. Sie haben auch zwei Kätzchen gefangen und in die Kiste gesetzt. Bald ist auch ein viertes gefangen. Aber das fünfte lässt auf sich warten. Nun taucht die Katzenmutter auf und geht umher. Die Katzenhelfer üben sich in Geduld. Sie werden das Muttertier erst fangen, wenn der ganze Wurf in der Box ist.

Anschließend bringt Noller Katzen und Kater zur Kastration in eine Tierarztpraxis nach Gerlingen. Die Katzen bleiben dort etwa fünf Tage, die Kater zwei. In Filderstadt arbeitet das Tierheim mit einer örtlichen Tierarztpraxis zusammen. Im Jahr lasse man „vorsichtig geschätzt 25 Katzen kastrieren“, berichtet Karolin Müller. Ingrid Noller führt nicht Buch über die Zahl der Katzen, die sie in die Praxis gefahren hat. Dort sind unter der Nummer, die der Tierarzt der in der gesamten Region tätigen Organisation zugeordnet hat, allerdings 2000 Operationen für die vergangenen Jahre verzeichnet.

Die Kleinen werden vermittelt

Kleine Katzen werden wie in diesem Fall, sobald sie groß genug sind, in eine katzengerechte Umgebung vermittelt. Die kastrierten Mutterkatzen und Kater kommen wieder zurück in ihre Umgebung und werden dort mit Futter versorgt.

Die Nachbarn freuen sich nicht unbedingt über diese Lösung. „Es gibt immer wieder welche, die das blöd finden“, erzählt die Tierpflegerin Karolin Müller. Das ist von Fall zu Fall überall unterschiedlich. Als störend empfinden manche, dass die Katzen Singvögel fressen und in Sandkästen ihr großes Geschäft verrichten, in das hinterher die Kinder greifen. Die Katzenhelferin Ingrid Noller hält dagegen: „Sicher fangen Katzen Vögel, aber das sind sicher weniger als die, die durch die Spritzmittel zugrunde gehen“. Um Katzen von Sandkästen fernzuhalten, empfiehlt Noller eine Abdeckung.