Wimmelbuch über Rutesheim Da wimmelt es nur so von Geschichten
Die Illustratorin Bianca Brinner hat ein Wimmelbuch für ihre Heimatstadt gestaltet. Es vereint Historie, Stadtentwicklung und viel Menschliches.
Die Illustratorin Bianca Brinner hat ein Wimmelbuch für ihre Heimatstadt gestaltet. Es vereint Historie, Stadtentwicklung und viel Menschliches.
Rutesheim hat ein eigenes Wimmelbuch. Gestaltet hat es die Illustratorin Bianca Brinner. „Es ist so toll, wie es so schnell keine andere Stadt hat und haben wird“, ist die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier begeistert. Deshalb wurden gleich 200 Exemplare für die Kindertageseinrichtungen im Ort gekauft. „Die Autorin hat viel in der Stadtgeschichte gestöbert, viele Geschichten zusammengetragen und mit viel Liebe etwas Besonderes geschaffen“, sagt Susanne Widmaier. Nun könnten die Kinder mit diesen Geschichten aufwachsen.
„Mit dem Wimmelbuch will ich Kindern, aber auch Erwachsenen zeigen, dass Rutesheim mehr ist als nur eine Kleinstadt an der A 8“, sagt Bianca Brinner. „Es geht darum, wer wir als Rutesheimer sind, woher wir kommen und was so alltäglich in unserer Stadt passiert.“ Das alles in acht Wimmelbildern, gepaart mit jeder Menge Humor, denn wer wisse schon, dass es im Wald des ältesten Ortes im Landkreis Böblingen den guten Geist namens Ruotmar gibt?
Die 28-jährige „neigschmeckte“ Rutesheimerin ist selbstständige Illustratorin und war unter anderem in der Coronazeit eine der Initiatorinnen des Pop-up-Stores, wo Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen aus der Region ihre Kreationen anboten. Sie ist die Gestalterin von Ansichtskarten und Weihnachtskarten mit örtlichen Motiven. Zudem stammt aus ihrer Feder das Rutesheimer Malbuch (auch in ukrainischer und arabischer Sprache). Zudem hat sie die Illustrationen für die Tafeln am historischen Rutesheimer Grenzweg gezeichnet. Für das Wimmelbuch ist es ihr auch gelungen, örtliche Sponsoren mit ins Boot zu nehmen. An den Betrachtern des Buches liegt es nun zu erraten, wer diese sind.
Das Buch mit dem Titel „Hier geht halt was“ beginnt in längst vergangenen Zeiten und blickt von den Römern in Rutesheim bis auf die Stadtentwicklung von heute. Gleich im ersten Wimmelbild ist Ruotmar zu sehen, der vermeintliche Gründer von Rutesheim – zumindest taucht er in der ersten schriftlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 767 auf. Dieser führt dann gemeinsam mit dem Römer Justinus, der Bäuerin Anne Marie und der Hündin Mira durch das Buch – und wer ein gutes Auge hat, kann die vier in jeder der acht Zeichnungen ausfindig machen.
Die folgenden Seiten nehmen die Leserinnen und Leser dann mit an die wimmeligsten Orte in Rutesheim, wie der Rathausplatz, wo unter anderem im Gebäude der Stadtverwaltung die Bürgermeisterin im roten Blazer zu sehen ist. Auch historische Orte und Bauwerke spielen eine Rolle und einige Gebäude sind geöffnet, sodass man in den Tresor der Bank blicken kann, in die Bücherei, in eine Metzgerei oder einen Baumarkt.
Wie der Titel des Wimmelbuches bereits andeutet, geht es auch um Geschichten und Anekdoten aus dem täglichen Leben, auch aus dem Waldenserort und dem Heuweg. Da darf der clevere Perouser Bankräuber nicht fehlen, der über das vordere Nummernschild seines Fluchtautos eine Unterhose gezogen hatte, um es zu verdecken. Allerdings hatte er nicht an das rückwärtige Schild gedacht und so wurde er schnell ermittelt.
„Mit diesem Buch möchte ich Identität und Zugehörigkeit schaffen, aber auch das Neuentdecken von Altbekanntem unterstützen“, sagt die Autorin. Bereits während des Schaffensprozesses hat Bianca Brinner deshalb ihre künftige Leserschaft mit eingebunden. So rief sie zu einem Zeichenwettbewerb mit einem ungewöhnlichen Preis auf: einem Platz im Buch. Nun können elf Rutesheimer Kinder im Getümmel der Bilder etwas ganz Besonderes entdecken: sich selbst! Sie hatten die Herausforderung angenommen und Bianca Brinner gefielen die Einsendungen der größtenteils Dritt- und Viertklässler so gut, dass sie die Eltern um Fotos der Kinder bat. Daraus entwickelte sie dann ihre gezeichneten Abbilder und versteckte sie in Wimmelbildern.
Zudem gab es für Interessierte die Möglichkeit, ihr über die Schulter zu blicken, und anhand von Bildern zeigte Bianca Brinner in der Christian-Wagner-Stadtbücherei sowie beim Stadtjugendreferat, wie das Buch am Schreibtisch entstanden ist. In der Bücherei ist auch jetzt eine Ecke eingerichtet, wo dieser Entstehungsprozess dokumentiert wird.
Info: „Hier geht halt was – Das Rutesheimer Wimmelbuch“ gibt es in der Christian-Wagner-Bücherei und im Buchladen One in Rutesheim. Im Internet auch bei https://onewelt.eu . Preis: 18,99 Euro. ISBN 9783000755767.