Wimpfener Straße in Stuttgart-Zuffenhausen Neubaupläne an der alten Gleisschleife

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Die Wohnblocks der Baugenossenschaft Zuffenhausen an der Stammheimer/Wimpfener Straße sollen größtenteils abgerissen werden. Das Unternehmen plant dort ein neues Wohnquartier. Die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs wurden kürzlich im Bezirksbeirat vorgestellt.

So  stellen sich die Planer des Architekturbüros Foto: ARP Stuttgart
So stellen sich die Planer des Architekturbüros Foto: ARP Stuttgart

Zuffenhausen - Das Preisgericht hat getagt, der Sieger steht fest: Das Planungsbüro ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart hat mit seinem Entwurf für das als „Zuffenhäuser Garten“ betitelte Quartier an der Stammheimer Straße die Jury überzeugt. „Einstimmig“, wie Bezirksvorsteher Gerhard Hanus dem Bezirksbeirat am Dienstagabend mitteilte.

Fünf Büros hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt und ihre Entwürfe für das Areal an der ehemaligen Gleisschleife der Straßenbahn eingereicht. Stadtplaner Karl-Theo Maurer stellte den Lokalpolitikern die Ergebnisse vor. „Für die Planer war es eine Herausforderung, alle geforderten Kriterien unter einen Hut zu bekommen“, erklärte Maurer. Vor allem die Themen Topografie, Schallschutz und der Umgang mit dem als besonders erhaltensweit eingestuften Gebäude an der Heimstättenstraße 1 hätten eine Herausforderung für die Planer dargestellt.

Blockrandbebauung an der Stammheimer Straße

Überzeugt hat am Ende der Entwurf des Stuttgarter Büros ARP, der eine Blockrandbebauung mit drei höhenversetzen Gebäuden entlang der Stammheimer Straße vorsieht. Die Gebäude folgen dem ansteigenden Straßenverlauf. „Entlang der Straße ist ein weitgehend geschlossener Riegel vorgesehen, der etwas zurückgesetzt ist“, erklärte Maurer. Ein L-förmiger Baukörper im Norden, bestehend aus zwei Gebäuden, soll nach den Vorstellungen der Planer im rückwärtigen Bereich hin zu den Bahngleisen und der Wimpfener Straße entstehen.

Entlang der Stammheimer Straße seien Vorgärten geplant, die von kleinen Mäuerchen gefasst seien, sagte Maurer. Die Wohnungseingänge seien „qualitätvoll gestaltet“ und mit Baumstandorten versehen. Einzelne Bäume gebe es auch im großzügig angelegten, vom Lärm geschützten Innenhof des Quartiers. Er besteht aus mehreren kleinen Bereichen für private Nutzung und einem größeren Grünbereich mit Spielplatz, der von allen Bewohnern genutzt werden kann.

55 Wohnungen sind geplant

Punkten konnten die Planer auch durch die große Barrierefreiheit: Zu Fuß komme man, gegebenenfalls über Rampen, von den umliegenden Straßen barrierefrei ins Quartier und in den Innenhof. Alle Häuser sind barrierefrei erschlossen und haben im Erdgeschoss einen Durchgang zum Hof. Maurer: „Bei einigen Entwürfen der anderen Büros wäre der Zugang in den Innenhof nur von Norden aus barrierefrei möglich gewesen, was von der Jury kritisch beurteilt wurde.“ Auch sei bei einigen Entwürfen der Innenhof deutlich kleiner ausgefallen als bei der Konzeption von ARP.

Die Gebäude wurden als dreigeschossige kubische Bauten mit Flachdächern entworfen, die punktuell mit einem Staffelgeschoss versehen werden. Der Entwurf sieht aktuell 55 Wohneinheiten vor. Das sind weniger als im Bestand. „Wenn man das Gebäude im Nord-Osten höher baut, könnte man noch weitere Wohnungen dazubekommen“, schlug Maurer vor. Überzeugt habe die Preisrichter auch der Lärmschutz: „Der Gebäuderiegel an der Stammheimer Straße bietet einen sehr guten Lärmschutz zur übrigen Bebauung und zum Innenhof“, sagte Maurer. Neben einer Lärmschutzwand im Norden seien auch Schallschutzfenster und eine schallgedämpfte Belüftung empfohlen. Die Grundrisse beim Siegerentwurf seien „gut geordnet“, befand Maurer: Wohn- und Schlafräume sind zu den lärmabgewandten Fassaden hin ausgerichtet. Vollverglaste Wintergärten und Loggien sollen ebenfalls den Schallschutz verbessern. Ein kleiner Kritikpunkt beim Siegerentwurf war allerdings, dass die Gebäude im Osten im Entwurf nah beieinander liegen, was aber noch verbessert werden könne.

Heimstättenstraße 1 als „Alleinstellungsmerkmal“ erhalten

Gut gefallen hat der Jury, dass beim denkmalgeschützten Bestandsgebäude an der Heimstättenstraße 1 die charakteristischen Elemente erhalten bleiben, es „schön freigestellt ist und so sein Alleinstellungsmerkmal behält“. Die Planer schlagen im Gebäude einen Nachbarschaftstreff mit Foyer und kleinem Saal vor, der für Ausstellungen, Konzerte und private Familienfeiern genutzt werden kann.

Ausreichend Stellplätze gibt es in einer Tiefgarage, die über die Wimpfener Straße erreichbar ist. An der Straße befinden sich auch die Besucherparkplätze.

Die Bezirksbeiräte zeigten sich fast durch die Bank äußerst angetan vom Siegerentwurf und waren voll des Lobes. Angeregt wurde die mögliche Nutzung von Strom durch die geplante Bioabfallvergärungsanlage. Dem Vorschlag Maurers, ein Gebäude höher zu bauen als geplant, wollten nicht alle am Ratstisch folgen. Und wenig Gutes konnte Susanne Bödeker von der Partei SÖS-Linke-Plus dem Konzept abgewinnen: „Bei mir hätte der Bestand den ersten Preis bekommen.“ Immerhin sei schön, dass das Gebäude an der Heimstättenstraße 1 erhalten bleibe.

Mehrheitlich, bei einer Gegenstimme von Bödeker und einer Enthaltung, nahmen die Räte zustimmend Kenntnis vom Ausgang des Wettbewerbs. Die Baugenossenschaft Zuffenhausen als Eigentümer und Bauherr wird nun mit ARP und den städtischen Planern den Entwurf überarbeiten und die Anregungen in einen Bauantrag einarbeiten.

Das Vorhaben stößt nicht überall auf Gegenliebe: Rund 200 Teilnehmer hatten im September unter anderem gegen den Abriss des Wohnblocks an der Stammheimer Straße demonstriert.

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