Windkraft in Lauterstein Stadt verdient mit Windrädern Geld

Einnahmequelle Windkraft: Projektleiter Benjamin Boy im Mast einer Anlage bei Lauterstein. Foto: Dirk Hülser

Lauterstein verspricht sich bis zu 100 000 Euro an Einnahmen im Jahr durch die Beteiligung an Anlagen. Der Bürgermeister wundert sich über die Ablehnung von Windrädern in manchen Kommunen. Einer Erweiterung des bestehenden Parks will sich die Stadt nicht verschließen.

Uns tun die Einnahmen gut“, stellt Bürgermeister Michael Lenz mit Blick auf Steuern, Abgaben und Beteiligungen fest, die Lauterstein als Standortgemeinde für 16 Windkraftanlagen erhält. Erst kürzlich hat der Gemeinderat eine Vereinbarung mit der Firma Albwerk Regenerative Energieen abgesegnet, die die Stadt an zwei Windrädern mitverdienen lässt. Einen ähnlichen Vertrag gibt es bereits mit der Firma WPD, die auf Lautersteiner Gemarkung 13 Windräder betreibt.

 

Die Betreiber schütten pro produzierte Kilowattstunde Strom 0,2 Cent aus. Das ist im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) festgelegt. Dass Kommunen auch an älteren Standorten wie dem Windpark Lauterstein beteiligt werden, sei ein Entgegenkommen der Betreiber, erklärt Lenz.

Die Gewerbesteuer fließt

„Es wird eine Einnahme sein, die ist nicht irrelevant“, hatte Lenz im Januar bei den Haushaltsberatungen gesagt. Der Erlös hängt vom Wind und dem Betrieb der Windräder ab. Lenz rechnet aber insgesamt mit bis zu 100 000 Euro im Jahr für die Stadt. Ein Vorteil sei, dass sich die Einnahme nicht beim Finanzausgleich (FAG) auswirke. Lauterstein muss nicht auf andere Förderungen verzichten und auch keine höheren Umlagen abführen.

Der Windpark generiert noch weitere Einnahmen. Für die Nutzung von Wegen und Flächen wird Pacht fällig. Zudem erhalten die Eigentümer der Flächen, auf denen Windräder stehen, eine Pacht. Beim Windpark Lauterstein stehen die meisten Anlagen auf Grundstücken der Grafen von Rechberg. Die Bürgerstiftung der Stadt verbucht dennoch 84 000 Euro im Jahr aus der Pacht. Der dickste Brocken dürfte aber die Gewerbesteuer sein. Wegen des Steuergeheimnisses hält sich der Bürgermeister mit einer Aussage zurück, jedoch werde ein hoher Anteil des Erlöses der Anlagen vor Ort versteuert. Zudem würden bald die Abschreibungen wegfallen. Dann steige die Gewerbesteuer weiter. Der Rathauschef widerspricht der Einschätzung nicht, dass ein mittlerer sechsstelliger Betrag im Jahr in die Gemeindekassen fließt.

Die Region Stuttgart, die die Planung der Windkraftstandorte fortschreibt, sieht auch wieder Flächen in Lauterstein vor. Nach insgesamt positiven Erfahrungen will sich die Stadt einer „sinnvollen und maßvollen Erweiterung“ nicht verschließen. Allerdings will Lauterstein vermeiden, stärker als Standortgemeinde in den Fokus zu geraten, weil hier eine Grundakzeptanz besteht und sich andere Kommunen so vehement gegen Windräder wehren.

Lenz stellt fest, dass der Standort Lauterstein ganz gut geeignet ist, weil die Eingriffe relativ gering waren. So konnten zum Beispiel Langholztrassen für den Transport der Anlagen genutzt werden. „Man kann nicht alles über einen Kamm scheren“, aber ein bisschen wundert er sich schon über die Ablehnung in anderen Kommunen: „Wenn sie es sich leisten können“, sagt er mit Blick auf die Finanzen.

Zudem fragt er, wie bei diesem Widerstand die Energiewende gelingen kann. Der Lautersteiner Kämmerer, Benjamin Heilig, hat auf die Unsicherheiten im Energiebereich hingewiesen: „Alle sagen ,ja gerne‘, aber nicht bei mir“, stellte Heilig fest. „Zu viele Marktteilnehmer bremsen.“

Bürgermeister: Tourismus leidet nicht unter Windrädern

Lenz unterstreicht, dass im Windpark „nachhaltig Energie“ erzeugt wird. Auch der Tourismus in Lauterstein leide nicht durch die Windräder. Das sei überhaupt kein Thema. „Wer schon einmal die Folgen des Tagebaus in Kohlegebieten gesehen hat, wird nie wieder über den Eingriff eines Windrades klagen. Wenn ganze Dörfer versetzt werden, das ist brutal.“

Wenn die Anlagen einmal nicht mehr benötigt werden, könnten sie spätere Generationen wieder abbauen. Dafür seien Bürgschaften hinterlegt, sagte der Bürgermeister von Lauterstein. Alles sei seriös geplant und berechnet.

Stadt ist an zwei Anlagen finanziell beteiligt

Vertrag
 Lauterstein hat mit der Firma Albwerk Regenerative Energien einen Vertrag über die Beteiligung am Ertrag zweier Windkraftanlagen abgeschlossen.

Grundlage
 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt, dass Betreiber von Windenergieanlagen Kommunen an den Erträgen aus dem Betrieb dieser Anlagen beteiligen. Mit dem Projektentwickler WPD hat die Stadt Lauterstein bereits für das Jahr 2023 entsprechende Verträge abgeschlossen. Mittlerweile hat auch die Albwerk-Tochter ARE der Stadt und den angrenzenden Gemeinden Bartholomä und Böhmenkirch sowie der Stadt Schwäbisch Gmünd (für Degenfeld) ein entsprechendes Angebot vorgelegt.

Anlagen
Die ARE betreibt dort zwei Windenergieanlagen (W23 und W24). Die Kommunen erhalten rückwirkend ab Januar 2024 Anteile. Grundlage sind 0,2 Cent pro Kilowattstunde eingespeiste Strommenge durch die beiden Anlagen. Die Anteile der Kommunen ergeben sich aus ihren Anteilen an einem Kreis mit Radius von 2,5 Kilometer um jedes Windrad. Lauterstein ist mit etwa 70 Prozent (WEA 24) und 65 Prozent (WEA 23) an den Entgelten beteiligt.

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