Weil der Stadt ist dafür, Heimsheim dagegen – es geht um die drei mehr als 200 Meter hohen Windräder, die im Merklinger Wald geplant sind. Die beiden Bürgermeister Thilo Schreiber und Jürgen Troll betonen, dass sie einen ständigen Austausch führen.

Weil der Stadt - Alles auf Null: Eigentlich wollte der Weil der Städter Gemeinderat schon im September 2016 seinen Stadtwald in Merklingen an den Investor „Windenergie Baden-Württemberg“ verpachten, damit der dort drei 200 Meter große Windkraftanlagen errichten kann. Nach heftiger Kritik aus Heimsheim, das nur etwa 800 Meter von dem Standort entfernt liegt, haben die Weiler Räte ihre Entscheidung damals vertagt und ihre Ratskollegen aus Heimsheim zum gemeinsamen Gespräch eingeladen. Das hat nun stattgefunden. Der Kompromiss: Ein Artenschutzgutachten. Was der Rotmilan mit Windkraft zu tun hat, erläutern die beiden Bürgermeister Thilo Schreiber (Weil der Stadt) und Jürgen Troll (Heimsheim).

Herr Schreiber, Herr Troll, bei einer gemeinsamen Sitzung haben Ihre beiden Gemeinderäte beschlossen, ein Artenschutzgutachten zu beauftragen. Warum?
Troll: Auf diesen gemeinsamen Nenner haben wir uns verständigt. Wir haben gesagt: lasst uns feststellen, ob es Argumente aus dem Artenschutz gibt, die gegen die Windkraft sprechen. Und zwar bevor sich Weil der Stadt an einen Investor bindet.
Schreiber: Der Nabu zum Beispiel hat schon 2012 gemeldet, dass hier im Merklinger Wald geschützte Tierarten vorkommen. Ich hab auch schon Fotos, auf denen der rote Milan über dem Merklinger Wald kreist, und Tonaufnahmen, auf denen wohl der Kolkrabe zu hören ist, bekommen. Wenn das stimmt, dann ist das Projekt höchstwahrscheinlich beendet. Das gilt es jetzt zu beweisen. Daher geben wir diese ganzen Hinweise jetzt an Gutachter weiter.
Wer macht das Gutachten und wann geht’s los?
Schreiber: Wir wollten das fair gestalten. Die Genehmigungsbehörde am Ende ist das Landratsamt Böblingen, daher haben wir dort angefragt und drei Büros empfohlen bekommen.
Troll: Ich hab mich in die ganzen Untersuchungsrichtlinien des Landesamtes für Umwelt und Naturschutz (LUBW) eingelesen. Da müssen Begehungen stattfinden, Biologen müssen den Wald beobachten, die Vogelarten beobachten und kartieren. Die Begutachtung der Vogelwelt erfolgt immer über ein ganzes Jahr hinweg und muss vor Beginn der Vegetationsperiode, also im Januar, beginnen. Die Gutachter haben im Moment allerdings sehr viel zu tun. Das heißt, erst 2018 geht es los. Dieses Jahr kann aber schon für Vorbereitungen genutzt werden, zum Beispiel Daten vom LUBW abfragen und bewerten.
Wie viel kostet das Gutachten? Teilen Sie sich die Kosten?
Troll: Da gibt es eine große Preisspanne, die Angebote liegen zwischen 50 000 und 150 000 Euro.
Schreiber: Die beiden Gemeinderäte haben gefordert, dass wir die Angebote jetzt erst mal auf den Tisch bringen. Das Teilen kann hälftig sein, aber auch Zweidrittel zu Eindrittel lauten. Wir gehen davon aus, dass Heimsheim ein sehr gesteigertes Interesse an dem Gutachten hat.
Der Investor muss ein solches Artenschutzgutachten ohnehin durchführen und bezahlen. Das hätten Sie auch einfach abwarten können, ohne diese Steuergelder zu investieren.
Schreiber: Da kommt dann der Vorwurf eines Auftragsgutachtens – und da wollen wir sauber arbeiten. Gutachten kann jeder machen, nachher macht Heimsheim dann ein Gegengutachten. Deswegen wollten wir ein neutrales Gutachten – ergebnisoffen. Wenn am Schluss aber nichts herauskommt, muss dies auch von allen Seiten akzeptiert werden.
Troll: Wir werden fachanwaltlich beraten, da wird uns gesagt: Je nach der Art der Ausführung kann man zu verschiedenen Ergebnissen kommen.
Und was machen Sie, Herr Troll, wenn die Gutachter nichts finden, was gegen Windkraft spricht?
Troll: Da hab ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil die Hinweise der Naturschützer überdeutlich sind, dass im Merklinger Wald geschützte Arten vorkommen.
Und bis die Ergebnisse Ende 2018 vorliegen, liegt das Projekt auf Eis?
Schreiber: Ja, es sind alle verfahrensrechtlichen Schritte gestoppt, weder genehmigungs-, noch verfahrensrechtlich läuft derzeit irgendetwas. Die Betroffenheit von Heimsheim ist bei mir angekommen. Ich war einige Male im Merklinger Wald unterwegs und bin auch von Heimsheim aus hochgelaufen – ich entscheide nicht vom Schreibtisch aus. Denn jeder Weil der Städter Gemeinderat, der am Ende entscheidet, muss sich im Klaren sein, was diese 800 Meter Abstand zur Siedlungsfläche bedeuten. Für uns wär das so, wie wenn auf dem Malersbuckel oder dem Mittelberg drei Windräder entstehen würden.