Windkraftdiskussion in Schorndorf Fairer Umgang ohne Einigkeit

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Der Erörterungstermin zum Windkraftstandort zwischen Unterberken und Wangen hat den Disput nicht beigelegt. Immerhin sind persönliche Anfeindungen ausgeblieben.

Zwischen 50 und 100 Besucher waren Dauergäste bei der Erörterung für den Winkraftstandort GP03 in Oberberken. Foto: Horst Rudel
Zwischen 50 und 100 Besucher waren Dauergäste bei der Erörterung für den Winkraftstandort GP03 in Oberberken. Foto: Horst Rudel

Schorndorf - Rund 17 Stunden haben am Dienstag und Mittwoch Windkraftplaner und -Gegner in der Schurwaldhalle in Oberberken über vier beantragte Windkraftanlagen debattiert. Die bis zu 200 Meter hohen Windräder sollen in einem Waldgebiet zwischen Schorndorf-Unterberken und Wangen (Kreis Göppingen) gebaut werden. Die umfangreiche Erörterung war in ihrer Form einzigartig, es wird wohl wenig andere Verfahren auf Landkreisebene geben, bei denen das Landratsamt rund 1000 schriftliche Einwendungen zu berücksichtigen hat. Peter Zaar, der als Dezernent des Landratsamtes die Veranstaltung moderierte, zeigte sich trotz allen Disputs am Mittwoch mit dem Gang der Dinge zufrieden. Am zweiten Tag der Anhörung, an dem unter anderen die Wirtschaftlichkeit des Standorts und das Windaufkommen diskutiert wurden, sei man insgesamt rascher vorangekommen, sagte Zaar. Dass man am ersten Tag viel über Formalfragen geredet und sich „beschnuppert“ habe, nennt Zaar „ganz üblich“. Gegner wie Befürworter bescheinigten Zaar eine faire Verhandlungsführung.

„Mit Widerständen wurde gerechnet“

Den Vorwurf, zu dem Termin sei zu spät eingeladen worden, konterte Zaar mit einem Gegenvorwurf. Die Anwälte der Bürgerinitiative Lebensraum Östlicher Schurwald hätten mit einem Schreiben versucht, den Termin zu verschieben. Die Juristen des Landratsamts hätten dies prüfen müssen, erst am 6. März sei beschlossen worden, den Termin trotzdem stattfinden zu lassen. Die Bürgerinitiative hielt dagegen: In den Antragsunterlagen, die ausgelegen seien, hätten die Stellungnahmen zahlreicher Beteiligter gefehlt. Über die Anwälte habe man mehrfach nachfassen müssen und deswegen einen Antrag auf eine erneute Verschiebung gestellt.

Er sei froh, dass es nicht zu persönlichen Anfeindungen gekommen sei, sagt Gerhard Ammon, der als Chef der Stadtwerke Fellbach auch die Energiedienstleistungen Remstal vertritt, welche das Projekt vorantreibt. Mit erheblichen Widerständen sei gerechnet worden. Man habe allerdings nicht damit rechnen können, die Gegner überzeugen zu können. Den immer wieder geäußerten Vorwurf, die von den Projektplanern beauftragten Gutachter seien gekauft, hält Ammon indes für abwegig. Man habe kein Interesse Gutachter zu engagieren, „die einem nach dem Mund reden“, sagt der Stadtwerkechef.

Sorge um das Gesamtbild des Klosters

Ein größerer Streit könnte mit der Gemeinde Adelberg (Kreis Göppingen) drohen. Deren Bürgermeisterin Carmen Marquardt hatte denkmalpflegerische Bedenken geäußert, weil die Anlagen im Wald hinter Kloster Adelberg aufragten und damit das Gesamtbild der Anlage verschandeln könnten. „Im Kloster darf man ohne Genehmigung nicht einmal Fenster oder Zäune umbauen, aber dann knallt man solche Anlagen dahinter in den Wald“, ärgerte sich Marquardt. Ähnlich wie beim Standort GP01, den von ihrer Gemeinde und vom Verein Mensch-Natur in Auftrag gegebene Gutachten mit verhinderten, habe sie auch bei GP03 die volle Rückendeckung ihres Gemeinderats. Genehmige das Landratsamt die Windkraftanlagen, so müsse über eine Klage entschieden werden. Die Gemeinde habe eine örtliche Bürgerinitiative bei deren Anwaltskosten mit 4000 Euro unterstützt. Sie sei nicht grundsätzlich gegen Windkraft, so Marquardt, „aber wir ziehen am gleichen Strang“.

Aus den Reihen der Initiativen hieß es, man sei gespannt über die Beobachtungsprotokolle zum geschützten Roten Milan, der oft an dem Areal beobachtet werde. Ein Gutachter eines Esslinger Fachbüros hatte angegeben, den geschützten Greifvogel dort nie gesehen zu haben. Die Naturschützer hingegen erklären, den Gutachter selbst nie vor Ort gesehen zu haben. Er hätte, sagten sie, an seinem offiziellen Beobachtungsposten den zahlreichen Spaziergängern eigentlich auffallen müssen.




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