Projekt bei Oppenweiler und Aspach Windfarm mit acht Anlagen geplant

An dieser Stelle in Aspach-Steinhausen könnten sich in zwei Jahren Windräder drehen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Wegfall eines bisherigen Hinderungsgrunds sowie Druck aus der Energiekrise bringen neue und eigentlich schon abgehakte Windenergie-Projekte im Rems-Murr-Kreis wieder auf die Agenda. Wie sehen die Erfolgsaussichten insgesamt aus?

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Bisher sind die Windkraftprojekte im Rems-Murr-Kreis eher überschaubar. Nachdem lange Jahre gewissermaßen als Exot in der Landschaft ein einsames Windrad in Welzheim seine Kreise gedreht hatte, kamen 2017 drei Anlagen auf dem Goldboden bei Winterbach hinzu. Nun aber könnte die hiesige Nutzung erneuerbarer Energie aus der Luft Fahrt aufnehmen.

 

Flugsicherung stellt Drehfunkfeuer ein

Zum einen hat die aktuelle Energiekrise allgemein zu mehr Offenheit und Flexibilität im Umgang mit dem Thema geführt, zum anderen aber fällt demnächst aller Voraussicht noch ein bisheriges Ausschlusskriterium für mehrere Projekte weg: Die Deutsche Flugsicherung will ihr bisher für die Luftfahrtnavigation benötigtes Drehfunkfeuer bei Affalterbach (Kreis Ludwigsburg) im Jahr 2023 außer Betrieb nehmen. Für die Standorte Amalienhöhe in Aspach, Zollstock-Springstein in der Backnanger Bucht, Hörnle in Winnenden und Leutenbach sowie die Buocher Höhe würde damit das bisher geltende Bauverbot für Windräder in einem Radius von 15 Kilometern entfallen. Zudem heißt es vonseiten des Waiblinger Landratsamts in einer ersten Einschätzung der derzeitigen Windprojektlage: „Die aktuellen Gesetzesentwürfe der Bundesregierung sehen für Windkraftvorhaben unter anderem eine Vereinfachung des Planungsverfahrens sowie Erleichterungen bei der artenschutzrechtlichen Prüfung und der Einbeziehung von Landschaftsschutzgebieten vor.“

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt sind vor diesem Hintergrund die Planungen zweier Windkraftanlagen-Betreiber offenkundig schon recht konkret angelaufen. „Auf der Gemarkung der Gemeinden Aspach und Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis planen die Uhl Windkraft Projektierung GmbH & Co. KG und die EnBW Windkraftprojekte GmbH einen Windpark mit bis zu acht Anlagen“, heißt es auf einer Internetseite des Energiekonzerns EnBW. Auch wenn die Seite vermutlich nur jenen bekannt sein dürfte, die aktiv darauf hingewiesen werden, wird dort bereits seit Mitte Juli die Möglichkeit eröffnet, „alle Fragen zu stellen, die Ihnen zum Projekt wichtig sind“. Einsendeschluss ist der 14. August.

Geht es nach den Plänen der Projektpartner, wird der Windpark mit jeweils vier Windrädern mit einem Rotordurchmesser von 172 Metern und einer Nabenhöhe von 175 Metern in zwei Arealen realisiert, die bereits als Windkraftstandorte identifiziert, wegen des Drehfunkfeuers aber wieder verworfen worden waren. Während die EnBW ihre Anlagen im Bereich des Mönchsgartens bei Oppenweiler errichten will, sind die Uhl-Windräder auf der Amalienhöhe bei Aspach vorgesehen. Die Abstände zu den nächstgelegenen zusammenhängenden Wohnbebauungen werden von den beiden Firmen mit etwa einem Kilometer angegeben. Eine Genehmigung im kommenden Jahr vorausgesetzt, halten die Projektpartner eine Inbetriebnahme der Windparks im vierten Quartal 2025 für möglich.

Aufgrund der räumlichen Nähe bilden beide Vorhaben eine sogenannte Windfarm und könnten aus verfahrensökonomischen Gründen in einem gemeinsamen Verfahren beantragt werden. Ein solcher förmlicher Antrag auf Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung liege zwar noch nicht vor, heißt es auf Nachfrage aus dem Landratsamt. Allerdings sei bereits Mitte Juli ein sogenannter Scoping-Termin realisiert worden, der dazu gedient habe, den Untersuchungsrahmen zu den voraussichtlichen Umweltauswirkungen des Vorhabens festzulegen. Man habe die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben freiwillig beantragt, um die Transparenz im Laufe des Genehmigungsverfahrens zu erhöhen, betonen die Projektpartner. Die Bürger der Gemeinden Oppenweiler, Aspach, Spiegelberg und Oberstenfeld sollen bei einer Veranstaltung am 21. September informiert werden – Ort und Zeit sollen noch bekannt gegeben werden.

Bedenken vor Ort

In eingeweihten Kreisen werden allerdings schon jetzt erste Bedenken laut. Die Rede ist von sensiblen Mineralwasserquellen, schützenswerten Vogelarten und einem ungeeigneten Waldboden. Außerdem wird kolportiert, das zwar nahe gelegene aber gemarkungstechnisch nicht involvierte Spiegelberg werde mit der Aussicht auf eine kleine Abschlagszahlung milde gestimmt.

Und die Erfolgsaussichten insgesamt? Eine Einschätzung will das Landratsamt zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht abgeben. Auch über einen bereits vorliegenden Genehmigungsantrag der EnBW für den Bau von drei Windrädern südlich von Welzheim im Ortsteil Breitenfürst könne man noch keine Aussagen treffen, heißt es vonseiten der Behörde.

Der wohl mit dem größten emotionalen Sprengstoff beladene Genehmigungsantrag steht der Behörde indes wohl ohnehin erst noch bevor. Die Stadt Waiblingen beabsichtigt offenbar, erneut die Machbarkeit von Windenergieanlagen auf der Buocher Höhe prüfen zu lassen. Der damalige Oberbürgermeister Andreas Hesky hatte sich Anfang der 2010er Jahre mit seinem Vorschlag, auf dem zu Waiblingen gehörenden Waldstück Windräder zu bauen, erheblichen Zorn aus den Anrainerkommunen eingehandelt.

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