Winfried Kretschmann Ministerpräsident bleibt empört über „Männerhorden“

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bei Markus Lanz einen starken Auftritt: Er lobt die Kanzlerin, verteidigt seinen Helikopterflug und rudert beim Begriff „Männerhorden“ nur ganz wenig zurück.

Redete ziemlich Klartext im Studio des Talkshow-Moderators Markus Lanz: Winfried Kretschmann. Foto: dpa
Redete ziemlich Klartext im Studio des Talkshow-Moderators Markus Lanz: Winfried Kretschmann. Foto: dpa

Hamburg - Unerschütterlich, in sich selbst ruhend, abwehrbereit: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte in der Talkshow von Markus Lanz am Dienstagabend einen ziemlich starken Auftritt. Bekannt ist sein Respekt vor der Kanzlerin Angela Merkel, und vom Moderator gefragt, ob er eigentlich immer noch für Merkel bete, sagte Kretschmann, seine einstige Aussage mit dem Beten sei ja metaphorisch gemeint gewesen. Tatsache sei, „dass Merkel die richtige Kanzlerin zur richtigen Zeit gewesen“ sei. Sie sei eine hervorragende Krisenmanagerin und das Land habe einige prekäre Situationen durchlebt: „Und da mußte sie mit den Putins, Erdogans und sonst wem noch verhandeln. Also ich könnte es nicht, mit solchen Burschen auch noch zu telefonieren.“

Was bei der CDU passiert, das interessiert ihn wenig

Das heftige Ringen in der CDU um die Parteivorsitzenden-Nachfolge interessiert Kretschmann nach eigenem Bekunden wenig: „Das Innenleben der CDU ist nicht mein Terrain, ich halte mich da raus. Mir genügt das Innenleben meiner eigenen Partei.“ Dass die Kanzlerin mit dem Verlust des Parteivorsitzes „nur noch die Hälfte der Macht“ besitzt, wie Lanz befürchtet, das sieht Kretschmann nicht so: Bei den Grünen kenne man nichts anderes als die Trennung von Parteivorsitz und Regierungsamt. „Ich habe sogar zwei Parteivorsitzende.“

Den Vorhalt, er sei vielleicht wegen seiner konservativen Haltung in der falschen Partei, wies der Landeschef entschieden zurück: Als Ministerpräsident sei man „Diener“ der Bürger, müsse „das ganze Land zusammenhalten“ und repräsentieren und nicht nur eine Partei. Als der Studiogast Wolfram Weimer, ein politischer Beobachter, dann anregte, Kretschmann – „der Heilige Nikolaus der Grünen“ – würde doch als Bundespräsident eine gute Figur machen, da lächelte Kretschmann nur versonnen.

Markus Lanz hat ja die Art, sich für heikle Fragen quasi zu entschuldigen, bohrte dann bei Kretschmanns Hubschrauberflug im Schwarzwald nochmals nach: „Da haben Leute auf mich gewartet“, erklärte Kretschmann. Er habe Terminprobleme in Schaffhausen gehabt, aber wenn es gewünscht werde, „dann könnte ich auch laufen oder mit dem Rad fahren. Dann mache ich aber sehr viel weniger Termine.“

Es sei nicht das erstemal, dass er „Stress“ wegen der Nutzung eines Polizeihubschraubers habe, was übrigens sehr selten vorkomme. Statt sich zu empören, solle man sich lieber auf die Frage konzentrieren, wie saubere Kraftstoffe für den Flugverkehr entwickelt werden könnten. Ja, auch ins Studio von Markus Lanz nach Hamburg sei er mit dem Flugzeug gekommen.

Bei der Straftat von Freiburg sei „Ende Gelände“, sagt der Ministerpräsident

Einen nur temporären Rückzieher machte der Ministerpräsident bei seiner vielfach kritisierten Bemerkung in einem Interview, gewalttätige „Männerhorden“ solle man „in die Pampa schicken“, die sich auf eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Freiburg bezogen hatte. Er sei „im Stress“ gewesen und habe das Interview bei der Autorisierung nur schnell überflogen, er werde sich eine solche Aussage beim nächsten mal überlegen. Sprach’s und verteidigte den Begriff „Männerhorden“ dann doch ganz vehement. Mit der politischen Korrektheit müsse es auch mal ein Ende haben, Dinge müssten beim Namen genannt werden und Klartext müsse geredet werden dürfen: „Wenn einer, der viele Straftaten begangen hat, andere auch noch zu einer Gruppenvergewaltigung anstiftet, dann ist doch Ende Gelände!“

Hätte er „Männer-Gang“ gesagt, hätte sich vermutlich keiner aufgeregt. Er habe aber wirklich Männerhorde gesagt und damit eine gefährliche Gruppe gemeint, die nichts zu tun habe und deshalb Unfug anstifte. Das Verschicken „in die Pampa“ sei im übertragenen Sinne gemeint gewesen: „Wir haben in Baden-Württemberg doch gar keine Pampa, wir haben keine strukturschwachen Gebiete.“

Kretschmann wehrt sich gegen die Verwischung von Begrifflichkeiten und nennt ein Beispiel: Dass der Begriff Krüppel abgeschafft und durch Behinderte ersetzt worden sei, das sei ein Fortschritt. Es sei aber nicht einsehbar, dass man nun Behinderte als Menschen mit Handikap oder Menschen „mit anderen Begabungen“ bezeichnen müsse. Kretschmann: „Ich spreche ein noch schlechteres Englisch als Günther Oettinger. Wir haben da ein Handikap. Aber deshalb sind wir doch nicht behindert.“Auf die Frage, ob denn der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, auch „Kanzler“ könne, gibt Kretschmann ein sehr verbindliches Ja. Allerdings sagt er auch, dass die Grünen „jetzt nicht überschnappen“ sollten, nur weil sie in den Umfragen bei 20 Prozent liegen. „Aber mit 23 Prozent kann ein Grüner Ministerpräsident werden, das hätte ich jetzt fast vergessen.“ Ob er sich für das Amt nochmals bewerben will, das werde er in einem Jahr entscheiden.