Winnenden Immer mehr legale Trails für Mountainbiker

Schilder weisen auf verbotene und erlaubte Wegen durch den Wald hin. Foto: Gottfried Stoppel

Legale Mountainbike-Trails, wie sie zwischen Breuningsweiler und Lehnenberg entstanden sind, sollen die Wege der Radfahrer in den Waldgebieten lenken. Trotzdem kommt es immer wieder zu Konfrontationen.

Der Einstieg in den illegalen Radweg ist nicht zu übersehen. Ebenso wenig wie das gelbe Schild, das dort angebracht wurde. „No Ride!“ steht da und ein Kreis mit einem durchgestrichenen Radfahrer. Ein Pfeil zeigt nach links, wo es unweit des illegalen Trails einen 700 Meter langen legalen Mountainbike-Trail durch den Wald namens „Nutcracker“ gibt. „Die legalen Pfade für die Radler nehmen den Druck auf die schützenswerten Gebiete weg“, sagt Ulrich Häußermann, der stellvertretende Leiter des Forstamts im Rems-Murr-Kreis.

 

Bußgeld in Höhe von 30 Euro

Steil führt der illegale Trail vom Schotterweg hinab in den dunklen Wald zwischen Breuningsweiler und Lehnenberg. Wer sich auf zwei Rädern hier hinabstürzt, traut sich was. Wer dabei erwischt wird, sieht die Rote Karte und bekommt ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro aufgebrummt. Denn die Klinge ist ein Versteck für Rehe, erklärt Sabine Messmer, die Jagdpächterin. „Wir kriegen die Radler nicht aus dem Wald heraus, also lenken wir sie aus dem Dunkel ans Licht, weg von Biotopen und Flächen, die für den Naturschutz gebraucht werden“, sagt Gerd Holzwarth, der Landwirtschaftsdezernent im Landratsamt.

Unter der Leitung des Kreisforstamts haben sich in den vergangenen Monaten Naturschutzverbände, Jäger, Mountainbiker und Wanderer zu einem Runden Tisch zusammengefunden. Dabei sind die ersten legalen Mountainbike-Trails in Winnenden entstanden. Mittlerweile gibt es mehr als 40 genehmigte Rad-Kilometer in neun Kommunen im Kreis, und drei weitere – Rudersberg, Schorndorf und Plüderhausen – haben ihr Interesse an offiziell erlaubten Radpfaden signalisiert. „Die Städte und Gemeinden sind daran interessiert, dass ein Trailnetz entsteht, um die Last auf den Wald gleichmäßig zu verteilen“, sagt Ulrich Häußermann. Anders als beispielsweise im Taubertal soll das wachsende Angebot für Mountainbiker aber touristisch nicht beworben werden, sagt der stellvertretende Forstamtsleiter.

Zumal es auch ohne Zustrom von außen auf den genehmigten Wegen immer mal wieder zu Konfrontationen kommt. Mehrmals schon seien die Warnschilder mit der Aufschrift „Achtung Mountainbiker“ weggerissen worden, berichtet Michael Häußermann vom Korber MTB-Verein „shape and ride“. Und manchmal seien Reiter und Wanderer auf den legalen Trails unterwegs. „Wenn wir um die Kurve brettern und da steht ein Pferd, ist das für alle Beteiligten gefährlich.“ Erst neulich seien auf einem Trail am Korber Kopf Pferdeäpfel gelegen, erzählt der Mountainbiker kopfschüttelnd. „Für so was haben wir wenig Verständnis.“ Wer auf einem legalen Trail auf zwei Rädern unterwegs sei, wolle nun mal Gas geben, betont Gerd Holzwarth. Und er habe auch das Recht dazu, ergänzt Ulrich Häußermann. „Dort haben die Mountainbiker moralische Vorfahrt.“

Der wegen des Leidensdrucks auf den Wald während der Coronazeit formierte Runde Tisch soll nicht nur die Radler im Wald kanalisieren sowie den Tann und seine tierischen Bewohner entlasten, so der stellvertretende Forstamtsleiter. „Wir haben alle Interessengruppen zusammengebracht, weil es auch um ein gutes Miteinander der verschiedenen Waldnutzer geht.“ Das sei, so Ulrich Häußermann, auch gut gelungen.

Ein Dorn im Auge

Die legalen Trails sind dennoch einigen Zeitgenossen ein Dorn im Auge. Es sei schon Sabotage vorgekommen, berichtet Ulrich Häußermann. „Wir haben es in Winnenden, in Fellbach und in Korb in den vergangenen drei Wochen erlebt, dass Äste und Glasscherben auf die legalen Trails geworfen wurden.“ In Fellbach sei dadurch ein unbeteiligtes Kind leicht verletzt worden. Über den Weg gespannte Schnüre oder Metalldrähte habe es zum Glück noch nicht gegeben, erklärte der stellvertretende Forstamtsleiter. Für Hartmut Holzwarth, den Oberbürgermeister von Winnenden, ist das ein ernstes Thema. „Das kann eine Straftat sein, die verfolgt wird. Wer so etwas tut, hat das Miteinander, das gesucht wird, nicht verstanden.“ Das haben aber auch noch nicht alle Mountainbiker. Das Verbotsschild am Zugang zum illegalen Trail zwischen Breuningsweiler und Lehnenberg sei auch schon einmal weggerissen worden, erzählt Ulrich Häußermann.

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