Eine aus dem Jahr 1717 kolportierte Begebenheit hat jener Hunderasse, die in den vergangenen Jahren andernorts vielfach zum Modetier mutiert ist, in Winnenden schon lange Kultstatus verschafft. Ein Mops soll der Legende nach mit seinem Herrchen, dem späteren Herzog Carl Alexander, in die Schlacht um Belgrad gereist, dort von ihm getrennt worden und daraufhin den Weg von 1100 Kilometern ins heimatliche Winnenden in sage und schreibe elf Tagen zurückgelaufen sein. Dort starb das Tier wenig später und die Bediensteten stifteten dem „Schlossmops“ ein Denkmal.
Unzählige „rassetypische“ Krankheitsbilder
Dieses kann man noch heute im Eingangsbereich der Klinik im Schloss bewundern. Doch wenn es nach der Tierrechtsorganisation Peta geht, muss der heroischen Darstellung nun dringend noch eine weitere Information beigefügt werden. In einem Schreiben an den Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth fordern die Tierschützer eine Zusatztafel, auf der die „unzähligen ,rassetypischen’ Krankheitsbilder und das damit verbundene Leid brachyzephaler Vierbeiner, zu denen auch der Mops gehört, gelistet werden“. Auf diese Weise könnten Menschen aufgeklärt und von Nachahmungskäufen abgehalten werden, so die Intention.
Ob die 300 Jahre alte Legende des Winnender Mopses wahr ist, könne man natürlich nicht beurteilen, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta: „Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass der heutige Mops nicht über tausend Kilometer laufen könnte, ohne dabei zu ersticken.“ Das über die Jahre eigens angezüchtete sogenannte Kindchenschema – kleine Nase, große Augen – sei immer mit gesundheitlichen Problemen und großem Leid verbunden, so die Expertin. Brachyzephalie ist eine Deformation des Schädels, die unter anderem bei Möpsen ins Extreme gezüchtet wurde. Die Folge sind unterschiedliche Krankheitsbilder wie Atemnot, verschiedene Zahn-, Nasen- und Augenprobleme, Entzündungen der Hautfalten und Ohren sowie nicht selten auch Hirnhautentzündungen. „Kein Mops lebt ohne massive Einschränkungen, daher sollte die Verherrlichung dieser ‚Rasse’ – beispielsweise in Form von Mopsparaden, Mopsrennen oder Mopspralinen – gestoppt werden“, fordern die selbst ernannten Anwälte der Tiere.
Oberbürgermeister begrüßt Rückkehr zu Retro-Mops
Die von Peta angesprochenen Mopsrennen fänden bereits seit 2019 nicht mehr statt und seien auch nicht mehr geplant, sagt der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, den das Schreiben passenderweise kurz vor dem 100. Geburtstag von Deutschlands bekanntesten Mopsliebhaber, Vicco von Bülow alias Loriot, erreicht hat. Und er räumt ein: Die heutigen Züchtungen mit extrem platt gedrückter Nase brächten gesundheitliche Beeinträchtigungen für das Tier mit sich, weshalb er selbst eine Rückkehr zum Ursprung für absolut unterstützenswert halte. Holzwarth: „Diesen Weg hin zum Retro-Mops begrüßen wir als Stadt.“
Weniger anfreunden kann sich der Rathauschef hingegen mit der Platzierung einer Infotafel über die gesundheitlichen Aspekte von brachyzephalen Hunderassen neben dem angestammten örtlichen Mopsdenkmal. Schließlich sei auf diesem eindeutig eben nicht jene kurzatmige, leider jetzt aktuelle Modezüchtung dargestellt. Vielmehr sei das Tier, dessen eher hervorstehende Schnauze auch in der steinernen Darstellung gut erkennbar sei, offensichtlich noch in der Lage gewesen, den weiten Weg von Belgrad nach Winnenden zu bewältigen.
Symbol für bewegende Geschichte
Das Mops-Denkmal in Winnenden sei darüber hinaus nicht nur ein Wahrzeichen, sondern symbolisiere auch eine bewegende Geschichte der Treue zwischen einem Tier und seinem Herrchen. Es sei ein bedeutendes Kulturerbe und ein Ort, an dem viele Menschen eine enge Verbindung zu dieser Legende empfänden.
Die Installation einer Infotafel über die gesundheitlichen Aspekte der Überzüchtung an diesem Ort könnte nach Ansicht des Oberbürgermeisters hingegen den ursprünglichen Zweck des Denkmals und die emotionale Bedeutung der Legende komplett verfälschen. „Dies würde die historische und kulturelle Bedeutung des Denkmals untergraben“, so Hartmut Holzwarth in einer Stellungnahme, die dem Ansinnen von Peta indirekt eine Absage erteilt. Zumal die Stadt bei dem Ansinnen wohl ohnehin der falsche Ansprechpartner sei. Weil das Mops-Denkmal auf dem Grundstück des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) stehe, besitze die Kommune gar keine Befugnisse, um dort ein Hinweisschild anzubringen.
Auch Stuttgart zeigt sich zurückhaltend
Der Vorstoß von Peta ist freilich nicht der erste dieser Art. Auch am Stuttgarter Loriot-Denkmal am Eugenplatz wünscht sich die Organisation eine Aufklärung über die „Qualzucht“ an Möpsen. Bisher ebenfalls ohne Erfolg. Die Stadt hatte im Spätsommer auf Anfrage unserer Zeitung lediglich verlauten lassen, sich „zu gegebener Zeit damit auseinandersetzen“ zu wollen.