Stadtkind Stuttgart

Winterdorf "Wouahou" auf dem Marienplatz Das alternative Weihnachtsfest

Von Tanja Simoncev 

Die Übermorgen-Markt-Macher und der Handels-, Gewerbe- und Dienstleistungsverein Stuttgart-Süd e.V. kurz "Der Süden" haben zusammen etwas Nachhaltiges ausgeheckt: Vom 1. bis 10. Dezember wird ein Winterdorf namens "Wouahou" den Marienplatz beleben - mit Riesen-Tipi, Kleidertausch-Sause und Sauna.

Übermorgen-Markt goes Winterdorf: Die drei Macher dahinter sind Lennard Arendt, Dominik Ochs und Tobias Reisenhofer (von links). Foto: Übermorgen-Markt
Übermorgen-Markt goes Winterdorf: Die drei Macher dahinter sind Lennard Arendt, Dominik Ochs und Tobias Reisenhofer (von links). Foto: Übermorgen-Markt

Stuttgart - Aus dem bisherigen Feuer-und-Flamme-Weihnachtsmarkt und dem Übermorgen-Gedanken wird das Wouahou-Winterdorf. "Wouahou" als Ausruf der Freude - ein Winterdorf als Alternative zum klassischen Weihnachtsmarkt. "Wir wollten einen anderen Namen, einen, der nicht inflationär behaftet ist, dem wir im Dezember auf dem Marienplatz Leben einhauchen können", sagen die Macher. Das Winterdorf soll ein Erlebnis für die ganze Familie sein - emotionale Höhepunkte inklusive. Nachhaltigkeit zum Anfassen lautet dabei wie immer die Devise. 

Nachhaltigkeit in geil

Zurück auf Anfang: Zwei der Macher, Dominik Ochs und Lennart Arendt, sind vor sieben Jahren in Stuttgart gestrandet, als beste Kumpels und Kommilitonen - sie hatten sich beim gemeinsamen Studium "Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement" kennengelernt. Die Jobs der großen Unternehmen lockten, die Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit war jedoch alles andere als die selbe, die beiden hatten ein anderes Verständnis dafür, machten sich deshalb schnell selbstständig und gründeten die Agentur Grüne Neun.   

"Erstmal war nur Online-Markting und Netzwerken angesagt, nach zwei Jahren haben wir uns aber gesagt: Wir wollen und können auch Nachhaltigkeit in geil, raus aus der öden Öko-Ecke, weg vom infaltionären Nachhaltigkeits-Bla-bla." Eine Zeit lang hätten sie ein bisschen allergisch auf das Wort Nachhaltigkeit reagiert, erinnert sich Dominik. "Wir mussten uns da neu impfen und das haben wir mit dem Übermorgen-Magazin gemacht." Plötzlich gab es Nachhaltigkeit zum Anfassen, mit Künstler Kleon Medugorac ging man eine ertragreiche Partnerschaft ein. Das war im Jahr 2013.

Übermorgen-Magazin, Übermorgen-Markt, Winterdorf

Durch das Magazin hatten sich Aufträge im Bereich Nachhaltigkeits-Management ergeben, die beiden hatten viel zu tun und wenig Zeit. "Wir mussten Prios setzen, wollten mit dem Magazin pausieren, aber es nicht ganz sein lassen. Uns kam der Gedanke: Jetzt gehen wir das Thema Nachhaltigkeit noch praktischer an, nicht nur darüber schreiben, erzählen, berichten."

Der nächste logische Schritt musste also sein, das Magazin auf einen Platz zu packen, damit man Nachhaltigkeit auch schmecken, riechen, anfassen konnte. Der erste Übermorgen-Markt war geboren, für, wie die Macher sagen, die Crowd da draußen - bunt, mit viel Spaß und ohne erhobenen Zeigefinger.

Sidefact: Nachhaltige Initiativen, die sich öffentlich präsentieren und die man kennt, so etwas hätte es damals noch nicht gegeben, betont der 32-Jährige. "Viele haben aneinander vorbei gearbeitet und keiner wusste voneinander. Das Magazin nahm dann immer mehr die Funktion einer Plattform ein."

Das war vor zwei Jahren, Ochs und Arendt machten nun gemeinsame Sache mit Veranstalter Tobias Reisenhofer (Marienplatzfest, Europa-Viertel-Fest). Eigens dafür haben sie den Verein Kesselglück gegründet. Und auch nächstes Jahr soll es wieder einen Übermorgen-Markt geben. "Die Überlegung war aber auch schon länger: Wollen wir nicht mal einen Weihnachtsmarkt machen?", so Dominik. Und schon war das Winterdorf geboren.

"WOUAHOU" statt "Ho Ho Ho"

Warum Winterdorf und nicht Weihnachtsmarkt? "Weil es ein Pendant zu den Weihnachtsmärkten in der Stadt ist, aber kein Markt. Es ist ein Dorf, ein Winterdorf - mehr erleben, nicht nur konsumieren", erklärt das Übermorgen-Team. Der Fokus liegt dabei auf nachhaltigem Konsum. "Nachhaltiger Konsum ist die bessere Alternative, aber bevor du neu konsumierst, überlege erstmal, was du noch hast beziehungsweise wieder verwenden kannst." Thema Sharing und Up-Cycling stehen dabei im Vordergrund. 

"Ohne Plastik, aber mit viel Liebe und Riesen-Tipi"

Und was genaut darf man also zehn Tage lang im Dezember auf dem Marienplatz erwarten? Zum einen ein Riesen-Tipi mit 200 Quadratmetern Fläche. Dani Falder, auch bekannt als "Kuschel-Dani" (Romantica, Waggons, Galao, Werkkollektiv) wird dort Hand anlegen und eine Vorschau auf "Das öffentliche Wohnzimmer" im kommenden Jahr präsentieren. Konkret bedeutet das eine mit Liebe gemachte Innenausstattung mit beleuchtetem Holzboden und Teppichen - Wohlfühl-Wohnzimmer-Atmosphäre eben. "Das Riesen-Tipi bildet das Herzstück auf dem Marienplatz."

Auf dem Programm steht internationale Livemusik mit coolen, gemütlichen Shows, ohne Abriss. "Es soll ja auch zur besinnlichen Weihnachtszeit passen", so Dominik. Außerdem wird es einen Hate-Slam geben, der aufrütteln soll, alternativ anders wie der Rest der Veranstaltung auch. Ebenso wird die soziale Komponente nicht außer Acht gelassen: Gemeinschaft für jeden soll an den zehn Tagen auf dem Marienplatz gelebt werden - mit Essen und Trinken für Bedürftige, Openair-Backen und Stockbrot, das man an der Bar kaufen und über einer der Feuerschalen zubereiten kann.

Bademantel an der Bar

Neben dem integrierten Übermorgen-Markt können individuelle Weihnachtsgeschenke selbst angefertigt werden, ein buntes Kinderprogramm lockt mit Geschichtenerzähler, Traumfänger-Bastelspaß und Indianerschmuck, während bei der Kleidertausch-Sause Klamotten mit ideellem Wert den Besitzer wechseln. On Top und mehr Gag als Ernst: die mobile Sauna. "Wer will, bekommt an der Bar einen Bademantel. Der ganze Platz soll dörflich gemütlich werden, da fanden wir eine Sauna ganz passend", so die Übermorgen-Crew lachend. 

Wouahou- Winterdorf: Vom 1. bis 10. Dezember immer von 16 bis 22 Uhr auf dem Marienplatz, mehr Info hier.