Wirte auf den Fildern: Hotel-Restaurant Lindenhof in Möhringen Japaner im Orientexpress und Schwaben im Lindenhof

Seit mittlerweile 27 Jahren betreibt Walter Schweizer  das Hotel-Restaurant Lindenhof in Möhringen. Foto: Alale Sarshar Fard
Seit mittlerweile 27 Jahren betreibt Walter Schweizer das Hotel-Restaurant Lindenhof in Möhringen. Foto: Alale Sarshar Fard

In einer Serie stellen wir die Wirte auf den Fildern vor. Heute: Walter Schweizer und das Hotel-Restaurant Lindenhof in Stuttgart-Möhringen. Bei dem Gastronomen liegen das Talent und die Freude am Kochen in der Familie.

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Möhringen - In einer Familie, in der jeder gut kocht, konnte aus Walter Schweizer nur eines werden: Koch. Aufgewachsen ist er auf dem Bauernhof seiner Eltern. Während Vater und Mutter auf dem Feld und im Stall gearbeitet haben, hat der Junior für sich oder für die ganze Familie gekocht.

Als Schwabe folgte Schweizer den üblichen Regeln und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Koch. Danach ging er ein Jahr lang in ein Restaurant im Schwarzwald. „Als Koch muss man Restaurants ausprobieren, da man überall dazulernt“, sagt Schweizer. Das Gelernte setzte der Koch später im Restaurant seines älteren Bruders Alfred um. Der Vater hatte den „Hahnen“ in Sielmingen gemeinsam mit seinem Sohn Alfred gepachtet, als klar wurde, dass der Bauernhof und die Landwirtschaft für die Familie keine Zukunft haben. Dazu kam, dass Schweizer Senior seine Freude am Kochen an beide Söhne weitergegeben hatte. Elf Jahre lang blieb Walter bei seinem Bruder. Dann übernahm er das Hotel-Restaurant Lindenhof in Möhringen, das er nun seit 27 Jahren betreibt.

Alles, nur nicht schwäbisch

Auf Tradition legt der Wirt besonderen Wert. Schweizer sagt: „Wir erhalten alte Dinge, haben aber auch die Nuancen der feinen Küche drauf. Wir kochen alles, nicht nur schwäbisch.“

Seine Lebensmittel kauft Walter Schweizer fast ausschließlich regional ein. Ob Obst und Gemüse vom Bauernhof nebenan, das Schaf vom Schulfreund oder das Wild von den Jägern aus seiner Familie, Schweizer hat für fast alle Produkte einen persönlichen Kontakt. Auf den Tisch kommt, was die Saison gerade hergibt. „Mit Blick auf die Weihnachtszeit freue ich mich schon auf Ente und Gans, und nach dem Kraut im Winter ist das Frühlingsgemüse besonders gut.“

Ein Lieblingsgericht hat der Wirt nicht. „Wenn man eine gewisse Zeit etwas gegessen hat, freut man sich wieder auf etwas Neues.“ Und sollte ihn einmal die Lust nach Asiatischem überwältigen, bekommt er von seinem früheren Auszubildenden ein Thai-Gericht serviert.

Der Wirt hat auch schon im Orientexpress gekocht

Ein derart geregeltes Leben hat Walter Schweizer nicht immer geführt. Eineinhalb Jahre hat er zum Beispiel im Mozart-Express gekocht. Der nach dem Komponisten benannte Zug war zwischen 1964 und 2002 zwischen Paris und Wien unterwegs. Am Herd stand Schweizer auch im Orientexpress. Dieser Luxuszug wurde vor allem durch den Dreh des Agatha-Christie-Krimis „Mord im Orientexpress“ bekannt.

Für Schweizer waren die rollenden Küchen eine gute Schule, um Menschenkenntnis und Improvisation zu lernen. „Da heißt es: 25 Japaner steigen ein und bekommen dieses Menü, und dann durfte man sehen, wie man mit der Kiste von Lebensmitteln zurechtkommt.“

Heute steht Walter Schweizer vor anderen Herausforderungen. Da geht es zum Beispiel darum, 150 Kilo Maultaschen während der Osterwoche zu machen. Viele Gäste kommen so häufig in sein Restaurant, dass Schweizer gar keine Bestellung mehr aufnehmen muss. Er kennt mittlerweile die Vorlieben seiner Stammkunden.

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