Wirtschaft im Kreis Esslingen Arbeitslosigkeit fast auf Vor-Corona-Niveau

Es geht sozusagen treppauf am Arbeitsmarkt. Allerdings könnten anhaltende Lieferengpässe der Entwicklung schaden. Foto: dpa/Andreas Arnold

Einen „goldenen Oktober“ bilanziert die Agentur für Arbeit im Kreis Esslingen. Die Arbeitslosenquote ist um 0,2 Punkte auf 3,6 Prozent gesunken. Dennoch blickt die Behörde mit Sorge auf die kommenden Monate.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Kreis Esslingen - Die Erholung des Arbeitsmarktes im Kreis Esslingen hat in den vergangenen Wochen angehalten. Wie in ganz Deutschland ist auch zwischen Neckar und Fils die Arbeitslosigkeit erneut kräftig gesunken. Mittlerweile sind 3,6 Prozent aller Erwerbspersonen im Kreis Esslingen arbeitslos gemeldet – das entspricht fast dem Niveau vor Ausbreitung des Coronavirus hierzulande. Im Februar und März 2020 hatte die Arbeitslosenquote 3,4 Prozent betragen. „Goldener Oktober auch auf dem Arbeitsmarkt“ betitel die Agentur Göppingen, die auch für den Kreis Esslingen zuständig ist, ihren Bericht. Die Prognose für die kommenden Monate ist aber eher verhalten. Die anhaltende Kurzarbeit in vielen Betrieben, gestörte Lieferketten und steigende Energiekosten könnten die Situation kippen lassen, so die Sorge.

 

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Eckdaten Im Oktober waren im Kreis Esslingen 10 989 Personen arbeitslos gemeldet – 5,9 Prozent weniger als im September und satte 17,7 Prozent weniger als genau ein Jahr zuvor. Hinzu kommen etwa 14 300 sogenannte Unterbeschäftigte – darunter werden jene gefasst, die eine Qualifizierung absolvieren oder länger krank sind. Auch ihre Zahl ist gesunken. Wie üblich gibt es Unterschiede zwischen den Geschäftsstellen im Landkreis. In Esslingen war die Arbeitslosenquote mit 3,9 Prozent am höchsten, in Leinfelden-Echterdingen und Nürtingen mit je 3,3 Prozent am niedrigsten. In Kirchheim betrug sie 3,4 Prozent. Von der Erholung am Arbeitsmarkt profitieren nicht alle gleichermaßen: Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel besonders bei Älteren und Langzeitarbeitslosen geringer aus. Am stärksten sind Ausländer von Arbeitslosigkeit betroffen – die Quote betrug hier 7,9 Prozent. Überdurchschnittlich war die Arbeitslosigkeit auch bei Über-55-Jährigen (4,5 Prozent). Demgegenüber stehen 5680 unbesetzte Arbeitsstellen – im Oktober 2020 gab es weniger als die Hälfte.

Kurzarbeit Eine aktuelle Zahl der Frauen und Männer, die im Kreis Esslingen von Kurzarbeit betroffen sind, gibt es nicht. Diese Daten werden aufgrund von mehrwöchigen Antragsfristen erst mit einem halben Jahr Verzögerung veröffentlicht. Im April waren 23 759 Beschäftigte betroffen. Besonders Unternehmen in Maschinenbau, Metallerzeugung, Handel und Gastronomie nutzten zu dieser Zeit die Möglichkeit, ihr Personal bei reduzierter Arbeitszeit halten zu können.

Auch wenn keine genauen Daten vorliegen: Die Kurzarbeit ist noch immer hoch. Einen Anhaltspunkt gibt der Umstand, dass die Ausgaben für das Kurzarbeitergeld noch immer hoch und in den vergangenen Monaten kaum zurückgegangen sind, wie die Agentur für Arbeit mitteilt.

Einordnung „Die gute Entwicklung der letzten Monate hat sich im Oktober fortgesetzt, die Zahl der Arbeitslosen ist kräftig gesunken. Insgesamt stärker als in Baden-Württemberg und bei allen Personengruppen, besonders aber bei den Jüngeren“, sagt Karin Käppel, Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur. Dennoch blickt sie mit Sorge auf die kommenden Wochen und Monate. Nach wie vor seien viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Ihre Arbeitgeber hielten zwar an der Beschäftigung fest. Würde ein Teil von ihnen aber den Arbeitsplatz verlieren, stiege die Arbeitslosigkeit deutlich. „Wir hoffen und vertrauen auf die Wirtschaftskraft der Unternehmen im Bezirk. Im Umgang mit der Coronapandemie haben wir mittlerweile schon wieder deutlich mehr Normalität wiedergewonnen“, sagt Käppel. „Mit Sorge sehen wir allerdings die aktuellen Entwicklungen: Engpässe bei den Lieferketten, Materialmangel und steigende Preise für die Energieversorgung könnten auf Dauer die Unternehmen in Schieflage bringen.“

Prognosen am Arbeitsmarkt

Erholung langsamer
 Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird es zum Jahresende etwas frostiger – die Arbeitslosigkeit dürfte aber weiter sinken. Das Arbeitsmarktbarometer des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab im Oktober nach einem extrem starken Sommer zum zweiten Mal in Folge nach um 1,5 Punkte auf 104,7 Punkte. Im Langzeit-Vergleich ist das aber noch immer ein guter Wert. Der Indikator deute darauf hin, dass der Arbeitsmarkt sich weiterhin günstig entwickelt, wenngleich in einem gezügelten Tempo, teilte das IAB mit.

Gute Jobchancen
 Positiv bleibt die Beschäftigungskomponente des Barometers, die im Oktober nur unwesentlich nachgab. Dies zeigt, dass die Betriebe in Deutschland weiterhin einstellen wollen.

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