Wirtschaft im Kreis Esslingen Nicht nur die Dieselpreise plagen Spediteure
Die steigenden Dieselpreise zwingen Speditionen zu einer Preiserhöhung. Doch vor allem der Fahrermangel macht den Fuhrbetrieben zu schaffen.
Die steigenden Dieselpreise zwingen Speditionen zu einer Preiserhöhung. Doch vor allem der Fahrermangel macht den Fuhrbetrieben zu schaffen.
Kreis Esslingen - Die gestiegenen Energiepreise machen auch den Speditionen im Landkreis zu schaffen. 1,53 Euro kostete ein Liter Diesel durchschnittlich im Oktober. Vergangenes Jahr lag der Durchschnittspreis in diesem Zeitraum bei 1,23 Euro pro Liter. Viele Spediteure sehen sich daher gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. So auch Thorsten Diem, der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Wernau. Vereinzelt habe es Kunden gegeben, die deshalb abgesprungen seien. Doch gerade die größeren Auftraggeber hätten die Preiserhöhung akzeptiert. Abhilfe schaffe auch die sogenannte Dieselklausel. Dabei werden steigende und fallende Dieselpreise bei den Abrechnungen mit Auf- oder Abschlägen berücksichtigt. Das decke nicht alles, aber den Großteil ab, sagt Diem.
Karl Probst, der Geschäftsführer der Probst Spedition in Esslingen, hat seine Preise erst im Frühjahr aufgrund der neu eingeführten CO2-Steuer erhöht. Daher sei es schwierig, seinen Kunden nun eine weitere Steigerung zuzumuten. Seine Spedition versucht daher, die zusätzlichen Kosten über das Tagesgeschäft abzufedern und langfristige Kunden zu schonen. Stephan König, der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Esslingen, berichtet, er habe schon schwierigere Preisverhandlungen geführt. Natürlich zahle niemand gerne mehr, aber es gebe auch Verständnis dafür, sagt er.
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Was allen Beteiligten große Sorgen bereitet, ist der Mangel an Fahrern. Dass es in der Branche schwierig ist, Nachwuchs zu finden, hat laut Thomas Arnold, der in Deizisau eine Spedition führt, auch mit dem Image des Lastwagenfahrers zu tun. „Der Arbeitsalltag lässt sich nicht so einfach bestimmen, da ist man nicht um 16 Uhr zuhause.“ Dass die sogenannte Work-Life-Balance in dem Beruf schwierig ist, weiß auch Karl Probst. Er beschäftigt vier junge Mitarbeiter, die bis jetzt sehr motiviert seien. Aber wenn irgendwann die Familienplanung anstehe, könnten sich auch deren Bedürfnisse ändern.
Ein weiterer Knackpunkt ist der demografische Wandel. Bald gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente – und hinterlassen eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Laut dem Spitzenverband der deutschen Transportlogistiker BGL erreichen bundesweit jedes Jahr etwa 30 000 Kraftfahrer das Rentenalter – während gerade einmal etwa 17 0000 neue Mitarbeiter ausgebildet würden.
Dass es in der Branche schwierig ist, Auszubildende zu finden, hat laut Thorsten Diem auch etwas mit dem Alter der Schulabgänger zu tun. Jugendliche, die ihren Haupt-oder Realschulabschluss in der Tasche haben, seien mit 15 oder 16 Jahren zu jung für die Ausbildung, da man einen Lkw-Führerschein erst mit 18 Jahren machen kann. Daher kämen die Lehrlinge aus der zweiten Reihe, sie seien älter und hätten bereits eine Ausbildung angefangen und abgebrochen.
Wie groß die Personalprobleme sind, lässt sich bei der Arnold-Spedition sehen: Der Geschäftsführer erwägt, seinen Betrieb zu verkleinern. Thorsten Diem kann alle seine Fahrzeuge zwar mit Mitarbeitern besetzen; doch den Wunsch, seinen Fuhrpark auszubauen, kann er nicht umsetzen.
Mit dem Umstieg auf E-Mobilität steht die Fahrzeugbranche vor einem großen Umbruch. Anfang Oktober hat Daimler seine ersten Elektro-Lastwagen vorgestellt. Doch in den Speditionsbetrieben herrscht Skepsis, wie das tägliche Geschäft mit einem Elektor-Fahrzeug bewältigt werden kann. Für Lastwagen sei die E-Mobilität nicht interessant, ist Arnold überzeugt. Die Reichweite sei zu gering. „Da hat die Politik vorausgedacht, aber nicht mitgedacht“, sagt Arnold. Zudem seien die Fahrzeuge teurer. Auch Thorsten Diem bezweifelt, dass es mit dem Umstieg schnell klappt – zumal seine Fahrer weite Strecken zurücklegen. Wenn die Infrastruktur stimme und die Fahrzeuge eine gewisse Strecke zurücklegen können, spricht laut Stephan König indes nichts gegen einen Betrieb mit E-Fahrzeugen.
Eine umweltfreundliche Alternative wäre der Transport mit der Bahn. Der Gedanke sei nicht verkehrt, meint Diem. Allerdings seien die Kapazitäten auf der Schiene nicht vorhanden. Die Bahn habe den Güterverkehr in den vergangenen Jahren abgebaut und vernachlässigt. Daneben sei der Transport auf der Schiene zu teuer und zu langsam; und auch das Risiko, dass Güter Schäden davontrügen, sei höher. Karl Probst nennt einen weiteren Punkt: Seine Spedition sei viel abseits der Großstädte unterwegs, da komme ein Umstieg für ihn nicht in Frage. Er kann sich den Transport über die Schiene nur mit kombinierten Verkehr vorstellen, sprich die Güter werden vom Bahnhof aus mit dem Lastwagen weiter transportiert. Doch wo die Bahn keine gute Infrastruktur biete, wäre auch das schwer umsetzbar.
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Was steckt hinter den höheren Energiepreisen?
Gründe
Es gibt verschiedene Ursachen, warum die Energiepreise momentan so hoch sind. Zum einen ist die Nachfrage nach Energie gestiegen, da sich die Wirtschaft von der Pandemie erholt und wieder mehr produziert. Das Angebot an Energie ist auf der anderen Seite jedoch gesunken. Daneben hat der vergangene kalte Winter dazu geführt, dass Lagerbestände geleert wurden. Hinzu kommt die höhere CO2-Steuer.
Maßnahmen Einige EU-Länder haben bereits auf die Situation reagiert. In Spanien wurde die Mehrwertsteuer auf Strom vorübergehend gesenkt. Frankreich plant, ärmeren Familien 100 Euro zuzahlen. Die italienische Regierung will die Verbraucher durch Steuersenkungen entlasten. In Deutschland sind vorerst keine Maßnahmen geplant.