Wo kommt die Rettungswache hin? Wehr und Johannitern brennt der Kittel

Das Feuerwehrgerätehaus in Ehningen entspricht längst nicht mehr den Anforderungen, die im Lösch- und Rettungswesen angesagt sind. Kosten von bis zu einer Million Euro stehen allein für Interimsmaßnahmen im Raum, wenn das neue Rettungszentrum noch lange auf sich warten lässt Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote
Das Feuerwehrgerätehaus in Ehningen entspricht längst nicht mehr den Anforderungen, die im Lösch- und Rettungswesen angesagt sind. Kosten von bis zu einer Million Euro stehen allein für Interimsmaßnahmen im Raum, wenn das neue Rettungszentrum noch lange auf sich warten lässt Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote

Weiterer Suchlauf für das geplante Rettungszentrum in Ehningen. Doch alle möglichen Standorte sind mit Problemen und Risiken behaftet. Der neue Bürgermeister forciert das Projekt aufgrund seiner Dringlichkeit. Im Frühjahr soll deshalb die Entscheidung fallen.

Ehningen - Eigentlich war die Standortentscheidung für das geplante Rettungszentrum von Feuerwehr, Johannitern und DRK in Ehningen bereits seit 2019 in trockenen Tüchern. Doch Bürgermeister Lukas Rosengrün rollt das Verfahren noch einmal auf. Drei mögliche Standorte wurden deshalb in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend noch einmal vorgestellt und das Für und Wider abgewogen. Im Mai will der Schultes die endgültige Entscheidung treffen, damit möglichst bald mit dem Bau begonnen werden kann.

Denn der in der Oktobersitzung vergangenen Jahres vorgestellte Zeitplan hat den bisher präferierten Standort „Eingemachtes Wäldle“ im Ehninger Osten ins Hintertreffen treten lassen. Die prognostizierte Fertigstellung des Rettungszentrums sei vor allem aufgrund des Artenschutzes erst im Jahr 2028 oder noch später möglich. „Wir brauchen bis Mitte des Jahres eine klare Perspektive“, mahnte Johanniter-Rettungsdienstleiter Matthias Mast. Aber auch der Feuerwehr brennt der Kittel. Entspricht doch das bestehende Gerätehaus längst nicht mehr den Anforderungen an Hygiene und Arbeitsschutz, ganz zu schweigen von der Unterbringung dringend benötigter Fahrzeuge, für die eigens angebaut werden müsste. Kosten von bis zu einer Million Euro für solche Interimsmaßnahmen stehen im Raum. „Die Verschiebung hat uns einen schweren Stoß versetzt“, unterstrich Feuerwehrkommandant Thomas Feuchter.

Wie groß das Interesse in der Wehr, aber auch bei den Johannitern und dem DRK ist, dass das neue Rettungszentrum möglichst bald gebaut wird, unterstrich die im Rahmen der gegenwärtigen Coronaverordnungen mögliche Zahl der Zuhörer in der Turn- und Festhalle. Und wer keinen Platz mehr fand, konnte die rund dreistündige Veranstaltung sogar zuhause per Livestream verfolgen.

Zwei der von Ortsbaumeister Dan Häring detailliert vorgestellten Alternativstandorte, nämlich „Leimental-Nord“ und „Leimental-Süd“ sind im projektierten Gewerbegebiet. Mit „Eschbach“ an der Bühlallee liegt der dritte Standort ganz in der Nähe vom bisher vorgesehenen Standort an der Waldstraße. Die neuen Alternativen haben 1,2 Hektar statt 1,4 Hektar Gesamtfläche und ein damit einhergehendes reduziertes Raumprogramm.

Dies stieß der Gemeinderätin Uta Stachon (Freie Wähler) auf und veranlasste sie zur mehrfachen kritischen Nachfrage, ob dann auch das DRK noch Platz finde? „Davon gehen wir mal aus“, erwiderte Bürgermeister Lukas Rosengrün. Schob aber einschränkend hinterher: „Wenn wir vorankommen wollen, müssen wir mit Unsicherheiten umgehen.“

„Wir haben nicht den perfekten Standort“, musste Rosengrün außerdem zugeben. Denn Konflikte gibt es überall. Sind es am „Eingemachten Wäldle“ der Umwelt- und Artenschutz sowie der schwierige Baugrund, die den Zeitplan sprengen, spricht im „Leimental“ und hier vor allem bei der nördlichen Variante die fast komplett entfallenden Gewerbefläche dagegen. „Wir könnten nur noch die bedienen, die es am dringendsten nötig haben“, räumte der Bürgermeister ein. Hohe Kosten für Erschließung und Grunderwerb fallen auch bei der südlichen Variante an, die außerdem auch für ein neues Tennisgelände herhalten könnte. Die wirtschaftlichste Variante ist für Bürgermeister Rosengrün „Eschbach“. Baugrund und Erschließung, aber auch naturschutzrechtliche Fragen seien dort gut kalkulierbar. Knackpunkt: Anders als bei den anderen Standorten, wo das Gelände in Gemeindebesitz ist, sind erst 40 Prozent der benötigten Fläche im Eigentum der Gemeinde Ehningen. Erste Gespräche des Bürgermeisters mit den sechs Eigentümern ergaben wohl, dass die meisten dem Projekt zwar wohlwollend gegenüberstehen, ein Grundstückbesitzer aber auf keinen Fall verkaufen will.

Ein klares Meinungsbild unter den Gemeinderäten zeichnete sich am Dienstagabend noch nicht ab. Äußerungen wie die von Roland Sichler (Freie Wähler), der sich von der Verwaltung an der Nase herumgeführt fühlt, blieben aber die Ausnahme. „Bleiben sie konstruktiv“, mahnte Lukas Rosengrün. Und auch Feuerwehrkommandant Feuchter appellierte „nicht in Problemen, sondern in Lösungen“ zu denken. „Sehr gut informiert“ fühlte sich Gemeinderat Harald Bürkle (Grüne). Er sprach sich für Leimental-Nord aus. „Da gehört kein Feuerwehrhaus hin“, hielt CDU-Urgestein Rainer Klein dagegen, brach eine Lanze für das Gewerben und sprach sich für Leimental-Süd als Standort für das neue Rettungszentrum aus. „Für mich kommt Stand heute eigentlich nur Eschbach in Frage“, meinte Karl-Heinz Barth (Freie Wähler).

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen soll in der Gemeinderatssitzung am 16. März fallen. Bürgermeister Rosengrün will in der Zwischenzeit die Grundstücksverhandlungen für den Standort „Eschbach“ forcieren. „Wenn wir handelseinig werden, sind sicher alle Gemeinderäte dabei und entscheiden sich für den Standort an der Bühlallee“, ist sich der Schultes sicher.




Unsere Empfehlung für Sie