Wohnbauoffensive in Fellbach Großes Interesse an den drei „Filetstückchen“

Von Dirk Herrmann 

In den kommenden Jahren entstehen mehr als 400 Einheiten. Am weitesten gediehen ist das Hallenbad-Areal, dort erfolgt der Abbruch der Schwimmbassins, Startblöcke und Umkleidekabinen eventuell bereits im Frühjahr 2020.

Insgesamt drei Areale bilden zusammen das Großprojekt „Wohnen Süd“ in Fellbach. Foto: Dirk Herrmann
Insgesamt drei Areale bilden zusammen das Großprojekt „Wohnen Süd“ in Fellbach. Foto: Dirk Herrmann

Fellbach - Wenn am Ende einer zweieinhalbstündigen Veranstaltung kaum einer der Gäste in die Tiefgarage pilgert und stattdessen den abendlichen Heimweg zu Fuß anstrebt – dann ist dies klares Indiz dafür, dass die meisten Besucher aus der näheren Umgebung stammen. So war es beim Bürgerinformationsabend zum dreigeteilten Großprojekt „Wohnen Süd“ mit mehr als 200 Interessenten – trotz weiterer herbeigeschaffter Stühle mussten fast zwei Dutzend stehen. Deutlich mehr als 50 Prozent kamen aus Fellbach-Süd, wie eine spontane Nachfrage des Moderators und Stadtplaners Detlef Kurth (Uni Kaiserslautern) ergab, dafür jeweils höchstens fünf aus Schmiden und Oeffingen sowie rund zehn Interessenten von außerhalb.

Drei Interessenschwerpunkte dürften im Publikum dominiert haben

Drei Interessenschwerpunkte dürften im Publikum dominiert haben: Zum einen waren es Wohnungssuchende, die ein Domizil ersehnen; zum zweiten Nachbarn der Areale, die sich Infos zur Dauer der Baustelle, zum Lastwagenaufkommen oder zur künftigen Höhe der Neubauten in direkten Nachbarschaft erhofften. Und schließlich Besitzer von Grundstücken (etwa in den Kühegärten), die dort selbst eines Tages wohnen wollen.

Selbstkritisch räumte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in ihrer Begrüßung Versäumnisse in der Fellbacher Stadtpolitik ein: „Wir wissen, dass der Bedarf groß ist, da in den vergangenen Jahren wenig gebaut wurde.“ Nun jedoch werden in den kommenden Jahren im Zuge der von Zull angestoßenen Wohnbauoffensive im Fellbacher Süden mehr als 400 Wohneinheiten realisiert. Jedes der drei Gebiete hat seine besondere Attraktivität, weshalb der häufig zu hörende Begriff „Filetstückchen“ durchaus zutrifft.

Am weitesten gediehen sind die Vorbereitungen fürs ehemalige Hallenbad-Areal

Am weitesten gediehen sind die Vorbereitungen fürs ehemalige Hallenbad-Areal. Realisiert wird dieses „Urbane Wohnen im Zentrum“ vom Stuttgarter Siedlungswerk. Das Gelände wurde der Wohnbaugesellschaft in Erbbaurecht überlassen. Das Siedlungswerk hat unterhalb des Kappelbergs schon einige Projekte entwickelt, aktuell das „Wohnen für ­alle“ an der Siemensstraße.

An der Schillerstraße/Untere Schwabstraße entstehen nun zehn Eigentumswohnungen sowie 48 zum Teil mietgeminderte Wohnungen. In den fünf Einzelbaukörpern gebe es lichtdurchflutete und helle Wohnungen mit Gemeinschafts- und privaten Grünflächen. Es sei „ein autofreies Quartier mit guter Infrastruktur“, erläuterte Jochen Wassner, Prokurist des Siedlungswerks, der das Gebiet bestens kennt und selbst einst im Fellbacher Hallenbad das Schwimmen erlernt hat. Der Abriss des alten Hallenbadgebäudes soll eventuell bereits im kommenden Frühjahr erfolgen. Die voraussichtlich im Frühjahr 2023 fertiggestellten Wohnungen werden durch die Stadt vermietet, während der Verkauf der Eigentumswohnungen über das Siedlungswerk erfolgt. „Natürlich ist uns klar, dass die Fellbacher dringend Wohnraum suchen. Wir werden daher – soweit es rechtlich möglich ist – die Ortsverbundenheit mit einbeziehen“, versicherte Gabriele Zull nach der Veranstaltung zu der künftigen Vergabe der Wohnungen. „Sowohl der Verkauf als auch die Vermietung erfolgen nach transparenten Verfahren“, betonte auch Baudezernentin Beatrice Soltys, die darauf hinwies, dass sich Interessenten frühzeitig bei der Stadt und den Bauträgern melden sollten.

Das weitaus größte Wohnquartier mit 40 000 Quadratmetern entsteht auf dem Freibad-Areal

Das weitaus größte Wohnquartier mit 40 000 Quadratmetern Fläche entsteht auf dem Freibad-Areal, entwickelt vom Tübinger Büro Hähnig und Gemmeke. 300 Wohneinheiten sind angepeilt, was Architekt Matthias Hähnig auf „künftig rund 620 Bewohner“ hochrechnete. Der Hochbau soll im Jahr 2022 beginnen.

Die längste Wartezeit besteht für Interessenten des 23 000 Quadratmeter großen Bauquartiers Kühegärten/Apfelweg. Der Wettbewerb für die rund 60 Wohneinheiten, die „naturnahes Wohnen“ versprechen, startet noch in diesem Herbst. Mit der Fertigstellung dürfte vor dem Jahr 2025 nicht zu rechnen sein.




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