Wohnbebauung in Leonberg OB Cohn sieht „Pferdefuß“ beim Unteren Schützenrain
Das Bebauungsprojekt soll noch vor der Sommerpause dem Leonberger Gemeinderat zur Diskussion vorgelegt werden.
Das Bebauungsprojekt soll noch vor der Sommerpause dem Leonberger Gemeinderat zur Diskussion vorgelegt werden.
Mit der Aufstellung des Bebauungsplans „Unterer Schützenrain“ plant die Stadt Leonberg im Auftrag des Gemeinderats auf einer 0,8 Hektar großen Fläche eine Wohnbebauung parallel zur Feuerbacher Straße. Derzeit ist das Gelände mit Wiesen und Gehölzen bewachsen. Geplant sind im Entwurf der Architekten zehn Reihenhäuser und zahlreiche Wohnungen mit insgesamt über 3800 Quadratmetern Wohnfläche, davon mit einem Anteil von 25 Prozent geförderte Mietwohnungen, eine Kindertagesstätte und eine Seniorenwohngruppe. Die Neubauten sollen in hoch wärmegedämmter Holzhybridbauweise erstellt werden, die Dächer sind im Entwurf begrünt und teilweise mit Photovoltaikelementen versehen.
Aus dem bisherigen offenen Dialog zwischen der Stadtverwaltung und Bürgern und den dabei vorgebrachten Anregungen und Fragen aus zwei Infoveranstaltungen folgten für die dritte Bürgerinformationsveranstaltung aktuelle Informationen insbesondere zum Stadtklima, zu Natur- und Artenschutz und zur Erschließung des Gebietes.
Da von den Anwohnern eine ausreichende Belüftung des Gebietes durch die Bebauung in Zweifel gezogen wurde, hat die Stadt ein neues Gutachten zum Stadtklima beauftragt. Das klare Fazit der Gutachter: Es gibt keinen Unterschied zwischen der Belüftung im Bestandswohngebiet und im geplanten Neubaugebiet.
Auch die Artenschutzgutachten wurden in der letzten Veranstaltung von Anwohnern infrage gestellt. Hier hat die Stadtverwaltung die diversen bestehenden Gutachten, die auf der Homepage der Stadt veröffentlicht sind, durch die Untere Naturschutzbehörde überprüfen lassen. Auch hier gibt es eine klare Antwort: Die Behörde hat keinerlei methodische Einwände gegen die Begehungen der Gutachter, eine Verstecksichtung von Zauneidechsen durch das Stochern im Dickicht gehört demnach zu den Methoden der Kartierung. Es gibt laut Gutachten in diesem Gebiet keine streng geschützten Arten, die zu Verbotstatbeständen führen würden. Ebenso wurde das Thema Entwässerung nochmals geprüft, auch hier ist das Ergebnis klar, aufgrund der Topografie des Geländes ist die Entwässerung durch das vorhandene Pumpwerk die einzige Lösung.
Ein Kernkritikpunkt auch dieses dritten Bürgerdialogs blieb allerdings das Thema der Erschließung des Neubaugeländes. Nochmals geprüft wurde von der Stadtverwaltung, ob das Gelände auch über die Feuerbacher Straße erschlossen werden könne, das Regierungspräsidium in Stuttgart hatte dies in der Vergangenheit bereits abgelehnt. Auch nach erneuter Prüfung gestattet das Regierungspräsidium keine direkte Zufahrt von der Feuerbacher Straße in das Gebiet, da rechtlich Zufahrten von außerörtlichen Landesstraßen in Wohngebiete nicht zulässig sind. Das heißt, dass das Gebiet nur über eine Stichstraße befahrbar wäre. Klar ist, dass sich der Verkehr durch das Neubaugebiet erhöhen würde, laut dem aktualisierten Verkehrsgutachten bei Wohnbebauung mit Kita durch den Hol- und Bringverkehr um 514 Autos pro Tag, aktuell sind es 110. Aber dies ist laut Gutachten eine übliche Größenordnung für Wohnstraßen.
Diverse Bedenken der Anwohner konnten allerdings auch diesmal durch die Stadtverwaltung nicht ausgeräumt werden. Es geht vor allem um den Begegnungsverkehr in den engen, teils steilen Straßen, teilweise fehlende Bürgersteige auf den Mischverkehrsflächen und die Wegführung für Menschen mit Behinderung. Schon heute sei die Verkehrssituation in den engen Straßen laut Anwohnern angespannt, allerdings auch verursacht durch parkende Autos am Straßenrand.
In der Tat sieht auch Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) in der Erschließung des Gebiets den „Pferdefuß“ der Planung. Nachdem nun die Anregungen der Anwohner eingeflossen sind, ist der Gemeinderat gefragt, dem das Projekt voraussichtlich noch vor der Sommerpause mit allen Vor- und Nachteilen, wie Cohn versichert, zur Diskussion vorgelegt werden soll.