Wohnen an der Hörschbachschlucht Ein Zuhause – irgendwo im Nirgendwo

Familie Fauser will die Gastronomie wiederbeleben – als „Café Heimerlein“. Foto:  

Familie Fauser wohnt am Eingang zur Hörschbachschlucht und träumt davon, möglichst bald aus dem ehemaligen Gasthaus Wasserfall ein Café für Ausflügler zu machen. Die Aussichten sind gut.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Tief hat sich der Mähderbach in die Landschaft am Hörschhof geschnitten. Oben liegt der Althüttener Ortsteil mit rund einem Dutzend Häuser. Unten am Bach, im einzigen Wohnhaus, leben die Fausers mit ihren beiden Kindern Vivien und Wiglav sowie ihrem Hund Olaf, einem Großen Münsterländer. Es lebt sich gut, fernab von Dorf und Stadt. „Hier will ich sein“, sagt Thorsten Fauser. „Ich schaue aus dem Fenster und sehe nur Wald. Keine drei Meter entfernt steht gleich der nächste Baum, und an mein Fenster kommen die Eichhörnchen herangeklettert.“

 

Wenn es schneit, dann sitzt man fest

Unten plätschert der Mähderbach entlang in Richtung Hörschbachschlucht, während an der steilen Weide vereinzelt eine Kuh grast. Wenn sich hier Fuchs und Hase gute Nacht gesagt haben, dann ist für Grillen, Kröten und anderes Getier noch lange nicht Bettzeit. Auch sonst ist einiges los: Beim Spaziergang sieht man Libellen, Schmetterlinge, Igel und mit etwas Glück auch Feuersalamander, Blindschleichen oder eine Ringelnatter.

Freunde und Verwandte schauen auch gern vorbei und genießen die Ruhe. „Zu Besuch kommen alle gern“, sagt Cora Fauser und lacht. „Nur dauerhaft hier wohnen – das wollen sie dann doch nicht.“ Kein Bäcker, kein Metzger weit und breit, 30 Minuten Fußmarsch zur nächsten Bushaltestelle. „Ohne ein Auto geht es nicht“, sagt Cora Fauser. Besser noch: zwei. Und wehe es schneit. „Dann sitzt man hier fest, bis der Räumdienst irgendwann doch herunterfährt.“ Gut, dass Thorsten Fauser als Verhaltenstrainer für Mensch und Hund relativ flexible Arbeitszeiten hat.

Die Nähe zur Natur ist ein Segen – und dass manch Nachbar (so nett er auch sein mag) ein ordentliches Stück entfernt ist, hat nicht nur Nachteile: „Ich kann hier Musik hören, so laut ich will, bis spätabends renovieren und werkeln – und wenn ich möchte, kann ich um zwei Uhr nachts auch staubsaugen, ohne dass sich jemand davon gestört fühlt“, erzählt der 52-Jährige. Zugegeben, Letzteres sei schon eine ganze Weile nicht vorgekommen.

Hausgeburten in der Sägemühle

Fernab vom Trubel der Großstadt zu wohnen ist für das Paar nichts Neues. 19 Jahre lang lebte Thorsten Fauser in der Ebersberger Sägmühle bei Kaisersbach, seine Frau war fünf Jahre mit von der Partie. „Ich habe dort meine beiden Kinder zur Welt gebracht“, erzählt die junge Mutter. „Beide Hausgeburten waren geplant, aber bei der zweiten hätte es ins Krankenhaus auch gar nicht mehr gereicht.“

Von 2016 bis 2020 haben die gebürtige Backnangerin und der Schorndorfer auch einige Zeit in Dresden verbracht. Da hätten sie in einem großen Mehrfamilienhaus mit 16 Parteien gelebt, erzählen die beiden. „Man kannte die Nachbarn kaum, hat sich allenfalls mal Hallo gesagt.“

Da ist das Verhältnis zu den Hörschhofern schon besser. Als sie im Dezember 2020 den Hof am Premium-Wanderweg „Waldklingen“ gekauft haben, hätten Landwirte vom Hörschhof zur Begrüßung Salz und Brot vorbeigebracht. Und wenn mal wieder ein Traktor durch die Straße am Hof tuckert, wird angehalten, um kurz miteinander zu schwätzen, manchmal gibt’s dann frische Milch oder ein Geschenkle für die Kinder. „Die Leute freuen sich, dass hier unten wieder Leben eingekehrt ist“, erzählt Cora Fauser.

Durstige Wanderer, rasende Autos

Doch mitunter wird es auch der kleinen Familie zu lebhaft. „Besonders am Wochenende fahren Autos hier durch, die zu den Hörschbachwasserfällen wollen – und sie fahren meist viel zu schnell ums Eck“, sagt Thorsten Fauser. Das sei nicht nur eine Gefahr für seine Kinder und den Hund, sondern auch für die vielen Wanderer. „Ich habe deswegen schon beim Landratsamt angerufen, aber die sehen keinen Bedarf etwas zu ändern.“ Also hat er Warnschilder aufgestellt. Kontakte mit Wanderern seien da meist deutlich erfreulicher, wenngleich die Gesprächsthemen sich oft auf die Fragen „Wo muss i lang?“, „Wo komm i dô nâ?“ und „Kriag i bei Ihne a Bier?“ beschränkten. Schön sei es, wenn manche ihren aufgesammelten Müll aus der Schlucht vorbeibrächten, weniger nett seien diejenigen, die Dosen oder Verpackung irgendwo am Hof hinterlassen.

Die Frage nach dem Bier ist übrigens nicht ganz unbegründet. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes befindet sich ein großer Gastraum. Jahrelang bot die Vorbesitzerin im Gasthaus Wasserfall müden Ausflüglern Speis und Trank zur Stärkung. „Wie viele Jahre das her ist, wissen wir gar nicht so genau“, sagt Cora Fauser. Geht es nach der 28-Jährigen, dann würden dort lieber heute als morgen wieder Kaffee und Kuchen serviert sowie Kunst und Kultur geboten. „Ich möchte so bald wie möglich ein Café eröffnen“, sagt sie. Eine Menge Zeit und Geld habe sie schon investiert und große Pläne für ihr „Café Heimerlein“.

Ein Cafébetrieb mit Kunst und Kultur

Weil aber der Vorgänger den Betrieb komplett eingestellt hatte, bedarf es neuer Genehmigungen für den Umbau und Betrieb. „Damals gab es eine Terrasse, aber die war nur geduldet“, nun müsse man sie neu beantragen – und weil beispielsweise ringsherum Landschaftsschutzgebiet ist, sei das keine leichte Aufgabe. „Viele Behörden haben ihr Einverständnis erklärt“, zählt Cora Fauser auf: „Unter anderem die Wasserschutzbehörde, das Umweltamt und das Forstamt, auch die Straßenverkehrsbehörde.“ Fehlt noch das Baurechtsamt. „Unsere Unterlagen haben wir Anfang dieses Jahres abgegeben, wir warten derzeit auf grünes Licht vom Baurechtsamt“, sagt Cora Fauser. Solange aber die Baugenehmigung noch fehle, wolle sie kein weiteres Geld investieren. „Eigentlich wollten wir schon 2022 aufmachen, jetzt hoffen wir, dass es bis zur Saison 2023 klappt.“ Erste Ausstellungen und Konzerte fürs nächste Jahr seien bereits geplant, weitere sollen folgen.

Technische Bauprüfung steht noch aus

Die Chancen auf die geplante Eröffnung stehen gar nicht schlecht, wie das Backnanger Rathaus auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Auch Oberbürgermeister Maximilian Friedrich habe sich mit dem Thema befasst.„Es liegen jetzt die Stellungnahmen des Landratsamtes komplett vor“, so ein Sprecher der Stadt. Nun folge noch die abschließende technische Bauprüfung. Wenn es dabei nichts Wesentliches zu beanstanden gebe, sollte „einer zeitnahen Genehmigung nun nichts mehr im Wege stehen“.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Gastronomie Althütte