Wohnen auf dem Campingplatz Luxuswohnmobil statt Penthouse

Trautes Heim, Glück allein: Monika und Ingo Wiesner vor ihrem Zuhause auf dem Murrhardter Campingplatz Foto: Gottfried Stoppel

Neues Leben auf dem Campingplatz in Murrhardt: Monika und Ingo Wiesner haben ihre edle Wohnung gegen einen Wohnwagen getauscht. Nun leben sie auf dem Campingplatz – und sind überglücklich. Von der Entdeckung einer ungeahnten Freiheit.

Region: Verena Mayer (ena)

Murrhardt - Das silberne Hirschgeweih hängt tadellos an der Wand hinter dem Esstisch. Das Zebrafell liegt sorgfältig geplättet auf dem Boden vor dem Sofa. Die Bilder von den Kindern, als sie klein waren – reizend anzuschauen in der Fotogalerie neben dem Kamin. Die Hemden, Blusen, Kleider und Jacken – perfekt aufgereiht im begehbaren Kleiderschrank nebenan. Der Fernseher – nicht zu übersehen, so riesig wie er an der Wand im Wohnzimmer hängt. Das Interessanteste dabei: Wiesners benutzen ihn fast gar nicht mehr. Weil sie fast nur noch draußen sind. Spazieren im Wald, chillen auf der Terrasse, paddeln auf dem See – was sich halt so anbietet in ihrem neuen Zuhause, dem Campingplatz am Waldsee in Murrhardt.

 

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Im März sind Monika und Ingo Wiesner dorthin gezogen, wo andere Urlaub machen. Nicht, weil sie aus finanziellen oder sonstigen Gründen dazu gezwungen gewesen wären. Sie wollten das so. Und wenn man die beiden in ihrer neuen Heimat besucht und schwärmen hört, muss man feststellen: Gute Entscheidung!

Fünf Zimmer für zwei Personen waren zu viel

Monika Wiesner ist 53 und führt in Schwäbisch Hall einen Friseursalon. Ingo Wiesner ist 54 und arbeitet als Entwickler bei Stihl in Waiblingen. Sie haben zwei erwachsene Töchter und zwei Mischlingshunde. Die beiden stammen aus dem Remstal und sind seit fast 30 Jahren miteinander verheiratet. Früher hat die Familie in einem großen Haus auf dem Land mit einem riesigen Garten gelebt. Als die Mädels ausgezogen sind und das Grundstück mehr Last als Lust ist, ziehen auch die Eltern weiter. In ein Penthouse nach Schwäbisch Hall. Fünf Zimmer, 136 Quadratmeter, Terrasse fast um das gesamte Stockwerk. „Das war mega“, sagt Ingo Wiesner. Aber eben auch sehr groß für zwei Personen, die zudem sehr häufig gar nicht daheim sind, sondern beim Campen.

Dieser Form des Reisens frönen Wiesners schon lange. Als sie 2015 aber auch noch den Dethleffs Globetrotter XLi entdecken, sind sie auf Achse so oft es nur geht. Kenner wissen, dieser Dethleffs ist ein Wohnmobil der Extraklasse. Alle anderen sind vermutlich schon beeindruckt wenn sie wissen, dass er drei Achsen hat und fast neun Meter lang ist. 2019 auf jeden Fall verbringen die Eheleute nur sieben Wochenenden in ihrem Penthouse, alle anderen auf Tour.

Videokameras sichern das Zuhause

„Wenn wir in Rente sind, ziehen wir auf einen Campingplatz“, so lautet Wiesners Vorsatz, der im Laufe der Jahre immer fester wird. Doch dann vergucken sie sich Anfang 2020, auf der letzten CMT vor Corona, in einen Wohnwagen – und nach „kurzem, aber heftigem“ Überlegen ist klar: Das Penthouse wird gekündigt, der Umzug auf den Campingplatz vorgezogen. Den Kindern ist dieser Ortswechsel erst mal peinlich. „Meine Eltern leben auf dem Campingplatz“, ist ja ein Satz, bei dem viele eher zusammenzucken. Doch dass der Schritt in Wiesners Fall nicht aus der Not geboren ist, kann man schon ahnen, wenn man das exquisite Mobiliar vor dem Zugang ins Vorzelt sieht und die kleinen Videokameras, die das neue Zuhause allzeit im Blick haben. Und ganz abgesehen davon: Der Campingplatz am Waldsee ist allerbeste Lage. Umgeben von Wald und ausgestattet mit einem See und mit 170 Plätzen nicht zu unpersönlich groß. „Das ist so herrlich“, sagt Monika Wiesner, die vor der Arbeit gerne eine Runde schwimmt. „Da startet man ganz anders in den Tag“, sagt die Frau, die in ihrer neuen Heimat ein ganz neues Gefühl von Freiheit entdeckt hat. Im Bikini auf der Terrasse liegen – früher hat sie das nicht gemacht. Im Bademantel zur Dusche über den Platz laufen – ist doch nichts dabei. Spontan jemanden auf ein Schwätzchen einladen – dafür findet sich hier immer jemand nettes. Zum Ausklang des Tages ein Gläschen Wein am See – besser geht’s wohl kaum. „Wir sind total entspannt, seit wir hier leben“, sagt Monika Wiesner. „Dass das so gut geht, hätten wir nicht gedacht.“

Das neue Leben bringt Entspannung pur

Wiesners großes Leben auf kleinem Raum fügt sich gut in den Trend des Downsizing, also des sparsameren und bewussteren Wohnens. Die wenigsten ziehen dafür gleich auf einen Campingplatz, sondern eher in eine kleinere Wohnung oder in ein Tiny House. Aber kompakter ist Wiesners Leben auf 41 Quadratmetern, trotz Hirschgeweih und Zebrafell, auch geworden. Schuhe und Klamotten – säckeweise wurden sie aussortiert und gespendet. Bücher und CDs – bis auf ein paar Lieblinge haben sie sich von allem getrennt. „Vermisst haben wir noch nichts“, sagt Ingo Wiesner, der dafür inzwischen genau überlegt, wie viele Teller und Töpfe zum Kochen nötig sind. Es ist eben ein Unterschied, ob man eine Spülmaschine hat oder von Hand spült.

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Die Gefahr, dass den Wiesners ihre kleine Decke mal auf den Kopf fallen könnte, ist übrigens minimal. Bevor es so weit kommt, steigen sie in ihr nobles Wohnmobil und fahren einfach davon.

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