Wohnen in der Region Stuttgart Worauf Immobilienkäufer in der Krise achten
Wer sich aktuell Wohneigentum zulegen will, wird wählerischer. Makler aus Stuttgart und der Region berichten von neuen Trends in unsicheren Zeiten.
Wer sich aktuell Wohneigentum zulegen will, wird wählerischer. Makler aus Stuttgart und der Region berichten von neuen Trends in unsicheren Zeiten.
Es gilt als schwierig, in Stuttgart und Umgebung eine Wohnung oder ein Haus zum Kauf zu finden. Oder doch nicht? Corona, vor allem aber die aktuelle Energiekrise, hat die Lage auf dem Immobilienmarkt verändert. Makler berichten von ihren Beobachtungen.
Wie entwickelt sich das Angebot? Die Zahl derer, die ihre Wohnung oder ihr Haus verkaufen wollen, steigt. Das ist die Beobachtung mehrerer Makler, mit denen unsere Zeitung zur aktuellen Lage gesprochen hat. Wer sich schon länger überlegt habe, zu verkaufen, der habe sich in den zurückliegenden Monaten entschlossen, das jetzt schnell zu tun – um noch einen entsprechenden Preis erzielen zu können, wie beispielsweise der Stuttgarter Makler Christian Bubeck berichtet. Vor allem bei Älteren erkenne er „Zukunftsängste“, wie er sagt. „Weil sie denken, dass man bald nichts mehr dafür kriegen könnte.“ Bubeck sagt aber auch: „Ein Panikverkauf ergibt nicht immer Sinn.“ Ein ähnliches Bild zeichnet Jürgen Schönleber aus Stuttgart-Vaihingen. „Immobilien, die total überteuert sind, nehmen wir gar nicht mehr an.“ Die Leute würden sagen, auf Immobilien-Plattformen im Internet stünden preislich vergleichbare Angebote. Er antworte dann: „Kann schon sein, aber sie sind nicht verkauft.“
Und wie sieht es bei der Nachfrage aus? Andreas Eurich, Makler aus Stuttgart-Möhringen, sieht für Stuttgart „immer eine gute Nachfrage“. Und auch Frank Schwager aus Leinfelden-Echterdingen stellt klar, die Nachfrage übersteige das Angebot „bei Weitem“. Man könne sich Interessenten danach aussuchen, wer am schnellsten zahlt. Gleichzeitig berichten Makler, dass die Nachfrage in den aktuellen Krisenzeiten verhaltener sei. Gründe dafür gibt es mehrere. Zum einen seien die Zinsen stark gestiegen. Laut Jürgen Schönleber gebe es immer wieder Interessenten, die sich im März eine Finanzierung haben ausrechnen lassen und im Mai wieder angesprungen seien – weil die Monatsrate beispielsweise von 1500 Euro auf 2100 Euro oder mehr angewachsen sei. Hinzu kommt, dass viele Leute in der Krise ihr Geld zusammenhalten. Das alles führe dazu, dass Angebote länger auf dem Markt seien. Auch, weil die Interessenten wählerischer sind, was das Thema Energie angeht.
Wie wichtig ist die verbaute Heizung? Besonders das Heizen ist durch die Gasknappheit in den Fokus gerückt. Wer sich derzeit nach einer Eigentumsimmobilie umtut, schaut bei diesem Thema um einiges genauer hin. „Die Leute bilden sich mehr“, sagt Christian Bubeck. „Das war meiner Meinung nach auch an der Zeit.“ Sein Kollege Andreas Eurich aus Möhringen meint, dass aber auch viel Halbwissen unterwegs sei. Jürgen Schönleber aus Stuttgart-Vaihingen erzählt, dass Heizöl seiner Beobachtung nach wieder beliebter werde – zumindest beliebter als Gas. Wenn in einem Haus vor ein paar Jahren von Öl auf Gas umgestellt worden sei, fragten die Besichtiger nun auch mal, ob der alte Heizkessel noch da sei und reaktiviert werden könnte.
Sind Altbauwohnungen noch beliebt? Altbauwohnungen, wie es sie in der Stuttgarter Innenstadt gibt, haben ihre Liebhaber. Hohe Decken, große Räume – Vorteile, die nun in der Krise als Nachteile interpretiert werden könnten. Denn Wärme steigt nach oben, „das heißt, es braucht viel mehr an Energie, um es unten auf dem Sofa bequem zu haben“, sagt Jürgen Schönleber. Dass der energetische Zustand von Altbauwohnungen meist nicht den neuesten Standards entspricht, schrecke viele ab, sagt Christian Bubeck. Zumal in Stuttgart, wo der Gemeinderat sich jüngst festgelegt hat, dass die Stadt bereits 2035 und damit 15 Jahre früher klimaneutral werden soll. Die Leute fragten sich, welche Vorgaben da in naher Zukunft auf sie zukommen könnten, berichtet Bubeck. Andreas Eurich, der ebenfalls Altbauwohnungen in der Stuttgarter City im Portfolio hat, sagt indes: „Die Leute sind nicht sonderlich schleckig.“ Der Mangel an Kaufimmobilien sei schlicht zu groß.
Sind Dachwohnungen Käufern zu heiß? Mal abgesehen von der Heizungsfrage hat das Jahr 2022 ins allgemeine Bewusstsein gerufen, dass die Sommer mutmaßlich eher heißer als kälter werden. Bricht die Nachfrage nach Dachwohnungen, in denen es bei anhaltend hohen Temperaturen selbst nachts schwer auszuhalten ist, deshalb ein? Die Makler haben hier unterschiedliche Perspektiven. Andreas Eurich nennt sich selbst Dachwohnungsfan. Ein schwindendes Interesse könne er nicht bestätigen. Frank Schwager aus Leinfelden-Echterdingen sagt, am Dachgeschoss scheiden sich schon immer die Geister. Er erlebe bei älteren Leuten, dass sie – Aufzug vorausgesetzt – gern unters Dach ziehen, „weil sie niemanden mehr über sich haben wollen“. Und damit kein Getrampel.
Dann wiederum gebe es Menschen, die könnten es nicht leiden, wenn Regentropfen aufs Dachfenster prasseln oder wenn der Lieblingsschrank nicht unter die Schräge passt. Aber auch die heißer werdenden Sommer würden zunehmend zum Thema, wenn er mit Interessenten unterm Dach stehe, sagt Schwager. „Das wird immer wichtiger“, sagt auch Christian Bubeck aus Stuttgart. Am beliebtesten seien Mittelgeschosse, denn im Erdgeschoss fürchten sich manche vor Einbrechern. Dafür habe man hier vielleicht einen Garten.