Wohnen in Baden-Württemberg Fellbach ist fast so teuer wie München

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Bei der Miete zählt die Stadt unterm Kappelberg zu den 20 teuersten Kommunen der Republik. Pro Quadratmeter Wohnfläche wird laut einer bundesweiten Auswertung mehr bezahlt als in Esslingen, Leonberg oder am Bodensee in Konstanz.

Fellbach ist vielleicht nicht Manhattan – aber beim Mietpreis unter den 20 teuersten Kommunen der Republik.Foto: Patricia Sigerist Foto:  
Fellbach ist vielleicht nicht Manhattan – aber beim Mietpreis unter den 20 teuersten Kommunen der Republik.Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Wer in Brandenburg oder Niedersachsen nach einer Wohnung sucht, muss durchaus Geld auf den Tisch legen. 4,64 Euro werden im nordrhein-westfälischen Warstein beispielsweise pro Quadratmeter durchschnittlich als Kaltmiete verlangt. In der Region Stuttgart können Mieter von einem derartigen Preisniveau allerdings nur träumen.

Durchschnittsmiete von 8,65 Euro

In Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen werden pro Quadratmeter 9,96 Euro aufgerufen, in Ditzingen und Ludwigsburg kostet die Kaltmiete jeweils 8,86 Euro. Nur knapp dahinter folgt in der bundesweiten Kosten-Rangliste die Stadt Fellbach – und liegt mit einer Durchschnittsmiete von 8,65 Euro sogar noch vor Esslingen und Leonberg mit jeweils 8,51 Euro. Das einst mietpreismäßig weit enteilte München liegt mit seinen durchschnittlich 10,45 Euro pro Quadratmeter gar nicht mehr so weit vorn – auch wenn die bayrische Landeshauptstadt nach wie vor der Spitzenreiter bei der Miete bleibt.

Dass das Wohnen gerade im Süden der Republik eine herbe Lücke in der Haushaltskasse hinterlässt, ist an sich keine große Neuigkeit. Jetzt aber wird durch eine aktuelle Auswertung bestätigt, dass es sich bei den Mietpreistreibern keineswegs nur um Neubauwohnungen handelt, sondern auch vor Jahrzehnten errichtete Appartements kräftig zu Buche schlagen. „Im Land Baden-Württemberg sind die Bestandsmieten in den vergangenen fünf Jahren besonders stark gestiegen“, tickerten die Nachrichtenagenturen am Freitag.

Auslöser der bundesweiten Untersuchung war ein Auftrag der Linken-Fraktion im Bundestag

Tatsächlich liegen von den 20 teuersten Städten der Republik gleich neun im Südwesten – neben den bereits erwähnten Kommunen sind das noch das am Rande des Speckgürtels liegende Tübingen mit 9,48 Euro und Konstanz mit 8,51 Euro. Auch das ist deutlich mehr als die im bundesweiten Durchschnitt verlangten 6,92 Euro je Quadratmeter. Auslöser der bundesweiten Untersuchung war ein Auftrag der Linken-Fraktion im Bundestag. Der Stadtforscher und ehemalige Berliner Staatssekretär Andrej Holm verglich bei der Auswertung die Mieten in über 300 deutschen Städten – und kommt zu dem Schluss, dass die Politik fürs Problem des Wohnungsmangels trotz aller Beteuerungen keine Lösung hat.

Im Juli soll der Mietspiegel den Stadträten vorgelegt werden

Im Gegenteil: Den gesetzlichen Vorgaben wird ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. „Die Einführung der Mietpreisbremse hatte keinen messbaren Effekt auf die Entwicklung“, heißt es im Fazit der Untersuchung. Allein in Stuttgart sind die Preise für die Kaltmiete seit 2014 um mehr als 20 Prozent gestiegen, im bei der Miete mit Fellbach vergleich-baren Ludwigsburg müssen pro Quadratmeter 1,34 Euro mehr bezahlt werden als vor fünf Jahren. Bemerkenswert aus Sicht von Fellbacher Mietern ist, dass es für die Stadt unterm Kappelberg noch gar keinen qualifizierten Mietspiegel gibt. Das Rathaus lässt im Schulterschluss mit Winnenden, Leutenbach und Kernen erst jetzt eine auf einer halbwegs nachvollziehbaren Datenbasis beruhende Richtschnur für die Preise auf dem Wohnungsmarkt erarbeiten. Im November hatte die Stadt die für die Erfassung nötigen Fragebögen verschicken lassen. Im Juli soll der Mietspiegel den Stadträten vorgelegt werden.

Bisher hatte es sich Fellbach vergleichsweise einfach gemacht: Bei der Berechnung der ortsüblichen Durchschnittsmiete orientierte sich die Stadt an den Stuttgarter Mietpreisen – und zog vereinfacht gesagt einen „Fellbach-Faktor“ ab. In Kernen wurde ähnlich verfahren, auch die Amtsgerichte griffen bei Streitigkeiten um die Miethöhe in aller Regel auf diese Daten zurück. Im Juli wird sich nun zeigen, ob die theoretisch ermittelten Mietpreise auch halbwegs der Wirklichkeit entsprechen – und ob Fellbach in der Rangliste der teuersten Städte sogar noch weiter nach oben schießt.