Wohnen in Stuttgart Eine Familie zeigt ihr charmantes Haus mit Kinder-Lounge
Vorher-Nachher: Wie aus einer verschachtelten alten Villa auf der Stuttgarter Halbhöhe ein behagliches Wohnhaus mit offener Atmosphäre für eine fünfköpfige Familie wird.
Vorher-Nachher: Wie aus einer verschachtelten alten Villa auf der Stuttgarter Halbhöhe ein behagliches Wohnhaus mit offener Atmosphäre für eine fünfköpfige Familie wird.
Ganz klar: Eine Rutsche! Das war der Wunsch der drei Kinder für die neu gestaltete Kinder-Lounge in einer alten Villa auf der Stuttgarter Halbhöhe. Sie führt nun zwar nicht entlang der Treppe vom Obergeschoss hinunter in den Wohnbereich, aber immerhin – eine kleine Holzrutsche, maßgeschneidert eingepasst zwischen weich gepolsterte Sitz-und-Spiel-Treppenstufen direkt neben dem Eingang, haben sie bekommen.
Es rutscht sich super, wie der jüngste Sohn der Bauherrenfamilie mit Spitznamen Chilly bereitwillig demonstriert. Dann klettert er mit einem Bilderbuch die Stufen hinauf und zeigt: Ein extrabreiter, abgerundeter Fenstersims bietet außerdem Platz, um zu lesen oder einfach nur aus dem Fenster zu schauen.
Einen sonst womöglich nur als Garderobe genutzten Zwischenraum in einen Spielort zu verwandeln, dazu ist Kinder- und Innenarchitekturfantasie nötig. Die Garderobe findet nun dezent als Einbauschrank im Windfang Platz.
Innenarchitekt Alexander Fehre hatte auch noch andere, etwas ungewöhnliche Wohnwünsche zu beachten. „Ich frage zunächst immer, wie die Familie lebt, wie ihr Tagesablauf ist“, sagt Fehre. Und es stellte sich heraus, die Familie kocht gern und sitzt oft länger beim Essen zusammen, ein Wohnzimmer mit Couch und Schrankwand würde definitiv kaum genutzt.
Also wurde das aus dem Jahr 1911 stammende Haus auf der Gänsheide ohne klassisches Wohnzimmer umgebaut. Das schafft Luft. Eine Glaswand trennt jetzt das großzügige Entree von dem Wohnbereich.
Ein langer hölzerner Esstisch mit bequemen Esstischstühlen und einem zierlichen Leuchtenensemble wirkt wohnlich. Helle Eichenholz-Einbauschränke haben eine Art Sitzbucht mit Kissen und integrierte Ladestation fürs Smartphone. Sie bieten zugleich jede Menge Stauraum.
Die Bauherrin, eine Ärztin, ist beruflich stark engagiert, und sagt: „Das ist ein Segen. Ich liebe es, dass die Dinge schnell verstaut werden können und nicht alles herumliegt. Diese ruhige Atmosphäre hat eine sehr entspannende Wirkung auf uns alle.“ Die Einbauten im Haus sind aus Holz, kombiniert mit ruhigen kühlen Blautönen. „Alexander Fehre hat tolle Lösungen für unsere Wünsche gefunden“, sagt der Bauherr, „und auch die Handwerker waren großartig“, sagt die Bauherrin.
Die Herren aus Südtirol seien zum Glück sehr kinderfreundlich gewesen, die Familie wohnte nämlich während des mehrmonatigen Umbaus bereits im Haus und für die Kinder sei die Baustelle wie ein Spielplatz gewesen. Gut haben sie gearbeitet und mit Liebe zum Detail, schöne Griffe finden sich auch in dem an die Küche angrenzenden Büroraum, den Schiebetüren und Schränken.
Durchdacht ist auch der Durchguck mit Glas in einem Einbauschrank zwischen der Diele und der Küche, damit man auch von dort sehen kann, wer kommt. Fehre: „Die Bauherren haben sich offenes Wohnen gewünscht, daher haben wir nur alle statisch relevanten Wände belassen und die anderen durch Raummöbel versteckt, die zugleich als Schrank und Trennwand fungieren.“
Runde Formen bei den Einbauten tauchen in der an den Essbereich anschließenden Lounge-Ecke auf. Der große offene Kamin erwies sich als unpraktisch und musste zugunsten des Stauraums für Spiele weichen – in der Ecke findet sich nun Platz für einen schmalen Gusseisenkamin.
Hier findet sich zudem eine Art Multi-Media-Zauberkabinett. Oberhalb der gepolsterten Sitznische im Fensterbereich und in den Einbauten sind technische Gerätschaften versteckt, so taucht auf Knopfdruck in Windeseile eine Leinwand auf, Filme und Serien können hier angeschaut werden.
Gut auch, dass die Wände Ohren haben. So können die Bewohner die Künstliche Intelligenz namens Alexa ansprechen und sich Songs vorspielen lassen. „Und wir lassen uns von Alexa Hörspiele vorlesen“, sagt ältere Tochter Ella. Der eingebaute Surround-Sound mitsamt KI-Alexa-Sprachsoftware macht es möglich. Meistens aber, so erklärt Ella, sitze man hier lesend oder spielend.
Im Sommer wird draußen gelesen, statt eines Fensters mit Gartenblick lockt nun eine breite Terrassentür ins Freie. Der kleine Brunnen mit den alten kleinen Steinfröschen am Rand wurde übernommen – mit neuer Kindersicherung.
Die Familie hatte zuvor in einer Wohnung im Stuttgarter Süden gewohnt; viele, viele Stufen, das ist mit Kindern nicht praktisch. „Die Wohngemeinschaft war allerdings großartig, mein Mann hat auch manchmal Hoffeste organisiert, wir haben Kollegen zum Feiern eingeladen und hatten oft auch Nachbarn auf einen Tee zu Besuch“, berichtet die Bauherrin.
Die Küche ist weiterhin ein wichtiger Ort für die Familie. Alles sollte ergonomisch sinnvoll, kinderfreundlich und hochfunktional angeordnet sein bei der Küchengestaltung. Die Gerätschaften sind schnell zur Hand und wieder verstaubar. An der Kücheninsel mit schön gemasertem Caesar Brown Marmor wird gekocht, ein geselliger Platz mit seitlich angeordneten Sitzgelegenheiten ist ebenfalls ein beliebter Ort im Haus.
Der Bauherr zeigt, wie die Küchenmaschine in einer hölzernen Einbaunische verschwindet, Sohn Elias demonstriert, wie kochend heißes Wasser aus dem Wasserhahn schnelle Teebereitung ermöglicht. Die Bauherrin – „ich bin Engländerin, bei uns gibt es immer Tee“ –, sagt, sie habe auch die neue Nachbarschaft eingeladen, es seien allerdings bisher noch nicht allzu viele Besucher gekommen.
Dass die Familie hier den Zuschlag bekommen hatte, war vor allem dem Temperament der Bauherrin zu danken. Sie berichtet, wie sie hochschwanger zu einer Hausbesichtigung gegangen sei und der Makler noch während des Rundgangs ob der vielen Interessenten den Preis mächtig erhöht habe.
Mit einem Wutanfall über dieses Gebaren habe sie sich verabschiedet. Ein anderer Interessent habe sie daraufhin angesprochen. „Er sagte: ,ich glaube, ich hätte etwas für Sie’.“ Er kannte die Besitzer eines Hauses, sie wollten eben nur an eine Familie mit Kindern verkaufen. „Ich dachte, das ist ja ganz schön weit draußen, als ich aber meiner Bekannten die Adresse nannte, wollte sie es kaum glauben und sagte:,Das müsst ihr nehmen!’“
Die Bauherrin kommt aus London, ist das trubelige Leben in einer Großstadt gewöhnt, ein reines Wohngebiet auf der Halbhöhe – Traumgegend für viele Stuttgarter – schien ihr schon fast vorstädtisch, wie sie mit einem Lachen berichtet. „Das Haus konnten wir auch nur kaufen, weil die Besitzer nicht auf dem geforderten Preis beharrt haben, sondern uns entgegengekommen sind. Ich weiß, dass es ein großes Privileg ist, in so einem Haus zu wohnen.“
Deshalb auch sind immer wieder junge Gäste, Stipendiaten zum Beispiel, zu Gast in ihrem Haus. Andere Besitzer haben offenbar andere Prioritäten, in der Gegend residieren oft ältere einzelne Herrschaften, viele Kanzleien und andere Büros. Immerhin, mit einem älteren Nachbarn zur Rückseite hin, wo es auch Obstbäume gibt, haben sie schon Bekanntschaft geschlossen und bringen heiteres Leben in die ehrwürdige Gegend.