Wohnungen fehlen in Ludwigsburg Was ist beim Hausbau noch möglich?

Bauen im Bestand: In Kornwestheim werden Häuser aufgestockt. Foto: factum

Im Kampf gegen die Wohnungsnot geht Ludwigsburg neue Wege. Wie lange hat die Stadt Zeit dazu?

Ludwigsburg - Die bundesdeutsche Verfassung schützt zwar den Wohnraum, sie sichert aber keinen Rechtsanspruch auf Wohnraum zu. Das bekommen immer mehr Bürger schmerzlich zu spüren. Der Immobilienboom hatte die Kaufpreise und Mieten derart in die Höhe getrieben, dass auch gut verdienende Menschen nichts mehr finden. Die von der Wohnungsbau GmbH Ludwigsburg (WBL) geführte Warteliste für Wohnungssuchende wird immer länger. Seit 2020 geht Ludwigsburg das Problem grundsätzlicher an. Die Stadt versucht, den Ist-Zustand zu klären und dann die Weichen für einen möglichen Neu- oder Umbau von Wohnraum zu stellen. Dabei sollen jedoch auch die Belange der Klimaschutzes berücksichtigt werden.

 

Nachdem die Zahl der Einwohner mehrere Jahre hintereinander rapide angestiegen war, ist dieser Trend seit 2018 wieder rückläufig: die Ludwigsburger Bevölkerung schrumpft. Bei der Ursachenforschung sind sich alle einig: Die Unternehmen expandieren und stellen mehr Personal ein, aber in Ludwigsburg fehlt es schlicht an Wohnraum. Die potenziellen Neubürger ziehen deshalb samt Familie ins Umland – meist jenseits der Kreisgrenze –, pendeln ein und verlängern damit den täglichen Stau.

Bauland oder Grüne Oase?

Seit der Aufsiedelung von großen Arealen wie der Hartenecker Höhe und den Neckarterrassen in Neckarweihingen konnte die Stadt nicht mehr viel anbieten. Dazu habe Ludwigsburg von einem „Geschenk“ profitiert, meint Sonja Thüry, eine von drei Mitarbeiterinnen in der städtischen Geschäftsstelle Wohnen: „Mit dem Abzug des Militärs waren uns Konversionsflächen in die Hände gefallen, die wir bebauen und entwickeln konnten.“

Doch damit ist Schluss. Ebenso wie mit der ungehemmten Bebauung der Markung im Außenbereich. Aktuell wird zwar noch in Grünbühl (420 Wohnungen) und im Gebiet Schauinsland (174 Wohnungen) gebaut und eine große Siedlung am Fuchshof geplant (hier könnten 530 Wohneinheiten entstehen), aber danach kommt nicht mehr viel. Denn die Flächen sind endlich – und der Wunsch nach noch mehr Wohnungen kollidiert immer häufiger mit dem Wunsch nach Grün.

Stadt setzt auf Nachverdichtung

Sei es zum Schutz des städtischen Binnenklimas in immer heißer werdenden Sommern oder zum Erhalt kleiner Rückzugsorte: „Corona hat uns gelehrt, dass die Grünbereiche wichtiger für die Naherholung geworden sind“, sagt Thüry. Die Frage laute jetzt: Wie viel wollen wir in Ludwigsburg noch bauen?

Außer den bereits bekannten möglichen Baugebieten, habe die Stadt noch drei weitere Flächen für eine Bebauung reserviert. Namen und Lage wurden bisher verschwiegen, weil noch nicht klar ist, ob sie überhaupt auf der Liste bleiben können: „Es muss entschieden werden, welche davon wir auch tatsächlich angehen wollen“, sagt Thüry.

Auf all diese Fragen müssen Verwaltung und Gemeinderat möglichst bald Antworten finden. Doch bisher fehlt dafür eine aussagekräftige Grundlage. „Der Flächennutzungsplan ist so alt, der bildet nicht die Realität ab“, sagt Kristina Breuninger. Eine Sonderrolle in der Wohnbaupolitik werde die Nachverdichtung spielen, meint Hanka Weikert. „Und da hat bisher noch keiner so genau hingeguckt.“

Gemeinsame Suche nach Freiflächen

Neben einer Strategie zur Dachaufstockung, einer Stellplatzsatzung für Bestandsgebiete, eines Baulückenkatasters sowie einer Analyse, in der die Chancen für Aufstockungen auf Supermärkten oder Kitas ausgelotet werden, steht auch die Suche nach Potenzialflächen zum Bauen in der Stadtmitte oder den Vororten auf einer langen Maßnahmenliste, die der Gemeinderat 2020 beschlossen hat. Vor allem mit der Suche nach möglichen Baufeldern im Stadtgebiet sind die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle Wohnen augenblicklich beschäftigt. Wo gibt es ungenutzte Flächen für den Bau von Häusern? Wo kann man noch in die Höhe gehen?

Der Aufwand ist groß, ebenso der Zeitdruck. Das Team soll möglichst bald Ergebnisse liefern. „Wir warten deshalb nicht, bis alle Teilbereiche in der Stadt analysiert sind“, sagt Kristina Breuninger. Stattdessen würden die Flächen vorgezogen, die aussichtsreich erscheinen. Für diese Untersuchung arbeitet die Geschäftsstelle Wohnen eng mit den entsprechenden Abteilungen im Rathaus zusammen. „Wir können auf das Know-how aus den Fachbereichen zurückgreifen“, sagt Thüry. Sobald Ergebnisse für eine Fläche in Poppenweiler oder in der Oststadt vorlägen, könne darüber im Gemeinderat entschieden werden.

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