Wohnungsbau in Baden-Württemberg Gemeinnützige Wohnungsbauer warnen vor Aktionismus
Was kann den Wohnungsbau retten? Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbauer haben da ihre eigenen Ideen.
Was kann den Wohnungsbau retten? Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbauer haben da ihre eigenen Ideen.
Weniger politischer Aktionismus, sondern langfristiges Umdenken – das haben die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsgesellschaften in Baden-Württemberg gefordert. Sie setzen damit durchaus andere Akzente als der Rest der Branche. Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (Vbw), in dem 276 kommunale und genossenschaftlich organisierte Wohnungsgesellschaften zusammengeschlossen sind, beteiligt sich deshalb am Freitag nicht an einem großen Aktionstag, zu dem die Baubranche in Baden-Württemberg und insgesamt 16 Verbände samt Baugewerkschaft und Mieterbund aufgerufen haben.
Der Vbw verlangt mehr Verlässlichkeit und Kontinuität bei der staatlichen Förderung, weniger Bürokratie, eine kommunale Planungs- und Grundstückspolitik, die mehr als bisher bezahlbare Preise im Blick habe sowie realistischere Ansprüche an die Wohnstandards. „Wir haben viel Verständnis, dass andere Unternehmen zurzeit die öffentliche Aufmerksamkeit suchen“, sagt der Verbandspräsident Peter Bresinski. Aber es gehe nicht nur um staatliches Geld.
Denn nicht alle neuen Programme, welche die Politik unter dem Druck der Krise plane, seien wirklich effektiv. So sei es zweifelhaft, ob die in Baden-Württemberg geplante Fertigstellungsprämie von 6000 Euro je Wohnung, sofern eine Mindestquote von Sozialwohnungen dabei sei, tatsächlich zu zusätzlichen Wohnungen führen werde. Zurzeit greife die private Wohnungswirtschaft, die in den vergangenen Jahren wenig Interesse an Programmen mit vorgeschriebenen, bezahlbaren Wohnungen gezeigt habe, viele Fördermittel ab. „Das wird ja von der Politik als großer Erfolg verkauft“, sagt der Vbw-Präsident.
Doch weil dies nicht dazu verpflichte, sofort zu bauen, seien dann diese Mittel erst einmal gebunden, ohne dass deshalb rasch Wohnungen entstünden. „Unternehmen, die schneller bauen könnten, gehen dann leer aus,“ sagt Bresinski. Im Rahmen dieser Förderung verlangte Bindungsfristen von nur zehn Jahren für Sozialwohnungen, seien zudem zu kurz, sagt Vbw-Verbandsdirektorin Iris Beuerle.
Die kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen wollen nicht mit den rein privatwirtschaftlichen Unternehmen in einen Topf geworfen werden, die in den Boomjahren gut verdient hätten. „Die sind in diesen Jahren auch zu hohen Kosten Wohnungen losgeworden – unsere Mitgliedsunternehmen haben sich immer auf das bezahlbare Segment fokussiert“, sagt Beuerle. Insgesamt sei man krisenfest, heißt es beim Verband. Aber man könne unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht so viel bauen wie nötig. Zwei Drittel der Unternehmen im Verband wollen dieses Jahr keine neuen Wohnungen bauen. Zurzeit liegen 4000 Projekte auf Eis – fast so viel wie im ganzen Jahr 2023 fertiggestellt wurden. „Wir haben im übrigen schon den Eindruck, dass wir in der Politik mit diesen Fragen Gehör finden“, sagte sie. „Unsere Unternehmen halten es aus, wenn einmal ein oder zwei Jahre nicht so viel gebaut wird“, sagte ihr Verbandskollege Bresinski: „Wir müssen deshalb auch nicht so auf die Pauke hauen“. Insgesamt habe Baden-Württemberg aber im Vergleich zu anderen Bundesländern beim bezahlbaren Wohnraum Nachholbedarf. Der Marktanteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus sei niedriger als anderswo.
Um die Wohnungskrise mittel- und langfristig zu lösen, brauche es insgesamt ein Umdenken bei Bürgern und Kommunen. Die Ansprüche an den Wohnraum, etwa an die Wohnungsgröße, seien beispielsweise in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Rein rechnerisch gebe es mit 45 Quadratmetern pro Kopf genügend Wohnfläche, sie sei nur auch äußerst ungleich verteilt, sagt Bresinski. „Vor einigen Jahren hat man sich zu zweit eine Wohnung mit achtzig Quadratmetern leisten können – jetzt sind es vielleicht noch sechzig.“
Auch im Land planten die Kommunen manchmal immer noch nach zu ehrgeizigen Standards, etwa bei den Wohnungszuschnitten. „Die Kommunen haben es in der Hand, ob bei ihnen gebaut wird“, sagt der Vbw-Präsident. Zudem gebe es von den Bürgern weiterhin große Widerstände, wenn neue Flächen ausgewiesen werden sollten.