Wohnungsbau in Plochingen Tiefgaragenzufahrt neben Schlafzimmern bleibt
Ein umstrittenes Bauprojekt in Plochingen wird auch nach dem Richtfest weitergebaut. Das Verwaltungsgericht lehnt die Klage von Anwohnern ab.
Ein umstrittenes Bauprojekt in Plochingen wird auch nach dem Richtfest weitergebaut. Das Verwaltungsgericht lehnt die Klage von Anwohnern ab.
Vier Mal ließ sich Zimmermann Bernd Haas einschenken, bis er den Richtspruch fertig ausgebracht hatte und das Glas zerschmetterte. Schließlich hatte das Bauprojekt auf dem sogenannten „Brühlareal“ einige Hürden zu überwinden und ist jetzt trotzdem im Zeitplan. Weniger fröhlich sind die Anwohner, denen ein entscheidender Aspekt des Bauprojekts gar nicht passt: Die Zufahrt zur Tiefgarage führt direkt an ihren Schlafzimmern vorbei. Und das ist noch nicht alles, was ihnen missfällt.
20 Wohnungen, eine Arztpraxis und eine Tiefgarage umfassen die beiden Neubauten. Das sind die Eckdaten fürs künftige Brühlareal in Plochingen. Die Stadt hat dafür an dieser Stelle, zwischen Esslinger-, Brühl- und Bergstraße, drei leerstehende Gebäude abgebrochen. Bei den Anwohnern rief das Vorhaben Unmut und Proteste hervor, die sich vor allem an der Zufahrt zur Tiefgarage festmachten. Sie verläuft unterhalb der neuen Gebäude und taucht dann im 90-Grad-Winkel ab – ausgerechnet an den Schlafzimmerfenstern aller Nachbarn vorbei. Auch die fünf oberirdischen Parkplätze auf dem Gelände stießen auf Kritik, weil es den Anwohnern zuvor verwehrt worden sei, eigene Stellplätze anzulegen. Zudem sei die Sackgasse, über die man einfährt, zu eng dafür.
Doch die Stadt hielt an dem Projekt fest. Sie erteilte mehrere Befreiungen vom Bebauungsplan. Befreiungen sind Abweichungen im Detail vom existierenden Bebauungsplan, der bestimmten Besonderheiten des Bauvorhabens nicht immer gerecht werden kann. Die Baurechtsbehörde beim Landratsamt erteilte die entsprechende Genehmigung. Der Antrag auf Baustopp, den einige Anwohner anstrengten, sei auch in zweiter Instanz vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim abgewiesen worden, so Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling.
„Wenn alles fertig ist, hoffe ich, dass auch die Nachbarn und Anlieger irgendwann ihren Frieden mit diesem Projekt machen können“, sagte Bürgermeister Frank Buß beim Richtfest. Er sehe hier „ein Beispiel für maßvolle Innenverdichtung“. Tatsächlich bleibt auf dem knapp 1400 Quadratmeter großen Grundstück auch Platz für Begrünung, zum Beispiel neben der Sackgasse und den Parkplätzen. Es wird außerdem ein kleiner Spielplatz angelegt, der über einen gepflasterten Weg zwischen den beiden Gebäuden zu erreichen ist. Die Höhe der Häuser – drei Geschosse plus Satteldach – korrespondiert durchaus mit der von anderen rundum, es gibt allerdings auch niedrigere Gebäude in diesem durchmischten Bereich der Innenstadt.
Bauherrin des Projektes ist die Stadtbau Plochingen, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, die extra für diesen Zweck gegründet wurde, aber in Zukunft noch weitere Vorhaben umsetzen dürfte. Die Wohnungen sollen vermietet werden, ein größerer Teil davon mit bezuschussten Mieten und damit auch erschwinglich für Mieter mit weniger hohem Einkommen. Für die Arztpraxis im Erdgeschoss hatte die Stadt einen Interessenten, der allerdings wieder abgesprungen ist. Deshalb läuft die Suche weiter.
Der Bau an sich brachte durchaus Herausforderungen, vor allem im Innenbereich des kleinen Quartiers. Ein großer Kran steht fest installiert zwischen den beiden Gebäuden, weshalb die Übergänge zwischen ihnen im ersten und zweiten Stock bisher nur teilweise betoniert werden konnten. Die Lücken müssen nach dem Abbau des Krans geschlossen werden. Dennoch ist die Baustelle im Zeitplan, im Frühjahr soll alles fertig sein.