InterviewWohnungsbau in Stuttgart „Jeder von uns will immer mehr Wohnfläche“

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Bei den Birkachern schrillen die Alarmglocken bei diesem Thema: Das freie Feld im Westen des Stuttgarter Bezirks kommt im Zusammenhang mit Wohnbau ins Gespräch. Warum dies immer wieder passiert, erklärt der Baubürgermeister Peter Pätzold.

Immer wieder kam und kommt das Gespräch auf die Bebauung des Birkacher Felds. Das Foto zeigt eine protestierende Menschenkette im Jahr 1992. Foto: privat
Immer wieder kam und kommt das Gespräch auf die Bebauung des Birkacher Felds. Das Foto zeigt eine protestierende Menschenkette im Jahr 1992. Foto: privat

Birkach - Es mangelt an Wohnraum in Stuttgart, und es ist unklar, ob das Problem allein mit Nachverdichtung zu lösen ist. Deshalb werfen die Stadträte immer wieder auch einen Blick auf Freiflächen am Stadtrand – unter anderem auf das Birkacher Feld. Das Thema ist vor Ort ein heißes Eisen. Stuttgarts Baubürgermeister Peter Pätzold äußert sich im Interview dazu.

Herr Pätzold, wann waren Sie das letzte Mal auf dem Birkacher Feld spazieren?

Die Frage muss eher heißen: Wann bin ich das letzte Mal mit dem Fahrrad übers Birkacher Feld gefahren. Das muss im vergangenen Jahr gewesen sein.

Das heißt, das ist privat nicht unbedingt Ihre Ecke?

Ich bin viel in Stuttgart unterwegs, aber da ich in der Innenstadt wohne, ist es für mich nicht die nächste Ecke. Ich bin aber immer mal wieder auf den Fildern. Heißt: Ich kenne das Birkacher Feld, und ich kenne auch die Umgebung.

Beim Schlagwort „Bebauung Birkacher Feld“ schrillen bei vielen vor Ort die Alarmglocken.

Das kann ich verstehen, weil es natürlich eine wertvolle landwirtschaftliche Freifläche ist. Sie ist aber auch für die Naherholung und das Stadtklima wichtig.

Und trotzdem landet das Feld immer wieder auf einschlägigen Baulisten?

Die Diskussionen zum Thema Wohnungsbau sind ja nichts Neues, die führen wir seit vielen Jahren. Und immer wieder wird dann auch über die großen Flächen im Außenbereich gesprochen. Das ist nicht nur das Birkacher Feld, sondern zum Beispiel auch der Viesenhäuser Hof. Da sich das Stadtgebiet nicht ändert, werden in der Diskussion zum Wohnungsbau immer die gleichen Flächen zur Diskussion gestellt.

Auf einer Skala von eins bis zehn, wie wahrscheinlich ist eine Bebauung des Birkacher Felds Ihrer Meinung nach?

Das kann ich nicht sagen, weil nicht die Stadt sondern der Gemeinderat darüber entscheidet. Wir haben als Stadtverwaltung einen Vorschlag gemacht und dargestellt, welche Flächen es gibt, die man schon andiskutiert hat und die man als Außenentwicklung bezeichnen kann. Da tauchen die üblichen Verdächtigen auf. Das ist aber keine Entscheidung, ob dort gebaut wird oder nicht. Die Entscheidung liegt am Ende beim Gemeinderat.

Sehen Sie denn auf der Filderebene, im Vergleich zur restlichen Stadt, die meisten Erweiterungspotenziale?

Nein. Im Grunde geht es um die Betrachtung vorhandener Freiflächen, weil man die als Potenziale annimmt. Es gibt daher auch im Bereich Mühlhausen einen großen Bereich. Auf den Fildern sind das die Flächen der Landwirtschaft, da dies dort die großen Freiflächen sind. Und die größten landwirtschaftlich zusammenhängenden Flächen befinden sich auf den Fildern. Man muss sich aber schon überlegen, wie man damit umgeht in Zeiten des Klimawandels. Die Äcker werden immer trockener, der Ertrag pro Hektar sinkt. Ist es da schlau, landwirtschaftliche Flächen zusätzlich zu versiegeln?

Die Stadtbezirke auf der Filderebene sind ja teils recht überaltert. Wird da mittelfristig nicht viel Wohnraum frei?

Wir versuchen ja, ältere Menschen von kleineren Wohnungen oder betreutem Wohnen zu überzeugen. Dafür müssen wir dann aber auch die entsprechenden Angebote schaffen. Wir haben einen starken Druck in Stuttgart. Das liegt daran, dass die Preise stark gestiegen sind, und daran, dass jeder von uns immer mehr Wohnfläche will. Mitte der 60er Jahre lag der Durchschnitt bei 25 Quadratmeter pro Person, jetzt sind wir ungefähr bei 39 Quadratmetern. Unser Ziel ist es, dass wir im Innenbereich Flächen und Wohnungen schaffen. Aber das Beispiel Ehrlichweg im Fasanenhof zeigt, dass auch Nachverdichtung nicht immer auf Zustimmung trifft.

Jetzt gibt es den Vorschlag von der Lokalen Agenda in Plieningen/Birkach, dass man einen vierten Asemwald-Block bauen könnte, falls die Amerikaner weggehen. Ist das ein Luftschloss?

Das weiß ich nicht, das schauen wir uns mal an. Und wie es mit der Fläche der Amerikaner weitergeht, weiß keiner von uns, ich möchte darüber nicht spekulieren. Ich würde lieber darauf setzen, dass wir das, was wir schon haben, umsetzen, und da gibt es große Flächen wie die Böckinger Straße in Rot, aber auch das Thema Rosenstein. Die Flächen von Stuttgart 21 hat die Stadt auch mit dem Argument gekauft: Wir steigen nicht in die Außenentwicklung ein. Mein Ziel ist es, zügig in die Besiedlung des Rosensteins zu gehen, weil der zentral in der Stadt liegt, gut erschlossen ist und der Stadt gehört.

Trotzdem noch mal kurz zurück zum Asemwald. Die Wohnstadt steht unter Denkmalschutz. Ist eine Erweiterung da überhaupt denkbar?

Das werden wir prüfen. Wir haben eine Anfrage bekommen und werden uns das anschauen. Man müsste aber auch dort einen Bebauungsplan ändern, auch dies wäre ein Eingriff in Freiflächen.

Sie sagen, Sie haben eine Anfrage bekommen. Von wem denn?

Der Oberbürgermeister hat die Anregung von Bürgern an uns weitergereicht und uns gebeten, die Idee zur Errichtung eines zusätzlichen Wohnblocks am Asemwald zu prüfen.




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