Wohnungslos in Esslingen Bürger für Berber mit neuem Namen

Geschäftsführer Sebastian Huber und Elke Walkenhorst-Mayer am Esslinger Vereinsdomizil Foto: Johannes / M. Fischer

Der Esslinger Verein, der sich um sozial Benachteiligte kümmert, tat sich 2022 zusammen mit dem Stuttgarter Straßenzeitungsverein Trott-war. Nach Querelen bei der Zeitung soll nun Ruhe einkehren. Erst einmal gibt es einen neuen Namen.

In der bevorstehenden Hauptversammlung am Freitag des krisengeschüttelten Stuttgarter Vereins Trott-war, der seit einigen Monaten gemeinsame Wege geht mit dem Esslinger Verein Bürger für Berber, will man sich auch einen gemeinsamen Namen geben: Trott-war – Bürger für Berber. Auch soll es darum gehen, in ruhiges Fahrwasser zu kommen, nachdem es zuletzt etliche Unruhen im Verein gab.

 

„Wir möchten nicht weiter schmutzige Wäsche waschen“, wünscht sich der neue Geschäftsführer Sebastian Huber, der seit Anfang Oktober im Amt ist. Nichts anderes wünscht sich auch Elke Walkenhorst-Mayer, die sich im Rahmen der Vereinsarbeit in Esslingen seit drei Jahrzehnten für sozial benachteiligte Menschen einsetzt und einen Anteil an der Vereinszusammenlegung hatte. Das Foto zur Fusionsnachricht bildete sie noch ab mit dem damaligen Geschäftsführer von Trott-war, Helmut Schmid. Letzterer ist inzwischen von seinen Aufgaben entbunden. Schmid war Anfang des Jahres wegen sexistischer und als antisemitisch wahrgenommener Äußerungen in die Kritik geraten.

Die Fusion war der Rettungsanker

Für die Bürger für Berber, die sich wie Trott-war um sozial Benachteiligte kümmern, kam der Skandal um Schmid zur Unzeit, auch wenn der Esslinger Verein nicht darin verwickelt war. Weil es keine Nachfolge für die Vorstandsämter gab, drohte dem Verein sogar das Aus. Die Fusion, seinerzeit mit eingeleitet von Helmut Schmid, war der Rettungsanker und schien perfekt zu passen: Beide Vereine kümmern sich um Menschen, die sozial benachteiligt sind. Trott-war ist bekannt für das gleichnamige und recht anspruchsvolle Straßenmagazin, mit denen sich Menschen mit wenig Geld und Perspektive etwas Geld verdienen können. Die Bürger für Berber wiederum sind bekannt für ihre Holzwerkstatt, ihre Kleiderkammer und ihre Bemühungen, Menschen zusammen zu bringen, ihnen ein soziales Miteinander zu ermöglichen.

Finanziell sind die Bürger für Berber gut aufgestellt. Ihr Vermögen behalten sie für die eigenen Zwecke in Esslingen, es geht nicht in einem gemeinsamen großen Topf auf, wie Geschäftsführer Huber versichert. Maximal Kleinstbeträge für die Verwaltungsaufgaben würden verrechnet, weil die Buchhaltung künftig in Stuttgart erledigt wird – in Esslingen wäre auch niemand mehr da gewesen, der es hätte machen können oder wollen.

Zwanzig bis dreißig Menschen kommen laut Walkenhorst-Mayer in der Eberspächerstraße täglich vorbei, um sich etwa in der Kleiderkammer umzusehen, Spenden vorbei zu bringen, eines der Handwerkerstücke aus Holz zu kaufen oder in der Werkstatt beziehungsweise der Kleiderkammer zu arbeiten. Seine Anfänge hat der Verein im Jahr 1989, als sich Walkenhorst-Mayer in einer Einzelaktion um Randgruppen kümmerte. 1995 wurde der Verein gegründet. Seit 2003 hat er sein Domizil in der Eberspächerstraße. Der Verein Trott-war wurde im Jahr 1994 gegründet. Die Fusion wurde nach Angaben von Walkenhorst-Mayer vor etwa einem Jahr in die Wege geleitet.

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