Wohnungsmangel im Land Studie: 200 000 Sozialwohnungen fehlen
In Baden-Württemberg fehlen so viele Sozialwohnungen wie in keinem anderen Bundesland, so eine Studie. Der Mangel wird für alle Mieter ein wachsendes Problem.
In Baden-Württemberg fehlen so viele Sozialwohnungen wie in keinem anderen Bundesland, so eine Studie. Der Mangel wird für alle Mieter ein wachsendes Problem.
In Baden-Württemberg fehlen einer aktuellen Studie zufolge so viele Sozialwohnungen wie sonst in keinem anderen Bundesland. Bis 2030 müssten im Südwesten rund 206 000 Sozialwohnungen geschaffen werden, wie das Pestel-Institut im Auftrag des Bündnisses „Soziales Wohnen“ aus Industriegewerkschaft Bauen- Agrar-Umwelt, Mieterbund und anderen Verbänden ermittelte. Bundesweit liegt die Lücke bei rund 900 000 Wohnungen.
Für die Berechnungen wurden Wohnungsdefizit und Empfänger von Sozialleistungen zugrunde gelegt. Das Bündnis geht davon aus, dass bundesweit eine Aufstockung auf einen Bestand von zwei Millionen Sozialwohnungen bis zum Jahr 2030 nötig wäre – dann wäre in etwa der Stand aus dem Jahr 2007 erreicht. Für Baden-Württemberg sehen sie einen Bedarf von 258 000 Sozialwohnungen. Ende 2022 in Baden-Württemberg rund 52 000 Sozialwohnungen gezählt.
Bundesweit sinkt die Zahl der Sozialwohnungen seit Jahrzehnten, weil keine neue Wohnungen gebaut wurden und alte Sozialwohnungen ihren Sonderstatus verloren. In den vergangenen Jahren haben Bund und Länder aber bereits gegengesteuert und ihre Förderung erhöht. In Baden-Württemberg wurde der Abwärtstrend 2022 gestoppt.
Doch die eingesetzte Förderung reicht nach Einschätzung der Bündnispartner nicht. Sie fordern mindestens 50 Milliarden Euro bundesweit für den sozialen Wohnungsbau und Steuererleichterungen für den Neubau. Denn aktuell, so die Argumentation, werde der Mangel an Wohnraum durch Sozialausgaben aufgefangen. Problematisch werde es, wenn die vom Staat gewährten Kosten der Unterkunft über dem Mietenindex liege. Teilweise würden Mieten in angespannten Märkten weiter angetrieben. „Wir fördern am Ende den Vermieter“, warnte Studienautor Matthias Günther. Das sei ein flächendeckendes Problem in Deutschland. „Wir haben nicht ein einziges Bundesland, wo Kosten der Unterkunft im Rahmen des Mietenindex gestiegen sind“, so Günther.
Als besonders problematisch stechen in in dieser Hinsicht mehrere Land- und Stadtkreise aus Baden-Württemberg hervor. Neben dem Ortenaukreis, sind das Kreise der Region Stuttgart, sowie die Landkreise Tübingen und Reutlingen in der Studie genannt, wo bezahlte Unterkunftskosten die Durchschnittsmieten übersteigen. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, warf dem Staat ein „Missmanagement“ beim Umgang mit sozialem Wohnraum vor. „Er zahlt lieber – oft viel zu hohe – Mieten an die Vermieter, anstatt intensiv in den Bau von Sozialwohnungen zu investieren“, sagte er.