Wohnungsnot in Stuttgart Straßenprotest gegen hohe Mieten

Von Hildegund Oßwald 

Bei einer Demonstration haben am Donnerstag der Mieterbund und die Gewerkschaften mehr bezahlbare Wohnungen gefordert. Es war die erste Aktion dieser Art in Stuttgart seit dreißig Jahren.

Die Demo gegen hohe Mieten war die erste dieser Art seit dreißig Jahren. Foto: Gottfried Stoppel
Die Demo gegen hohe Mieten war die erste dieser Art seit dreißig Jahren. Foto: Gottfried Stoppel

Stuttgart - Nach 30 Jahren haben am frühen Donnerstagabend erstmals wieder Demonstranten auf dem Schloßplatz gegen explosionsartig steigende Mieten und für mehr bezahlbare Wohnungen in Stuttgart demonstriert. Der Mieterbund, Gewerkschaften und Mieterinitiativen hatten gemeinsam mit Sozialverbänden dazu aufgerufen, den Protest gegen eine neue Wohnungsnot auf die Straße zu tragen. Gemeinsam will das Aktionsbündnis Druck auf die Politiker im Rathaus, im Land und im Bund ausüben, damit mehr geförderte Wohnungen gebaut und Mietsteigerungen gedeckelt werden.

Die Zahl der Unterstützer fiel allerdings geringer als erhofft aus. Die Teilnehmer an der halbstündigen Kundgebung verloren sich mehr oder weniger im Dunst von einigen blauen Luftballons, wenigen roten SPD-Fahnen und einzelnen gelben Gegen-S 21-Schildern zwischen Calder-Plastik und Planie. Der Mieterverein sprach abschließend zwar von 1000 Demonstranten, doch die offizielle Zahl der Polizei hat eine Null weniger. Tatsächlich dürften es aber mehr als nur hundert gewesen sein.

Desinteresse bei den Passanten

Mindestens genauso bemerkenswert wie die geringe Protestbereitschaft und der nur laue Applaus für die Redner war die Reaktion der vielen Passanten auf der Königstraße. Sie demonstrierten vor allem Desinteresse an der Kundgebung. „Die müssen wohl alle eine günstige Wohnung haben“, mokierte sich eine Demonstrantin und hielt ihr Transparent mit der Forderung „Wohnen muss bezahlbar bleiben, 42 Prozent vom Lohn fürs Wohnen ist Wucher“ noch etwas höher in Richtung Einkaufsmeile. „Spekulanten raus“ und „Mieterhöhung und Verdrängung stoppen“ forderten andere auf Transparenten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft SWSG wurde aufgrund ihrer hohen Mietsteigerungen nach Wohnungsmodernisierungen als gefräßiges Krokodil dargestellt.

Die Redner bekräftigten ihre bereits vor Tagen laut gewordenen Forderungen. Der Mieterbundvorsitzende Rolf Gaßmann forderte den Bau von jährlich 1000 geförderten Mietwohnungen in Stuttgart und ein neues Zweckentfremdungsverbot. Gefordert sei auch die Landesregierung. „Sie hat einen Paradigmenwechsel versprochen, bringt aber die Wohnungsförderung nur schleppend in Gang“, kritisierte Gaßmann.

Die Lohnzuwächse bleiben zurück

Der Vorsitzende des DGB Stadtverbands Stuttgart, Philipp Vollrath, sprach von einer unguten Entwicklung mit doppelt so hohen Miet- wie Lohnsteigerungen in den vergangenen vier Jahren. Wenn 39 Prozent der Erwerbstätigen im Land mit Nettolöhnen von bis zu 1300 Euro auskommen müssten, dürften Mieten von 700 Euro für eine 70 Quadratmeter-Altbauwohnung nicht die Regel sein. Thomas Winter von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege betonte die besonders schwierige Wohnsituation für Alleinstehende, Alleinerziehende und Arbeitslose. Günter Krappweis von der Mieterinitiative LBBW-Patrizia sprach von Mietunrecht und forderte zum gemeinsamen Protest auf.

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