Wonder Woman Stets im Kampfeinsatz

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Die israelische Schauspielerin Gal Gadot setzt sich im Film als Wonder Woman für die Schwachen ein. Im echten Leben wird der 32-Jährigen ihre militärische Laufbahn zum Verhängnis.

Die Schauspielerin Gal Gadot verkörpert für die Israelis  nicht nur im Kino  eine Superfrau mit femininer Ausstrahlung und feministischer Ader Foto: AFP
Die Schauspielerin Gal Gadot verkörpert für die Israelis nicht nur im Kino eine Superfrau mit femininer Ausstrahlung und feministischer Ader Foto: AFP

Jerusalem - Im Film trägt sie Brustpanzer, Schwert und Schild – und kämpft als ­Wonder Woman für eine bessere Welt. Im Hier und Jetzt muss sich die israelische Schauspielerin Gal Gadot ebenfalls einen harten Panzer zulegen. Denn die Vorwürfe über ihre angeblichen Kampfeinsätze im echten Leben wiegen schwer: Laut einer ­nationalistischen tunesischen Partei soll die 32-Jährige an Angriffen auf den Gazastreifen beteiligt gewesen sein. Weshalb der Film in Tunesien verboten wurde. Auch störten sich die arabischen Zensoren vor allem ­daran, dass Gadot im Gaza-Krieg 2014 per Facebook zu Gebeten für israelische ­Soldaten aufrief, „die ihr Leben riskieren, um mein Land gegen horrende Aktionen der Hamas zu schützen“.

Neben Tunesien haben auch Kinos in ­Algerien, Jordanien und dem Libanon den Streifen vorerst wegen der israelischen Hauptdarstellerin gebannt. Was Gadot von diesem Boykott hält, bleibt offen: Öffentlich sagen durfte sie es nicht. Die US-Produzenten ließen Nachfragen eines israelischen Journalisten kurzerhand aus einem Interview herausschneiden. Offenbar möchte Hollywood ein Politikum um „Wonder Woman“ vermeiden. Arabische Action-Liebhaber werden den Film sich sowieso übers Internet herunterladen können.

Auf Reklametafeln prangt: „Wir lieben dich“

Da müssen sich Liebesbekundungen seitens ihrer Landsleuten umso besser anfühlen: „Wir lieben dich“, prangt in Riesenlettern auf einer Reklametafel über dem Highway in Tel Aviv, die die 32-Jährige in ihrer ­sexy Kampfmontur als unschlagbare Amazone zeigt. Gleich beim Anlaufen des Films illuminierte ihr Riesenkonterfei auch die Fassade des Azrieli Tower, Israels höchsten Gebäudes, darüber die Aufschrift „Our Wonder Woman“.

Gal Gadot, deren Vorname auf Deutsch „Welle“ bedeutet, lebt zwar inzwischen in Los Angeles, aber in Interviews verweist sie gerne auf ihre Herkunft: Rosch Ajin, ein israelisches Provinzstädtchen in der Nähe von Tel Aviv. Schon das mögen ihre Landsleute, die Gadot seit Langem schätzen. Als 19-Jährige wurde sie zur Miss Israel gekürt, danach machte die 1,78 Meter große Frau mit den langen braunen Haaren als Model und Schauspielerin in Nebenrollen und populären TV-Serien Karriere.

Die Israelis finden es gut, dass sich gadot nicht vor dem Militärdienst gedrückt hat

Gerade dass sich Gadot eben nicht vor dem Militärdienst drückte – wie etwa andere israelische Stars wie das Supermodel Bar Refaeli –, schätzen die Israelis sehr. Außerdem ist sie trotz Schauspielkarriere verheiratet. Ihren Ehemann Jaron Versano, einen Grundstücksmakler, hat sie auf einer Wüstenparty kennengelernt. Zudem hat sie zwei Kinder zur Welt gebracht: die sechsjährige Alma und die drei Monate alte Maya. Kurzum, Gal Gadot verkörpert für die Israelis auch im richtigen Leben eine Superfrau mit femininer Ausstrahlung und feministischer Ader.

Ihre Tochter habe einmal gemeint, „Prinzessinnen schlafen immer, bis der Prinz sie weckt“. Insofern beinhalte der Film, so Gadot, eine emanzipatorische Botschaft. „Wir haben schon so viele männlich dominierte Storys gesehen. Je mehr wir weibliche Narrative haben, umso besser.“

Es wird schon an einem zweiten Teil von „Wonder Woman“ gearbeitet

Sosehr sie den neuen Ruhm auch genießt, ein wenig Heimweh scheint Gal Gadot bisweilen doch in der kalifornischen Glitzerwelt zu überkommen. „In Israel haben die Leute Chuzpe“, beschrieb sie in einer Fernsehshow den Unterschied zwischen ihrer Heimat und dem American Way of Life. Eigentlich sei ihr die direkte israelische Art lieber, „als Spielchen zu spielen. Ich ziehe die Wahrheit vor.“ Ganz verabschiedet habe sie sich auch noch nicht von ihrem alten Ziel, irgendwann ihr begonnenes Jurastudium zu beenden.

Aber das ist erst mal in weite Ferne ­gerückt. Da „Wonder Woman“ auf dem Weg zu einem rekordträchtigen Kassenschlager ist – bereits am ersten Wochenende in den USA spielte der Film 100 Millionen Dollar ein –, wird bereits am Drehbuch für „Wonder Woman II“ gearbeitet.