Württemberger Weinmeisterschaft Das Publikum wählt seine Lieblinge

Die zweite Runde der Württembergischen Weinmeisterschaft hebt das Glas. Foto: Lichtgut/Julia Schramm
Die zweite Runde der Württembergischen Weinmeisterschaft hebt das Glas. Foto: Lichtgut/Julia Schramm

Die Online-Probe unserer Zeitung ist mit gehobenen Weißen in die zweite Runde gegangen. So unterschiedlich die Weingüter sind, haben sie doch eines gemeinsam.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
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Stuttgart - Ranglisten gibt es viele, aber das Ergebnis der ersten Württemberger Weinmeisterschaft wird ein Besonderes sein: Erstmals dürfen die Kunden selbst votieren. In Runde zwei der Online-Probe unserer Zeitung ging es um die Kategorie „gehoben, weiß, teuer“, wie der Moderator, Weinkolumnist und Chef vom Dienst unserer Zeitung Holger Gayer geradeheraus sagte. Wobei teuer zwischen zehn und 30 Euro bedeutete – was längst nicht mehr die preisliche Spitze der Württemberger Weine markiert.

Die sechs Bewerber um den Publikumspreis hatten Gayer und seine drei Kolumnistenkollegen in einer Blindprobe mit knapp 40 Weinen herausgefiltert, mit Unterstützung von Dieter Blankenhorn, dem renommierten Önologen und Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg. Wie schon bei der ersten Runde wurden die sechs Betriebe in Filmen von Ingo Dalcomo vorgestellt. Die kurzen Einspieler gaben Einblicke in ganz unterschiedliche Reblandschaften und Keller, aber sie erzählten immer wieder dieselbe Geschichte: jene von der Liebe zum Weinmachen.

Mehr Zeit für alte Reben

Den Auftakt der Probe im Pressehaus machte ein Riesling aus Strümpfelbach vom Weingut Kuhnle. Der Familienbetrieb aus dem Remstal hat 25 Hektar Rebfläche, wegen der schwäbischen Realteilung verteilt auf 300 Parzellen. „Da ist man bei der Lese viel unterwegs“, sagte der Juniorchef Daniel Kuhnle. Sein Riesling, 2020 geerntet, durfte lange gären. „Wir lassen uns ein bisschen mehr Zeit mit den alten Reben“, erklärte Kuhnle. Das Ergebnis: ein schön strukturierter, eleganter Wein.

Der zweite Riesling stammt von den Weingärtnern Cleebronn-Güglingen. Die Reben wachsen im Zabergäu, wo der Michaelsberg eine „Landmarke“ setzt, so Gayer, der dem Wein eine „kräftige, würzige, salzige Note“ attestierte. „Man zieht alle Register im Weinbau“, erklärte der Geschäftsführer der Genossenschaft, Axel Gerst. „Die Detailverliebtheit macht den Unterschied. Da steckt ganz klare Planung dahinter.“

Klare Identität

So ist auch die Einstellung von Timo Saier, dem Betriebsleiter des Weinguts der Stadt Stuttgart. Er war bei der Probe mit einem reiferen Weißburgunder, der teilweise im Barrique ausgebaut ist, vertreten und betonte: „Der ist nicht aus Versehen so geworden. Da soll eine gewisse Kraft dahinter sein.“ Saier ist 2016 angetreten, dem einzigen Weingut in Deutschland unter Verwaltung einer Landeshauptstadt eine „klare Identität“ zu geben – inzwischen zählt es zur Spitze Württembergs.

Von Saiers Kollegen aus Rotenberg, dem Collegium Wirtemberg, kommt der Sauvignon Blanc, der nach Paprika, Stachelbeere und exotischen Früchten duftet und viel Schmelz und Cremigkeit mitbringt. „Ein Chamäleon“, beschrieb ihn Gayer. „In Stuttgart ist der Markt umkämpft“, meinte der Kellermeister und Geschäftsführer Martin Kurrle – sein Collegium braucht indes vor der Konkurrenz keine Angst zu haben.

Klangvoller Name

„Wir stehen für unser Produkt mit unserem Namen“: Schöner könnte man einen Werbespruch nicht texten. In diesem Fall ist der Name auch noch besonders klangvoll, nämlich Weingut Herzog von Württemberg. Die Domäne aus Ludwigsburg war bereits bei der ersten Online-Runde mit einer Cuvée aus Riesling und Sauvignon Blanc dabei. Dieses Mal hat nun Michael Herzog von Württemberg persönlich einen reinsortigen Sauvignon Blanc mitgebracht mit vielfältigen Aromen und sanfter Säure.

Vom Heuchelberg und seinen Weingärtnern stammt der Gewürztraminer, der in der Probe den pointierten Schlusspunkt setzte. Ein „Liebhaberwein“ sei er, sagte deren Geschäftsführer Werner Bender. Die Bukettsorte Gewürztraminer ist anders als viele Kollegen aus dem Elsass, trocken ausgebaut. Und er hält, was Bender forderte: „Ein Wein muss Emotionen wecken.“

Ihr Gefühle durften die Teilnehmer der Probe schließlich in Bewertungen nach Sternchen einfließen lassen. Am 5. November sind bei der nächsten Online-Probe die günstigeren Rotweine dran, am 19. die gehobenen, und am 10. Dezember werden die Sieger aller Kategorien vorgestellt.




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