Natürlich die Yoga-World.
Ein anderer Münchner meinte, es sei die A8 nach München. Es war der Fußballer Thomas Strunz. Aber Sie dürften Fußballer-Witze ja gewohnt sein.
Das ist wohl wahr.
Ist es eigentlich schwer, als Yogi in die Welt des Fußballs und die Köpfe der Kicker vorzudringen?
Heute nicht mehr. Ich mache das ja inzwischen seit fast 16 Jahren. Auch ganz zu Beginn ging es leichter, weil die Fußballer so überrascht waren und keine Abwehr da war. Aber dann haben es einige Leute negativ kommentiert, dass sich Fußballer mit Yoga beschäftigen. Das hat dann manche zum Nachdenken gebracht und vielleicht verunsichert. Heute ist es jedoch selbstverständlich, dass Fußballer Yoga praktizieren.
Von der Nationalmannschaft weiß man das. Aber gilt das auch für die Bundesliga?
Beim FC Bayern ist ein Yogalehrer fest angestellt und in Augsburg wird nach jedem Spiel Yoga praktiziert.
Und beim VfB?
Das weiß ich leider nicht genau. Aber unterm Strich gehört bei acht bis zehn Clubs Yoga dazu. Und wenn die Akademie des Deutschen Fußball Bundes steht, wird Yoga dort ein fester Bestandteil sein. Da bin ich in ganz engem Austausch mit Oliver Bierhoff, der Yoga dort etablieren will.
Wie sieht es im Jugend-Fußball aus. Ist Yoga dort auch einsetzbar?
Der FC Bayern wird es jetzt auch in seine Jugendakademie integrieren. Denn die 14- bis 18-Jährigen sind sehr steif. Sie haben zwar ein super Ballgefühl, aber ein bisschen mehr Körpergefühl kann da nicht schaden. Ein gutes Körpergefühl macht dann doch den Unterschied zwischen einem Spieler der sehr erfolgreich wird und einem, der es vielleicht nicht schafft.
Per Mertesacker ist dankbar
Hat auch das Mentale eine Wirkung bei Fußballern?
Im Profibereich ganz sicher. Im Jugendbereich geht erst einmal um Mobilisation und Stretching.
Sie haben diese Tore bei Nationalmannschaft in der Ära Klinsmann aufgestoßen. Gibt es heute noch Dankesbriefe von den Kickern?
Per Mertesacker ist ein gutes Beispiel. Obwohl er sehr spät mit Yoga angefangen hat, hat er sich durch die Praxis noch einmal sehr verbessert in seinen Bewegungsabläufen. Und dann hat er es auch mit Begeisterung gemacht. Per hat gesagt, dass er mindestens fünf Jahre früher mit dem Profifußball aufgehört hätte, wenn er kein Yoga gemacht hätte. Ryan Giggs von Manchester United spricht sogar davon, dass er zehn Jahre seiner Karriere dem Yoga verdankt. Und Oliver Bierhoff meint immer, wenn er früher mit Yoga in Berührung gekommen wäre, hätte er auch noch ein paar Jahre länger kicken können.
Was konnten Sie diesen Profi-Sportlern geben?
Natürlich ist da eine große mentale Komponente nach dem Spiel, um wieder runter zu kommen. Und die Entsapnnungskomponente, um in dem extrem belastenden Körper wieder Dampf abzulassen.
Welche Art von Yoga praktizieren Sie mit den Kickern?
Eine sehr gelenkschonende und regenerative Form mit ein paar Atemübungen und Visualisierungen. Meistens reichen da schon 30 Minuten.
Haben auch andere Sportarten den Nutzen von Yoga erkannt?
In den Olympiastützpunkten wird es gerne eingesetzt – in fast allen Sportarten.
Was bringt Yoga der Welt überhaupt?
Im Idealfall ein bisschen Frieden. Und wenn man durch Yoga anfängt, sich selbst wieder zu spüren, bekommst du auch eine Sensitivität dafür, was anderen und der Umwelt guttut. Es bringt ein bisschen Bewusstheit.
Yoga derzeit trendy, aber wird auch immer kommerzieller. Fluch oder Segen?
Ich bin froh, dass es Trend ist. Je mehr Menschen wir erreichen, desto besser. Da ist ganz egal, aus welchen Grund jemand Yoga macht. Ich fühle mich seit Anbeginn als Brückenbauer zwischen den Welten.
Hat sich Yoga weiterentwickelt?
Heute ist es kein Unterjochen des Körpers durch den Geist mehr, sondern ein Freiwerden über den Körper. Das tut der Sache gut, dass man es heute ein weniger entspannter sieht.
Männer haben Hemmungen
In einer Yogastunde sind Männer selten. Woran liegt es?
Für viele ist Yoga immer noch eine Frauensache. Klar, der Durchschnittsmann kommt in so einen Yogaraum und trifft dort auf superbewegliche Frauen und denkt: Oje, das ist nix für mich. Manchmal werden sie auch mit einer bestimmten Art von Spiritualität überschüttet, die ihnen zu kitschig ist.
In Indien ist Yoga in der Regel auch eine spirituelle Angelegenheit. Passt das im Westen?
Ich lasse es immer bewusst offen. In Indien ist es eben stark mit dem Hinduismus. Ich finde, der hat hier nicht so viel zu suchen. Ich mag ihn jedenfalls niemandem überstülpen. Du kannst auch als Christ, Moslem oder Jude deine eigene Spiritualität spüren. Vor 20 Jahren war ich einer der Einzigen, die vor der Stunde ge-omt haben. Jetzt macht es jeder und ich lass es weg.
Inzwischen ist es auch sehr beliebt, eine Yoga-Lehrer-Ausbildung zu machen. Gute Idee? Der Markt ist voll.
Die Guten setzen sich überall durch. Für die anderen ist es einfach eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Yoga.
Was muss man mitbringen?
Talent und Persönlichkeit.
Noch mal zu Stuttgart zurück. Manche sagen, nach Berlin sei es inzwischen die heimliche Yoga-Hauptstadt.
Also da ist es wohl wieder so, wie Sie eingangs scherzhaft sagten. In München ist wesentlich mehr los. Wir haben derzeit rund 100 Yoga-Studios. Stuttgart ist auf einem guten Weg, muss aber noch ein bisschen aufholen.