Künzelsau - Mit 405 mit dem Cononavirus Infizierten pro 100 000 Einwohnern nimmt der Hohenlohekreis eine traurige Spitzenposition im Südwesten ein. Neun Menschen sind dort an den Folgen des Virus gestorben. Die vergleichsweise gute Nachricht: Die Zahl der Infizierten verdoppelt sich dort langsamer als anderswo, den Angaben zufolge nämlich alle neun Tage (Stand 30. März). Die Durchschnittszahl im Land beträgt derzeit etwa alle fünf Tage. Die Verdoppelungszahl ist ein Indiz dafür, wie schnell sich die Epidemie ausbreitet.
„Möglicherweise zeitigen die vom Hohenlohekreis ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen erste Wirkung“, gibt man sich im Landratsamt in Künzelsau vorsichtig optimistisch. Zwei Veranstaltungen Anfang März waren rasch als Auslöser der Pandemie im Hohenlohekreis ausgemacht worden – ein Kirchenkonzert und ein Babybasar. Daher wurden viele Personen getestet – allein 1140 etwa in einer eilends eingerichteten Drive-in-Abstrichstelle. Hinzu kommt eine hohe Anzahl an Tests, die in den Arztpraxen und im Krankenhaus gemacht werden. „Wir gehen davon aus, dass im Kreis, gemessen an der Einwohnerzahl, eine sehr hohe Prüfdichte besteht“, sagt ein Sprecher auf Anfrage.
250 Kontaktpersonen wurden ausfindig gemacht
Wer hatte mit den Menschen Kontakt, die mit dem Coronavirus infiziert sind? Rund 250 Mitarbeiter des Landratsamts waren den Angaben zufolge damit beschäftigt, diese Frage zu klären. Rund 2500 Kontaktpersonen von Infizierten seien ausfindig gemacht und in häusliche Quarantäne geschickt worden, teilt das Landratsamt mit: „Das entspricht etwa 2,2 Prozent der Kreisbevölkerung.“ Und die Maßnahmen zeitigen Wirkung, sagt die Verwaltungsleiterin Silke Bartholomä: „Wir haben inzwischen Fälle, bei denen bestätigt erkrankte Personen keine Kontaktpersonen mehr angeben, weil sich diese bereits selbst als Kontaktpersonen in häuslicher Absonderung befanden.“
In den Einzelzimmern sollen Genesene untergebracht werden
Im Krankenhaus in Künzelsau, das Ende des vergangenen Jahres geschlossen worden war, haben inzwischen die Vorbereitungen zur Einrichtung einer Isolierstation begonnen. Im Bettentrakt entstehen mehr als 50 Einzelzimmer. Falls eine häusliche Unterbringung nicht möglich ist, sollen dort von der Krankheit Genesene, die sich selbst versorgen können, untergebracht werden. Eine medizinische Betreuung dieser Patienten sei allerdings nicht möglich. Aber: „Durch eine Isolierstation können genesene Patienten aus den Krankenhäusern gegebenenfalls schneller entlassen werden und somit Ressourcen freimachen“, sagt der Landrat Matthias Neth. Die Versorgung mit Essen und Wäsche werde vom Deutschen Roten Kreuz im Hohenlohekreis gestellt. Die Aufnahme in die Isolierstation erfolge im Übrigen freiwillig.