Zehn Jahre Bücherbabys in Waiblingen Krabbelgruppe mit Faible fürs Buch

Von Annette Clauß 

Eine „literarische Krabbelgruppe“? Ja, so etwas gibt es. Die Stadtbücherei Waiblingen bietet sie mit der Familienbildungsstätte schon seit zehn Jahren an – für Kleinkinder ab neun Monaten.

Ines Maier begeistert mit kleinen Dingen die Allerkleinsten, wie man hier sieht. Foto: Stoppel
Ines Maier begeistert mit kleinen Dingen die Allerkleinsten, wie man hier sieht. Foto: Stoppel

Waiblingen - Rischel raschel, rischel raschel: Ines Maier reibt eine Handvoll Herbstlaub zwischen ihren Finger und wirft dann die bunten Blätter hoch in die Luft. Langsam segeln sie zu Boden, landen zwischen Stofftieren, Spielzeugautos, Rasseln und einer Trommel, die Ines Maier auf einem großen Teppich platziert hat. Bilderbücher liegen auch griffbereit – denn schließlich sind an diesem Dienstagmorgen die Bücherbabys in der Stadtbibliothek Waiblingen zu Gast.

Zwölf Kleinkinder im Alter von neun bis 18 Monaten kommen jede Woche mit ihren Mamas zu dem Kurs, den die Bücherei-Leiterin Ute Bräuninger-Thaler „unsere literarische Krabbelgruppe“ nennt. Vor gut zehn Jahren hatte sie die Idee zu diesem speziellen Angebot der Leseförderung, damals das erste seiner Art im Rems-Murr-Kreis. Im Lauf der Zeit sind weitere Kurse hinzugekommen: einer in Leutenbach, einer in Winnenden.

Drei Standorte im Rems-Murr-Kreis

Beide betreut ebenfalls Ines Maier, die eher zufällig zur Leiterin der literarischen Krabbelgruppe wurde. „Frau Maier war eine Leserin und wir wussten, dass sie Erzieherin ist. Also haben wir sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, den Kurs zu leiten“, erzählt Ute Bräuninger-Thaler. Und siehe da: „Die Bücherbabys waren von Anfang an ein Renner.“

Das Motto des Angebots lässt sich mit vier Worten zusammenfassen: je früher, desto besser. Soll heißen: wenn Kinder im sehr jungen Alter mit Worten, Sprache und deren Melodie in Kontakt kommen, und zwar im Zusammenhang mit Spaß und Spiel, dann hat das positive Folgen. „Wir legen hier die Grundlagen für die Schule. Dort brauchen die Kinder Kreativität und Fantasie, zum Beispiel wenn sie selbst Geschichten erzählen müssen. Viele tun sich da heute schwer“, sagt Ines Maier.

Bücher vorzulesen, das mache bei solch jungen Teilnehmern noch keinen Sinn, sagt Ines Maier. Stattdessen singt sie, erzählt Geschichten und bietet nebenher etwas für die Augen, eine Art sprechendes Bilderbuch, denn als Erzähler springen je nach Jahreszeit Handpuppen wie Klara, die Herbstmaus, oder die kleine Raupe Nimmersatt im Sommer ein. So lernen die Kleinen und ihre Eltern ganz nebenbei die Helden von Bilderbüchern kennen, die sie später vielleicht gemeinsam anschauen werden. Zum Beispiel bei den Bücherzwergen, einem Folgekurs, der sich an jene richtet, die das Höchstalter der Bücherbabys, 18 Monate, überschritten haben. Diese Bücherkarriere ist ganz im Sinne von Ute Bräuninger-Thaler, die hofft, dass die Kinder mit der Bücherei positive Erinnerungen verbinden.

Erst Bücherbaby, dann Bücherzwerg

Bei Sarah Walentins Kindern hat das geklappt. Sie kommt mit Sohn Jonah aus Stuttgart zu den Bücherzwergen, zuvor war Jonah ein Bücherbaby. „Ich war schon mit meinem ersten Sohn dabei und habe Jonah zwei Wochen nach seiner Geburt mitgebracht. Sobald er alt genug war, habe ich ihn angemeldet“, sagt Sarah Walentin und fügt hinzu: „Der Kurs steht und fällt mit Ines Maier.“

Letztere möchte den Erwachsenen im Kurs auch zeigen, wie sie ihren Kindern mit kleinen Dingen eine große Freude bereiten können, zum Beispiel mit bunten Blättern. „Es muss nicht immer gleich ein Barbiehaus sein“, sagt Ines Maier und berichtet dann, womit die Bücherbabys ihr selbst die größte Freude machen: „Das Schönste ist, wenn man zum ersten Mal von ihnen angelächelt wird.“