Die Wahl könnte auf Burundi fallen. „Es ist das Partnerland von Baden-Württemberg“, sagte Maria Zundel, Sprecherin der Lokalen Agenda, als sie am Donnerstagabend beim Agendafest in der Steinturnhalle die Visionen für die Zukunft ausführte. Eine Klimapartnerschaft etwa könne zu den Perspektiven gehören, an die man sich in einer Fairtrade-Stadt wie Leonberg wagen könne. Und wenngleich die Pläne noch nicht ganz konkret seien – die Zusammenarbeit mit einer Stadt in Burundi könnte man sich bei der Agenda durchaus vorstellen. „Die Bildung von globalen Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung ist eine Kernbotschaft der Agenda“, so Zundel.
Erst vor wenigen Tagen wurde das Siegel erneuert
Fairtrade-Stadt – dieses Abzeichen kann Leonberg sich nun schon seit zehn Jahren ans imaginäre Revers heften. Und angefangen hat alles mit der Anregung der lokalen Agenda im Jahr 2013. Seitdem ist das Siegel alle zwei Jahre erneuert worden, zuletzt erst vor wenigen Tagen. „Die Urkunde ist noch druckfrisch“, verkündete Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, der am Donnerstagabend ein Grußwort an die knapp 50 Anwesenden in der nicht eben voll besetzten Steinturnhalle richtete.
Aber was macht eine Fairtrade-Stadt überhaupt aus? Zunächst braucht es einen Beschluss des Gemeinderats. Danach muss sich eine Steuerungsgruppe bilden – dann geht es ans Eingemachte: In einer Stadt in der Größe Leonbergs müssen mindestens zehn Einzelhändler und fünf Gastronomen zumindest zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Auch Institutionen und Unternehmen verwenden Fairtrade-Produkte. Auf der Homepage der Stadt Leonberg sind aktuell 34 Gaststätten, Läden und Organisationen gelistet, die dabei sind. Außerdem ist Öffentlichkeitsarbeit gefragt: Der Bevölkerung muss fairer Handel nähergebracht werden, zudem sollen die lokalen Medien berichten.
OB: „Großartiges Engagement“ der Agenda
Das alles geschieht in Leonberg. So freute sich auch OB Cohn über das Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. Gleich nachdem die vierköpfige Trommelgruppe Banda Mugame den Auftakt zum Fest gemacht hatte, lobte er das „großartige Engagement, das die Agenda jedes Jahr auf die Beine stellt“.
Als Rüdiger Beising im Verlauf die einzelnen Agendagruppen vorstellte, wurde jedoch deutlich: Dieses Engagement aufrecht zu erhalten, ist nicht einfach. So fehle es einigen Gruppen an Teilnehmern, neue Kräfte seien willkommen. Die Agenda engagiert sich nicht nur für fairen Handel in der Stadt. Es existieren neben der Gruppe Eine Welt und faire Stadt zudem das Agenda-Kino, der Arbeitskreis Asyl, der Energiekreis, die Gruppe Frauen für Gleichberechtigung, das Netzwerk Gartenstadt, die Radfahrer von RadL, das Repair Café, sowie die Gruppe Stadtumbau Leonberg-Mitte. „Interessierte können auch neue Gruppen gründen“, warb Beising.
Vortrag und Gewinnspiel in der zweiten Hälfte
Nach der Pause hielt Ait Atmane, Projektkoordinator Kommunale Partnerschaften beim Städtetag Baden-Württemberg, einen Vortrag zum Thema „Zusammenhang von Partnerschaften mit dem globalen Süden und fairem Handel“. Mit dem Referenten hatte sich Maria Zundel im Vorfeld bereits über die potenzielle Partnerschaft mit Burundi ausgetauscht. Sie könne sich vor allem eine Zusammenarbeit in Sachen Solarenergie sowie bei der Mobilität – vor allem bei Fahrrädern – vorstellen. Als Partner kämen die Stiftung Solarenergie sowie die Organisation World Bicycle Relief in Frage.
Zum Schluss folge das laut Zundel „absolute Highlight“ des Abends: die Vorstellung des Fairtrade-Gewinnspiels. Seit diesem Freitag können die Leonberger Betriebe und Lokalitäten besuchen, dort einkaufen und dabei insgesamt zehn Stempel sammeln. Die gefüllte Karte wird anschließend eingereicht, zu gewinnen gibt es einen von 50 Gutscheinen zu je 50 Euro. Dieser ist bei den Betrieben in Leonberg einlösbar. Der Clou: Man kann mehrere Karten einreichen, außerdem müssen die Stempel nicht bei unterschiedlichen Unternehmen gesammelt werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 15. Februar.
Fairer Handel – wie funktioniert das?
Wofür steht Fairtrade?
Fairer Handel (englisch: fair trade) soll Arbeitenden und Kleinbauernfamilien faire Preise und Löhne, Beratungen und langfristige Handelsbeziehungen sichern. Mit einer Prämie können soziale Einrichtungen und Infrastruktur unterstützt werden. Besonders gefördert werden umweltschonende Anbaumethoden. Vor allem im globalen Süden will man so die Bedingungen verbessern.
Werkzeuge
Unter anderem sorgt die Organisation Fairtrade für einen Mindestpreis für die Produzenten und macht die Rückverfolgbarkeit eines Produktes möglich. Außerdem gibt die Organisation die Regeln für Mischprodukte vor, die ebenfalls das Fairtrade-Siegel tragen können.
Weitere Informationen
Informationen zur Agenda (zu finden auf www.leonberg.de) und zur Organisation Fairtrade (www.fairtrade-deutschland.de) gibt es im Internet.